AIDS und HIV-Infektion

HIV-Test

Ein HIV-Test bringt Gewissheit. Liegt eine Erkrankung mit den gefährlichen HI-Viren vor?

AIDS war in den Industrienationen das Schreckgespenst der 1980er und 1990er Jahre. Viele Menschen mussten ihr Leben lassen, bis Mittel auf dem Markt waren, die den Ausbruch von AIDS verhindern konnten. Etwa 35 Millionen Menschen starben dennoch bisher weltweit an AIDS. Vor allem in den ärmeren Regionen fehlt es an einer vernünftigen medizinischen Versorgung der HIV-Infizierten. Rund 37 Millionen Menschen sind heute HIV-positiv.

Durch eine Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) treten eine Reihe von Symptomen auf, die man unter der Bezeichnung „AIDS“ zusammenfasst. Der Begriff steht kurz für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ (engl. für „erworbenes Immundefizienzsyndrom“).

Menschlichen Zellen oder anderen Viren verfügen über DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das HI-Virus, welches zu der Gruppe der Retroviren gehört, besitzt als Erbsubstanz RNA (Ribonukleinsäure). Daher wird es auch als RNA-Virus bezeichnet. Die Erbsubstanz der AIDS-hervorrufenden Viren ist von einer Eiweißhülle umgeben. Deren Beschaffenheit ermöglicht den Keimen, sich an menschliche Immunzellen, z.B. T-Helferzellen, anzuheften. Diese T-Zellen werden dann durch HIV zerstört. Auf lange Sicht kommt es zu einer Schwächung des Immunsystems. Das begünstigt die Entwicklung andere Krankheiten.

 

Ursprung der HI-Viren

HIV wird in zwei Arten unterteilt:

  • HIV-1 kommt weltweit vor und ähnelt dem Virus, der Schimpansen befällt.
  • HIV-2 ist eher in West-Afrika vorzufinden und kommt dem sogenannten Affen-AIDS-Virus, der bei Meerkatzen auftritt, sehr nah.
HI-Viren

HI-Viren

Man nimmt an, dass sich Menschen mit diesen Affenviren bereits im frühen 20. Jahrhundert infiziert haben. Die global verbreitetste Variante des Virus, HIV-1 M, entstand mutmaßlich in Kinshasa um 1920. In den ersten Jahrzehnten breitete sich das Virus nur langsam im Kongobecken aus. Ab den 1960er-Jahren gelangte der Erreger dann in die Karibik und von dort um 1970 nach Nordamerika. 1981 beschrieb man erstmalig die Immunschwäche AIDS und 2 Jahre später wurde der HI-Virus als Ursache erkannt.

AIDS gehört heute weltweit immer noch zu den 10 häufigsten Todesursachen. Zwar können Medikamente Betroffenen mittlerweile mehrere Jahrzehnte Lebenszeit schenken, in ärmeren Ländern fehlt die Behandlung jedoch.

In Deutschland leben momentan etwa 85.000 HIV-Infizierte.

 

Übertragung von HIV

Die HIV-Übertragung erfolgt durch Blut, Sperma oder durch Vaginalsekret. Aber auch auf der Oberfläche der Darmschleimhaut finden sich die HI-Viren. Bei folgenden Aktivitäten besteht ein erhöhtes Risiko der AIDS- hervorrufenden Viren:

AIDS-Symbol: Rote Schleife

Die rote Schleife symbolisiert die Solidarität mit AIDS-Erkrankten. Am 1. Dezember jeden Jahres ist der Welt-AIDS-Tag.

  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr: 90 % der HIV-Infektionen werden sexuell übertragen, davon sind in Deutschland 70 % aller Infektionen bei homosexuellen Männern vorzufinden. Besondere Gefährdung geht vom Anal- oder Vaginalverkehr aus. Ein geringeres Risiko herrscht beim Oralverkehr vor.
  • Verunreinigte Spritzen bzw. nicht entkeimte medizinische Geräte: 6 % der an HIV-erkrankten Personen sind Drogenabhängige, die sich durch sogenanntes Needle-Sharing, das Weiterreichen von benutzten Spritzen, mit den AIDS-verursachenden Erregern infiziert haben. Die Wahrscheinlichkeit, sich im Krankenhaus an nicht desinfizierten Gerätschaften anzustecken, ist aufgrund der Hygienevorschriften in Deutschland höchst gering.
  • Nicht geprüfte Blutprodukte oder Organe: Durch strenge Kontrollen der Blutkonserven, Blutprodukte und Organe hierzulande ist das Infektionsrisiko eher ebenfalls sehr niedrig.
  • Während der Geburt von Mutter auf Kind: Bei weniger als einem Prozent der HIV-Übertragungen infiziert eine HIV-positive Mutter ihr Kind. Dies geschieht – sofern keine vorbeugenden Maßnahmen ergriffen werden – mit einer Wahrscheinlichkeit von 15 bis 20 %.

 

HIV wird nicht durch Tröpfcheninfektion übertragen.

Ob eine HIV-Übertragung tatsächlich stattfindet, hängt von verschiedenen Größen ab. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass je mehr Erreger in den Körper gelangen, umso wahrscheinlicher eine Ansteckung ist. Zudem sind bestimmte Eigenschaften des Erregers maßgeblich, wie:

  • die Virulenz, d.h. die Fähigkeit, eine Erkrankung auszulösen
  • der allgemeine Gesundheitszustand der Person, auf der das HIV übertragen werden kann

 

Bei manchen Personen reicht ein einziger Risikokontakt aus, um eine Infizierung mit dem AIDS-hervorbringenden Viren auszulösen. Bei anderen  Personen kann ein jahrelanger ungeschützter Sexualkontakt folgenlos bleiben. Statistisch gesehen kommt es bei 1 bis 10 von 1.000 Risikokontakten zu einer Infektion mit HIV.

 

Symptome bei einer HIV-Infektion

Einige Tage oder Monate nach der Ansteckung mit dem HI-Virus kommt es zu einer akuten HIV-Erkrankung, die sich durch grippeähnliche Symptome, Lymphknotenanschwellung und Abgeschlagenheit äußert und bald wieder abklingt. HIV-Infizierte sind hernach über mehrere Jahre oder Jahrzehnte beschwerdefrei. Im weiteren Verlauf der HIV-Infektion kommt es verstärkt zu den typischen Anzeichen und meist zum Ausbruch von AIDS. Wann es dazu kommt, hängt allerdings von der sonstigen körperlichen Verfassung oder Lebensstil des Infizierten ab. Betroffene haben häufig Durchfälle und verlieren stark an Gewicht. Sie leiden ferner an Infektionskrankheiten und entwickeln verstärkt Tumore, die für AIDS typisch sind und deshalb zu den sogenannt AIDS-Indikatorkrankheiten zählen.

Es wird in drei Stadien der HIV-Infektion beziehungsweise AIDS-Erkrankung unterschieden.

 

Stadium A – HIV-Neuinfektion und/oder HIV-Infektion ohne Symptome

Stadium A ist durch ein Anschwellen der Lymphknoten in verschiedenen Körperregionen, das sogenannte Lymphknoten-Syndrom (LAS), gekennzeichnet. Ein bis sechs Wochen nach der Infizierung kommt es zu grippeähnlichen Symptomen, wie:

Senior mit Bauschmerzen

Es fühlt sich an wie eine Erkältung oder Grippe. Doch Magenprobleme, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können auch auf eine Infektion mit den HI-Viren hindeuten.

 

Die ein Zentimeter großen Flecken können geschwollen sein und jucken. Sie verschwinden nach wenigen Tagen wieder.

 

Stadium B – Auftreten HIV-typischer Begleiterkrankungen

Der mit dem AIDS-auslösenden Virus Infizierte hat:

  • wiederholte Fieberschübe über 38,5 °C
  • Durchfall, der länger als einen Monat dauert
  • Pilzbefall der weiblichen Geschlechtsorgane und des Mund- und Rachenraumes
  • weißliche, Beläge am Zungenrand, die sich nicht abwischen lassen
  • an mehreren Stellen auftretende Gürtelrose
  • Nervenerkrankungen der Arme und Beine
  • Schleimhautveränderungen am Gebärmutterhals
  • Beckenentzündungen mit Eiteransammlungen im Eileiter oder den Eierstöcken

 

Stadium C – Ausbruch der AIDS-Erkrankung

Lungenerkrankung

Lungenentzündungen sind typisch für HIV-Infizierte.

Der Betroffene leidet an lang andauernden Durchfällen (Wasting-Syndrom) und starkem Gewichtsverlust. Wenn die HI-Viren das Nervengewebe angreifen, verursachen sie zudem Funktionsstörungen des Hirns bis hin zur Demenz (HIV-assoziierte Enzephalopathie, HIVE). Die immungeschwächten Patienten leiden des Weiteren an sogenannten opportunistischen Infektionen mit anderen Viren, Parasiten, Bakterien, Pilzen oder Protozoen. Diese führen zu Erkrankungen, wie:

 

Pilze können die Speiseröhre, die Luftröhre, die Bronchien oder die Lunge befallen. Herpes-Infektionen treten in Lunge, Speiseröhre und Magen auf.

 

Behandlung von AIDS und HIV-Infektion

Ein HIV-Test überprüft, ob sich Antikörper gegen das HI-Virus gebildet haben. Sind diese vorhanden, gilt der Geprüfte als HIV-positiv.

Eine Behandlung richtet sich gegen das HI-Virus und soll den Ausbruch von AIDS verhindern bzw. möglichst lang hinauszögern. Ist AIDS bereits ausgebrochen, müssen die Begleiterkrankungen ebenfalls behandelt werden. Eine Therapie wird durch eine gesunde Lebensweise sehr unterstützt, zudem helfen psychosoziale Betreuung und der Austausch mit anderen Betroffenen.

Medikamente, die ganz bestimmte Abläufe des Zellbefalls hemmen, werden in der Therapie gegen HIV, der sogenannten hochaktiven antiretrovirale Therapie (HAART) verwendet. Im Einzelnen umfasst die Behandlung nachfolgende Medikamente:

  • Die Entry-Inhibitoren hemmen das Eindringen von HIV in die menschlichen Zellen, indem sie das Andocken (Anheften) von den AIDS-auslösenden Viren an die Immunzellen und/oder die Fusion von Virushülle und Zellmembran verhindern. So unterbinden Wirkstoffe wie Enfuvirtid diese Verschmelzung.
  • Wirkstoffe wie Lamivudin, Tenofovir und Nevirapin sind Reverse-Transkriptase-Hemmer, die ein spezielles Virusenzym blockieren, welches die Erbinformation des HI-Virus (RNA) in DNA „übersetzen“ kann.
  • Integrase-Hemmer wie Ralteraviv wiederum verhindern, dass das Virusenzym Integrase die „übersetzte“ HIV-DNA in die Erbinformation der Immunzellen einbaut.
  • Das Enzym HIV-Protease sorgt dafür, dass eine infizierte Zelle aus Eiweißen Bausteine für neue HI-Viren bildet. Dies wird mit Protease-Hemmer wie Ritonavir, Nelfinavir  Fosamprenavir und Indinavir verhindert.

Da das HI-Virus mutiert und die Erbinformation von HIV samt Oberflächenbeschaffenheit seiner Hülle sich im Laufe der Zeit ändert, kann es zu Wirkungsminderungen oder gar zu einem Wirkungsverlust der Medikamente kommen. Die medikamentöse Behandlung kann dann nur aus vielen verschiedenen Substanzen bestehen, damit ein Mindestmaß an Wirkung möglich ist.

Es ist sinnvoll bereits während der mehrjährigen, anzeichenfreien Latenzphase antiretrovirale Medikamente einzusetzen, da dies die Lebenserwartung von Betroffenen steigert. Dennoch ist AIDS nicht heilbar, da die HI-Viren nicht vollständig aus dem Körper entfernt werden können.

 

HIV-Infektion verhindern

Kondom

Safer Sex vermeidet nicht nur HIV-Infektionen, sondern auch andere Krankheiten.

Die HIV-Infektion ist in Ländern mit guter gesundheitlicher Versorgung bei frühzeitiger Entdeckung keine akute Lebensbedrohung mehr, sondern eine chronische Erkrankung. Bei entsprechender Behandlung bringt sie auch über Jahrzehnte hinweg nur geringe Einschränkungen mit sich.

Dennoch bleibt AIDS nach wie vor eine lebensbedrohliche Krankheit. Deshalb sind Vorsichtsmaßnahmen wie Safer Sex, d.h. der Gebrauch von Kondomen, die eine Infektion mit HIV und somit AIDS verhindern, äußerst wichtig.

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