Rosskastanie

Bei Venenleiden gern genutzte Heilpflanze

Wird es Herbst, ist das Kastaniensammeln für Kinder obligatorisch: Das Basteln von Kastanienmännchen und lustigen Kastanientierchen gehört seit Generationen einfach dazu. Die Früchte darauf zu reduzieren tut ihnen jedoch Unrecht. Der rotbraune Samen des Kastanienbaums ist ein wirksames Heilmittel und wird seit Jahrhunderten bei Venenleiden eingesetzt.

Eigenschaften und Zusammensetzung der Rosskastanie

Steckbrief

Botanischer NameAesculus hippocastanum
PflanzenfamilieSeifenbaumgewächse (Sapindaceae)
Synonyme
Drusenkesten, Gichtbaum, Kastanie, Kestenbaum, Pferdekastanie, Saukesten, Zierkestenbaum
Wirkungantibakteriell, blutreinigend, blutstillend, entzündungshemmend,
harntreibend, krampflösend, kreislaufstärkend, schleimlösend, schmerzstillend
Verwendung als HeilkrautVenenleiden, Besenreiser, Krampfadern, müde, schwere und geschwollene Beine, Wadenkrämpfe, Arteriosklerose, Gicht, Rheuma, Ödeme, Wunden, Geschwüre, Ekzeme, Ischias, Magen-Darm-Probleme, Atemwegsinfektionen und Fieber
Verwendung in der Kosmetikvitalisierende und belebende Salbe gegen Augenringe

Die Rosskastanie gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse. 12 verschiedene Arten sind von ihr bekannt. Sie wächst in Nordamerika, Europa und Asien. In unseren Breiten finden Sie die Gewöhnliche Rosskastanie. Meist als Baum, aber auch in Form von Sträuchern, pflanzen Landschaftsgärtner Rosskastanien gern in Parks und Alleen an. Im Sommer sitzen viele unter den schattenspendenden Pflanzen im Biergarten, wo sie traditionell zur Kühlung der Bierkeller angepflanzt wurden.

Kastanie
Blüten und Blätter der Rosskastanie.

Der Kastanienbaum erreicht eine Höhe von bis zu 30 Metern. Die Blätter sind handförmig gefiedert und bestehen aus sieben Teilen. Im Mai trägt die Kastanie prächtige, kerzenförmige weiße bis lilafarbene Blüten, die aus vielen kleinen Teilblüten bestehen. Daraus wachsen im Herbst die kugelförmigen Kastanienfrüchte in stacheligen, grünen Schalen. Die glänzenden, glatten, rotbraunen Früchte haben einen Durchmesser von 3 bis 5 Zentimetern.

Schon gewusst?

Seit den 1990er Jahren ist deutschlandweit ein vorzeitiges Erbraunen und Abwerfen der Kastanienblätter zu beobachten. Schuld daran ist die Rosskastanienminiermotte. Diese befällt vorwiegend die Gewöhnliche Rosskastanie. Die Larven des Kleinschmetterlings fressen Gänge zwischen der unteren und der oberen Blatthaut. Das Blatt vergilbt an den betroffenen Stellen. Durch den charakteristischen Lochfrass zeigt die Kastanie bereits im Sommer ein herbstliches Aussehen. Der Baum wird geschwächt. Die Früchte sind oftmals kleiner. Zur Bekämpfung kommen chemische Präparate wie Diflubenzuron zum Einsatz. Im Herbst sollten zudem die abgeworfenen und befallenen Blätter schnell entsorgt werden.

Rosskastanien enthalten sehr viel Saponin. So wird ein Gemisch aus 30 verschiedenen Saponinen mit dem Namen Aescin für arzneiliche Zwecke aus der Rosskastanie isoliert. Weiterhin finden sich in der Heilpflanze:

  • Aesculin
  • Alantoin
  • Angelinsäure
  • Bitterstoffe
  • Kampferöl
  • Cholin
  • Cyanidin
  • Farbstoffe
  • Flavone
  • Flavonglykoside
  • Fraxin
  • Gerbstoffe
  • Gerbsäure
  • Cumarine
  • Linolensäure

Wirkung der Rosskastanie

Pharmazeuten verwenden nicht nur die Früchte der Rosskastanie zur Herstellung von Phytopharmaka. Sie verarbeiten auch die Blätter und Rinde.

Jedem ist die Verwendung der Kastanienfrüchte als Bastelmaterial bestens bekannt. Nicht selten sehen wir im Herbst Kinder nach den runden Früchten greifen. Aus ihnen basteln sie im Anschluss lustige Tiere, Figuren und schöne Ketten. Was viele Kinder jedoch nicht wissen: Die Rosskastanie ist ein hervorragendes Heilmittel bei Venenleiden und schweren Beinen.

Die Kastanie hat viele angenehme Wirkungen auf unser Gefäßsystem:

  • krampflösend
  • blutreinigend
  • blutstillend
  • entzündungshemmend
  • schmerzstillend
  • antibakteriell
  • schleimlösend
  • harntreibend

Die Wirkung auf die Blutgefäße ist v. a. auf das enthaltene Aescin zurückzuführen. Dieses Stoffgemisch hält die Flüssigkeit in den Gefäßen, indem es die Wände abdichtet. So unterstützt die Rosskastanie schwache Venen und lindert Schwellungen.

Die Rosskastanie als beliebtes Heilmittel

Besenreiser
Veränderungen der kleinsten Venen sind unter dem Namen “Besenreiser” bekannt. Hier hilft Rosskastanie.
Bildquelle: eldemir – Getty Images Signature (Canva.com)

Wir wenden die Rosskastanie traditionell bei Venenleiden an. Wer arbeitsbedingt lange steht und schnell schwere Beine bekommt, hat die Wahl zwischen Rosskastanien-Venen-Dragees oder einem lokalen Auftrag des Wirkstoffs. Der Venenschutz von innen fördert die Durchblutung und unterstützt die Elastizität der Blutgefäße. Tragen Sie Rosskastanie von außen mithilfe eines Gels oder einer Creme auf, beleben Sie müde Beine. Mit einer kleinen Massage verstärken Sie diesen Effekt. Sie verhelfen so Ihrer Haut zu Frische und Vitalität. Ihre Beine werden leichter und entspannt.

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Neben der Anwendung bei geschwollenen Füßen und müden Beinen, kommt die Rosskastanie bei folgenden Beschwerden zum Einsatz:

Rosskastaniensalbe selbst herstellen? So geht’s:

Pharmazeuten verarbeiten nicht nur die Früchte, sondern auch die Rinde, Blüten, Blätter und selbst die Wurzeln der Pflanze. Die Blüten der Rosskastanie helfen als Tee zubereitet gegen Erkältung besonders gut. Auch die Blätter der Kastanie können Sie als Tee trinken und gegen Fieber und Keuchhusten einsetzen. Sie wirken zudem stärkend, durchblutungsfördernd und entwässernd.

Kein Ersatz für die Standardtherapie!

Die Anwendung von Präparaten auf Rosskastanien-Basis sollte lediglich als unterstütztende Therapie der o. g. Beschwerden erfolgen. Sie ersetzt nicht die Vorstellung beim Arzt und die durch ihn angeordnete Allgemeinbehandlung.

Aus den Knospen bzw. Blüten der Kastanie werden die Bachblüten Red Chestnut, White Chestnut, und Chestnut Bud hergestellt.

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Rosskastanie als Lebensmittel

Maronen
Die Rosskastanie eignet sich nur bedingt zum Verzehr. Maronen hingegen, wie im Bild zu sehen, gehören zu den Esskastanien. Im Herbst sind sie eine besondere kulinarische Spezialität.

Der Verzehr der Rosskastanie ist in der Regel wegen des hohen Saponin-Gehalts nicht zu empfehlen. Sie ist ungenießbar.

Mit einem Trick lassen sich die Rosskastanien dennoch verarbeiten. Dazu schwemmen Sie die Gifte wie folgend aus: Sie rösten die Samen des Kastanienbaums bei niedriger Hitze, schälen sie, schneiden sie in dünne Scheiben und wässern sie im Anschluss mehrere Tage in immer wieder neuem Wasser. Nur noch kochen und schon haben Sie die Herbstfrucht genießbar auf Ihrem Essteller.

Wenn Sie es einfacher haben möchten, weichen Sie auf Esskastanien aus. Besonders beliebt unter den Edelkastanien sind dabei eine speziell gezüchtete Sorte: Maronen haben einen süßen, leicht nussigen Geschmack und ein intensives Aroma. Regelmäßig werden sie in frisch gerösteter Form auf Weihnachtsmärkten angeboten. Wie Sie Maronen selbst rösten, erfahren Sie in unserem Rezept:

Zu einem Rezept:

Vergiftungsgefahr bei Hunden

Welpe im Herbstlaub
Im Herbstlaub zu spielen macht nicht nur kleinen Kindern Spaß, auch Hunde haben ihre Freude. Doch Kastanien sollten nicht im Mäulchen landen.
Bildquelle: Gorlov – Getty Images (Canva.com)

Die runden Kastanien verleiten Hundebesitzer und Hund zum Wurf- und Fangspiel. Doch das ist aus 3 Gründen keine gute Idee:

  • Die enthaltenen Solanine sind für Hunde giftig und führen zu Bauchschmerzen sowie Verdauungsproblemen. 
  • Zudem befällt der Schimmelpilz Penicillium crustosum Kastanien. Gelangt der Erreger in den Magen des Hundes, führt dies unter Umständen sogar zum Tod.  
  • Schließlich kann eine im Ganzen verschluckte Kastanie zu einem Darmverschluss führen. Auch das ist mitunter tödlich. Hier hilft am Ende nur eine Operation.

Mehr zu Gefahren im Herbst für Hunde:


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Stand vom: 11.10.2021

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen.

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