Kieselerde: Siliziumhaltige Mineralien und Sedimente

Kieselerde ist in den letzten Jahren stark in Verruf geraten. Dabei spielen Produkte, in denen Quarz und Cristobalit gefunden wurden, eine besondere Rolle. Die echte Kieselerde aus Kieselalgen gilt traditionell als Schönheitsmittel und hilft gegen brüchige Nägel, bei Haarausfall und Hautunreinheiten.

Kieselerde – ein Sammelbegriff

Kieselerde ist ein allgemeiner Oberbegriff für Mineralien und Sedimente mit einem hohen Siliziumgehalt.

Schon gewusst?

Fachleute bezeichnen Mineralien mit einem hohen Quarzanteil sowie Alumosilikate wie Karoline ebenfalls als Kieselerde.

Chemisch handelt es sich um Siliciumdioxide und nicht um Kieselsäuren. Darüber hinaus werden biogen gebildete Sedimente als Kieselerde bezeichnet: Die aus fossilen Kieselalgen gewonnene Kieselerde gilt traditionell als Heilmittel. Sie wird auch als echte Kieselerde oder Silicea terra bezeichnet.

Synonyme: Bergmehl | Celit | Diatomeenerde | Kieselgur | Kieselmehl | Silica | Solum diatomeae | Solum Diatomeae | Terra silicea

Wirkung der Kieselerde

Die echte Kieselerde aus der siliziumhaltigen Zellhülle der Kieselalgen wird aufgrund des hohen Siliziumgehalts traditionell zur Vorbeugung brüchiger Nägel und Haare sowie zur Straffung des Bindegewebes eingesetzt. Außerdem soll Kieselerde Haarausfall vorbeugen und Entzündungen hemmen. Sportlerinnen und Sportler nehmen zur Stärkung ihrer Bänder gern Kieselerde ein, um sich vor Verletzungen zu schützen. Doch was kann die Kieselerde wirklich? Die Forschung zur Wirksamkeit steckt noch in den Kinderschuhen.

Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigte auf, dass nach der täglichen Einnahme von Kieselsäure-Gel die Haare der Probandinnen voller wirkten. Die Haardicke nahm um 13 % zu. Der Studienleiter Professor Matthias Augustin geht davon aus, dass Silizium bestimmte Eiweißverbindungen stärke. Diese wiederum sind für die Stabilität der Haare verantwortlich. Eine Verbesserung der Haarqualität konnte ebenfalls eine Studie der Hautklinik am Klinikum der Stadt Karlsruhe belegen. 79 Probanden nahmen 3-mal am Tag je 350 mg Kieselerde über einen Zeitraum von 6 Monaten ein.1

Wirkstoff Silizium

Silizium (in der chemischen Fachsprache Silicium) kommt in unserem Körper in Knorpeln, Knochen und Bindegewebe sowie Haut und Hautanhangsgebilden vor. Daher nehmen Forschende an, dass unser Körper Silizium für die Bildung und Reifung der Knochen benötigt.

Schon gewusst?

In einer Studie wurden Kälbern Orthosilcat verabreicht, was zu einer vermehrten Bildung von Kollagen in Haut und Knorpeln führte.2

Fachleute schätzen den Tagesbedarf an Silizium auf 10–14 mg. In der Regel nehmen wir über die Nahrung ausreichend Silizium auf. Außerdem raten sie von einer vermehrten Silizium-Aufnahme ab, da ein Überschuss zur Hämolyse von roten Blutkörperchen und somit zu Zellveränderungen führen kann.

Schon gewusst?

Der Name “Silizium” leitet sich vom lateinischen Begriff “silex” für Kieselstein ab. Das wundert nicht. Silizium ist vorwiegend in Mineralien zu finden. Unsere Erde besteht aus etwa 15 Massenprozent Silizium. Insbesondere der Erdmantel weist einen hohen Anteil an silicatischen Gesteinsschmelzen auf. Sand besteht vorwiegend und Quarz 100 % aus Siliciumdioxid. In vielen Schmucksteinen ist Siliciumdioxid Hauptbestandteil und schließlich findet sich Silicium zu einem hohen Anteil in unseren Meeren wieder.

Nach Eisen und Zink ist es mit 1–2 g das dritthäufigste Spurenelement in unserem Körper.

LebensmittelGehalt in mg/100 g
Hafer595
Hirse500
Gerste233
Kartoffeln200
Weizen158
Erdnüsse50
Topinambur36
Mais 18
Petersilie13
Blumenkohl9

Daneben findet sich Silizium auch in Wasser, Wein und Bier zu einem nicht unerheblichen Anteil. In tierischen Produkten hingegen ist der Anteil sehr gering.

Wie oben erwähnt, konnte man in Tierversuchen nachweisen, dass Silizium die Mineralisierung von Knochengewebe verbessert und einen positiven Einfluss auf die Bildung von Knorpel- und Bindegewebe hat. Dennoch ist Silizium und seine Wirkung auf den menschlichen Körper nicht ausreichend erforscht. Führt man Silizium dem Körper in viel zu hohen Mengen zu, können sich Nieren- bzw. Harnsteine bilden.

Weitere Inhaltsstoffe von Kieselerde

In kleinen Mengen kommen in Kieselerde auch Eisen, Calcium, Phosphor und Magnesium vor.

Verwendung von Kieselerde

schöne Haare wollen gepflegt sein
Kieselerde soll gut für’s Haar sein.

Wir verwenden Kieselerde schon seit langer Zeit als Mittel zur Stärkung der Nägel und Haare. Als Kur in Form von Tabletten oder Kapseln setzen wir Kieselerde zur unterstützenden Behandlung ein, bei:

  • Hautunreinheiten, wie Akne
  • Gelenkproblemen
  • Knochenproblemen

Kapseln eignen sich besonders zur Einnahme von Kieselerde. Sie umgehen damit deren niedrige Wasserlöslichkeit und nehmen das Mineral einfacher auf. Zur Mineralstoffergänzung bieten Hersteller Kieselerde oft im Verbund mit anderen wichtigen Mineralien, Ergänzungsstoffen und Spurenelementen an.

Unsere Produkttipps:   Twardy Kieselerde-Kapseln von Salus Pharma | Kieselerde Magnesium Calcium, Kapseln ohne Gelatine von NaturaFit |  Dr. Jacob´s Basentabletten von Dr. Jacobs Medical

Cremes und Salben mit Kieselerde werden eingesetzt bei:

Daneben ist Kieselerde Bestandteil vieler kosmetischer Produkte. Hält man sich an die empfohlene Dosierung, sind Nebenwirkungen selten. Mitunter kommt es zu Überempfindlichkeitsreaktionen.

Unser Produkttipp: Avène Thermalwasser Spray von Pierre Fabre Dermo Kosmetik

Produkte in der Kritik

Die Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung hat Inhaltsstoffe einiger Präparate untersucht. In 3 von 4 Proben wiesen die Testenden statt Algenpulver das bedeutend günstigere Quarz und Cristobalit nach. Diese führen auf Dauer zu Nierenschäden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch das Institut für Mineralogie der Universität Hamburg. Beide Stoffe sind kristalline Formen von Siliziumdioxid. Fein gemahlen gelten diese in Industriebereichen als “Gefahrenstoff”. Wird der feine Quarzstaub eingeatmet, steigt das Risiko, an Lungentumoren zu erkranken. Das Fraunhofer Institut für Toxikologie in Hannover bestätigte, dass Verbraucherinnen und Verbraucher eine Gesundheitsgefahr nicht ausschließen können, wenn sie die quarzhaltigen Präparate einnehmen. Die Verbraucherschutzministerien in einigen Bundesländern gehen von Verbrauchertäuschung aus und bezweifeln die Verkehrsfähigkeit mancher Präparate. Dem gegenüber steht, dass Quarz und Cristobalit rechtmäßig als Zutaten in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen sind.

Achten Sie darauf

Silicea terra, die echte Kieselerde, ist nicht kristallin. Sie hat eine amorphe Struktur und wird aus Kieselalgen gewonnen.


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Stand vom: 13.04.2024

Studien:

1 Gehring, W.: Effekt der oralen Gabe von Kieselerde auf die Haarqualität. 2010. Akt Dermatol 36: 414-417

2 M. R. Calomme, D. A. Vanden Berghe: Supplementation of calves with stabilized orthosilicic acid: Effect on the Si, Ca, Mg, and P concentrations in serum and the collagen concentration in skin and cartilage. In: Biological Trace Element Research. Band 56, Nr. 2, 1997, S. 153–165

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