Kapseln

Die Medikamenten-Darreichungsform mit der Hülle

Medikamente können unterschiedlich verabreicht werden: Neben Tabletten, Filmtabletten und Dragees gehören Kapseln zu den festen Darreichungsformen. Sie dienen vor allem der oralen Einnahme. Sonderfälle bilden die Vaginal- und Rektalkapseln. 

Allgemeines zu Kapseln

Eine Kapsel besteht aus einer Hülle, die mit dem Wirkstoff in Pulver- oder Granulat- bzw. in flüssiger Form gefüllt ist. Als Hülle werden meistens Gelatine, Cellulose oder Carrageen verwendet.

Die Geschichte der Kapsel

Medikamente waren schon immer oft sehr bitter oder hatten einen anderen unangenehmen Geschmack. Sehr früh bemühte man sich darum, Mittel zu finden, wie man die Einnahme angenehmer gestalten kann. Bereits im 18. Jahrhundert versuchte Christof de Pauli Medikamente in Oblaten zu verpacken. Dies wurde zunächst aber schlecht angenommen. Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte man die ersten Gelatinekapseln, die bis heute zwar immer wieder modifiziert wurden, aber im Grund weiterhin zur Umhüllung von Flüssigkeiten verwendet werden. Etwas später, in den Jahr 1870-er Jahren, gelang dann auch die Herstellung von speziellen stärkehaltigen Oblatenkapseln, die feste Arzneimittel umschließen.

Kapselarten

Kapseln gibt es in allen Farben, mit Beschriftungen und aus unterschiedlichen Materialien.

Es gibt verschiedeme Sorten an Kapseln. Sie werden nach ihrem Wirkungsort und nach der Hülle unterschieden. Magensaftresistente Kapseln  setzen den Wirkstoff erst im Darm frei. Bei Zerbeißkapseln wiederum wird der Inhalt bereits im Mund freigesetzt. Unabhängig von der Verwendung lassen sich Kapseln auch nach dem Hüllmaterial in verschiedene Arten unterteilen: Früher wurden vor allem Stärkekapseln verwendet. Heute nutzt man vorwiegend Hart- und Weichgelatinekapseln.

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Stärkekapseln

Früher bestanden die Kapselhüllen aus Stärke und waren von der Konsistenz her einer Oblate ähnlich. Diese Stärkekapseln eigneten sich ausschließlich zur Einnahme von Wirkstoffen in Pulverform. Stärkehüllen sind jedoch empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und zudem zerfallen sie schnell. Daher wird Stärke nur noch selten als Stoff für die Kapselhülle verwendet.

Hartgelatinekapseln

Hartkapseln
Die Hülle von Hartkapseln besteht aus 2 ineinandergesteckten Bögen.

Heute bestehen die Hüllen meist aus Hartgelatine. Eine solche Kapselhülle besteht aus 2 hohlen Teilen in zylindrischer Form mit abgerundetem Boden, die man ineinanderstecken kann. Hartgelatinekapseln können mit Pulver, Granulat oder Pellets gefüllt werden.

Außerdem ist es möglich, dass die Wirkstoffe in der Kapsel zusätzlich noch mit einem Überzug versehen werden, der sich erst nach und nach auflöst (Mikrokapseln). Dadurch wird erreicht, dass ein Wirkstoff über einen längeren Zeitraum freigesetzt wird und die Wirkung entsprechend lange anhält.

Verschlossen werden die beiden Teile der Kapsel durch unterschiedlich patentierte Verfahren, sodass sich die Kapsel nicht unerwartet von selbst öffnet. Je nach Empfindlichkeit des Wirkstoffs können die Kapselteile auch verschweißt, geklebt oder mit einer Banderole als Verschluss versehen werden.

Weichgelatinekapseln

Weichkapseln
Weichgelatinekapseln enthalten häufig Flüssigkeiten, wie etwa Fischöl.

Weichgelatinekapseln besitzen im Vergleich zu den Hartgelatinekapseln eine dickere und zugleich elastischere, weiche Hülle. Dafür werden jedoch auch Weichmacher, wie Sorbitol oder Glycerol, zugesetzt. Weichgelatinekapseln setzt man bei flüssigen und halbfesten Wirkstoff-Zubereitungen ein. Mitunter kann der Wirkstoff in die Kapselhülle eingearbeitet sein. In diesen Fällen spricht man von Lutschkapseln.

Wasserhaltige Substanzen können in Weichkapseln nicht eingeschlossen werden. Sie würden zu einem Auflösen der Hülle führen.

Ein typisches Einsatzgebiet der Weichgelatinekapseln stellt auch die rektale oder vaginale Verabreichung dar.

Schon gewusst?

Weichkapseln werden direkt in einem Durchgang hergestellt, befüllt und verschlossen. Flüssige Wirkstoffmittel können hierbei sofort dosiert und in die Kapsel gegeben werden, während feste Trägerstoffe zunächst aufgelöst werden. Füllgüter sind oft Wachse, Öle und Polyethylenglycole (PEG).

Mikrokapseln

Mikrokapseln
Kapseln mit Mikrokapseln haben viele Vorteile wie etwa eine verzögerte Wirkstofffreigabe.

Mikrokapseln sind feste Partikel oder Flüssigkeitströpfchen mit einem Überzug aus Gelatine, arabischen Gummi oder anderen Polymeren, wie Stärke und Cellulose. Sie sind Mikrometer bis wenige Millimeter groß. So lassen sich beispielsweise Flüssigkeiten in trockene Pulver überführen, flüchtige Stoffe fixieren und unverträgliche Arzneistoffe miteinander verarbeiten. Es können magensaftresistente Kapseln sowie Kapseln mit verzögerter Wirkstofffreisetzung produziert werden.

Schlaue Helfer

Nicht alle Medikamente sollen ausschließlich “jetzt sofort” wirken. Anhand von Ummantelungen und Hüllen wie bei den Kapseln und nochmals umkapselten Mikrokapseln kann der Wirkzeitpunkt und auch die Geschwindigkeit der Freisetzung des Wirkstoffes beeinflusst werden. So ist ein langsamer, langanhaltender Effekt möglich. Andere Darreichungsform die diesen Vorteil haben sind Dragees und Filmtabletten.

Vor- und Nachteile von Kapseln

Medikamenteneinnahme
Kapseln werden sehr oft mit reichlich Flüssigkeit eingenommen.

Vorteile von Kapseln als Arzneimittelform: 

  • rasche und einfache Einnahme
  • Überdeckung von unangenehmen Geruch und Geschmack
  • gute Lagerbar- und lange Haltbarkeit
  • exakte Dosierung des Medikamentes durch enthaltene definierte Wirkstoffmenge
  • durch die Gestaltung der Hülle hoher Wiedererkennungswert der Medikamente

Nachteile von Kapseln als Arzneimittelform:

  • meist größer als Tabletten, die Einnahme ist daher v. a. für Kinder oder Patienten mit Schluckbeschwerden problematisch
  • individuelle Anpassung der Dosis nicht oder nur ungenau möglich
  • Wirkstoff muss oral verfügbar sein
  • Wirkung tritt verzögert auf

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Stand vom: 08.08.2019

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen.