Paracetamol

Schmerzlindernd und fiebersenkend

Paracetamol (abgeleitet von Para-Acetylamino-Phenol) gehört als pharmazeutischer Arzneiwirkstoff zur Gruppe der nicht-opioiden Analgetika. Er wirkt schmerzlindernd (analgetisch) und fiebersenkend (antipyretisch) und ist in vielen rezeptfreien Präparaten in der Apotheke erhältlich. Seit etwa 1950 wurde Paracetamol als Medikament zur Schmerzbehandlung auf dem Markt eingeführt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nahm den Stoff 1977 in ihre Liste der unentbehrlichen Arzneimittel auf.

Paracetamol
Strukturformel und Summenformel von Paracetamol

Das Mittel gegen Kopfschmerzen und andere Arten von Schmerzen ist in seiner Form ein weißes, kristallines Pulver, das etwas bitter schmeckt. In kochendem Wasser und in Alkoholen löst es sich gut auf. Der Wirkstoff kann oral, rektal oder intravenös verabreicht werden. Als Medikament gibt es Paracetamol in Form von Tabletten, Kapseln, Brausetabletten, Zäpfchen und Säften.

In Nordamerika kennt man den Wirkstoff auch als Acetaminophen. Packungen, die mehr als 10 Gramm Paracetamol enthalten, sind verschreibungspflichtig.

Anwendungsgebiete von Paracetamol

Migräne
Paracetamol hilft bei Kopfschmerzen und Migräne.

Paracetamol wird bei leichten bis mittelstarken Schmerzen eingesetzt, etwa bei Kopfschmerzen, Migräne, Zahnschmerzen oder Regelschmerzen. Auch bei schmerzenden Gelenken, wie sie bei Arthrose auftreten, kann es eingenommen werden.

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In Kombination mit Acetylsalicylsäure und Coffein wird Paracetamol als Mittel bei Spannungskopfschmerz empfohlen.

Darüber hinaus wird Paracetamol aufgrund seiner fiebersenkenden Wirkung auch in Medikamenten zur Behandlung von Erkältungen verwendet. Auch hier wird es oft mit anderen Wirkstoffen wie Antihistaminika, Hustenlösern oder Vitamin C kombiniert.

Eine Selbstbehandlung mit Paracetamol sollte nicht länger als 3 Tage dauern. Wenn die Schmerzen oder das Fieber bis dahin nicht geheilt ist, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Paracetamol ist auch für die Schmerzbehandlung bei Kindern geeignet.

Wirkungsweise von Paracetamol

Die genaue Wirkungsweise des nicht-opioiden Schmerzmittels Paracetamol ist bis heute noch nicht ganz geklärt. Im Gegensatz zu Acetylsalicylsäure und Ibuprofen wirkt Paracetamol nur unter Laborbedingungen entzündungshemmend.

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Paracetamol
Modell von Paracetamol

Offensichtlich entfaltet Paracetamol seine Wirkung verstärkt im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), in dem es dort die Schmerzwahrnehmung beeinflusst.

Man geht jedoch davon aus, dass auch Paracetamol, genau wie Acetylsalicylsäure und Ibuprofen, auf die Cyclooxygenasen-Enzyme (COX-1 und COX-2) wirkt. Durch die Hemmung dieser Enzyme wird die Bildung der körpereigenen Prostaglandine verhindert. Prostaglandine sind Hormone, die überall im Körper vorkommen und unter anderem an der Enstehung von Entzündungen und Schmerz beteiligt sind.

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Paracetamol wirkt verstärkt auf das Enzym COX-2. Neben den typischen Entzündungssymptomen wie Rötung und Schwellungen verstärken die Prostaglandine dieses Enzyms auch die Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren an den Nervenenden. Indem Paracetamol die Bildung der COX-2-Prostaglandine behindert, lässt auch die Schmerzempfindlichkeit dieser Rezeptoren nach. Die Weiterleitung und Wahrnehmung von Schmerz ist damit herabgesetzt. Das würde auch erklären, warum Paracetamol zwar schmerzstillend, aber nicht stark entzündungshemmend wirkt.

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Doch auch andere Wirkungsmechanismen werden in Betracht gezogen. Forscher vermuten, dass Paracetamol zusätzlich die Rezeptoren für den Botenstoff Serotonin aktiviert, was die Wahrnehmung und Weiterleitung von Schmerz verringert. Weiterhin soll Paracetamol die Freisetzung von Stickstoffmonoxid hemmen und dadurch ebenfalls die Schmerzwahrnehmung mildern.

Gegenanzeigen bei Paracetamol

Patienten, die bereits allergisch auf den Wirkstoff reagierten, sollte keine Präparate zur Behandlung einnehmen. Auch wenn eine Leberfunktionsstörung durch Leberversagen vorliegt, sollte eine Therapie mit Paracetamol gar nicht oder nur mit ärztlicher Betreuung erfolgen.

Exkurs: Paracetamol-Behandlung in der Schwangerschaft

Es gibt keine Studien, die bestätigen, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft unerwünschte, schädigende Nebenwirkungen für das ungeborene Kind zu Folge hat. Dennoch ist zu beachten, dass der Wirkstoff in den Blutkreislauf der Mutter und damit auch in den des Kindes gelangt. Auch in der Muttermilch kann man Paracetamol in geringen Mengen finden. Daher ist es ratsam, eine Behandlung mit Paracetamol während Schwangerschaft und Stillzeit mit einem Arzt abzuklären.

Wechselwirkungen

Probenecid, ein Mittel gegen Gicht, hemmt die Ausscheidung von Paracetamol. Im Zusammenwirken mit bestimmten Arzneimitteln oder Alkohol können Stoffwechselprodukte entstehen, die giftig für die Leber sind. Dies kann auch bei geringen Dosen von Paracetamol der Fall sein. Zu diesen Medikamenten gehören:

  • Phenobarbital (Schlafmittel)
  • Phenytoin und Carbamezepin (Mittel gegen Epilepsie)

Bei einer regelmäßigen, längerfristigen Einnahme kann Paracetamol die Wirkung von Antikoagulantien (Gerinnungshemmern) wie Warfarin verstärken. In diesem Fall ist eine Behandlung mit dem Arzt abzusprechen. Die Gefahr von vermehrten Blutungen besteht bei Paracetamol ansonsten nicht.

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Der Wirkstoff kann die Nebenwirkungen von Zidovudin (Arzneimittel bei HIV) verstärken, was eine Schädigung des Blutbildes zur Folge hat. Es kann ein Mangel an weißen Blutkörperchen auftreten.

Paracetamol und andere Schmerzmittel stehen in Verdacht, die Wirkung von Impfungen herabzusetzen. Daher raten Ärzte, mögliche Nebenwirkungen von Impfungen nicht mit Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure zu behandeln.

Nebenwirkungen von Paracetamol

Paracetamol ist bei vorschriftsmäßigem Gebrauch sehr gut verträglich. Unerwünschte Wirkungen sind in seltenen und sehr seltenen Fällen zu beobachten.

Selten (bei 1 von 1000 Patienten) zeigt sich ein leichter Anstieg von Leberenzymen.

Sehr selten (maximal 1 Betroffener unter 10.000) kommt es durch die Einnahme des Wirkstoffs zu allergischen Reaktionen, wie:

  • Hautausschlägen
  • Hautrötungen
  • Schwellungen von Gesicht, Zunge und Kehlkopf

Ebenso selten kann sich eine Veränderung des Blutbildes zeigen, durch eine geringere Anzahl von Blutplättchen. Auch eine Verengung und Verkrampfung der Atemwege (Analgetika-Asthma) kann bei empfindlichen Personen durch Paracetamol ausgelöst werden.

Eine Selbstmedikation mit Paracetamol sollte nicht länger als 3 Tage hintereinander dauern. Eine dauerhafte Einnahme kann Kopfschmerzen, Müdigkeit und Nervosität verursachen.

Schwerwiegende Folgen bei Überdosierung

Die Spanne zwischen verträglicher und giftiger Dosis ist im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln bei Paracetamol recht gering.  Je nach Körpergewicht und Zustand der Leber reagieren Patienten unterschiedlich auf den Wirkstoff. Etwa 6 bis 8 Gramm sind bereits bedenklich.

Wenn hohe Dosen von Paracetamol regelmäßig über längere Zeit eingenommen werden, sind letztendlich Leberschäden die Folge.

Nach Alkoholkonsum ist Paracetamol die zweithäufigste chemische Vergiftungsursache, die zwischen 2002 und 2012 beim deutschen Giftinformationszentrum Nord eingegangen ist.

Häufige Vergiftungsursachen laut GIZ NOrd
Unter allen Anfragen, die im Giftinformationszentrum NORD (GIZ-Nord) zwischen 2002 und 2011 eingegangen sind, zählte Paracetamol zu der zweithäufigsten Vergiftungsursache.

Tatsächlich sterben in Deutschland nachweislich ein bis zwei Menschen an einer Überdosierung von Paracetamol.


Unsere Seiten dienen lediglich Ihrer Information und ersetzen nicht die Diagnose und Behandlung durch den Arzt.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Wir stehen mit unserer Beratungshotline gern für Sie bereit.


Stand vom: 27.10.2018