Migräne: Mehr als Kopfschmerz – wenn Migräne das Leben bestimmt

Migräne ist nicht einfach „starker Kopfschmerz“, sondern eine neurologische Erkrankung. Typisch sind wiederkehrende Attacken mit meist mittelstarken bis starken Kopfschmerzen, häufig pulsierend, oft einseitig und oft verstärkt durch körperliche Aktivität. Häufig kommen Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit hinzu. Unbehandelt oder erfolglos behandelt dauern Attacken typischerweise 4 bis 72 Stunden. Viele Betroffene erleben außerdem eine Vorphase mit unspezifischen Beschwerden, teils eine Aura und nach der Attacke eine ausgeprägte Erschöpfung. Migräne kann die Lebensqualität, die Konzentrationsfähigkeit und die Teilhabe am Alltag erheblich beeinträchtigen.[1][2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Migräne ist eine neurologische Erkrankung und deutlich mehr als „nur Kopfschmerz“. Typisch sind anfallsartige, oft einseitige, pulsierende Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Eine Attacke dauert meist 4 bis 72 Stunden.
  • Es gibt verschiedene Arten, vor allem Migräne ohne Aura, Migräne mit Aura und chronische Migräne. Bei der Aura treten vorübergehende neurologische Symptome wie Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachprobleme auf.
  • Von chronischer Migräne spricht man bei 15 oder mehr Kopfschmerztagen pro Monat über mehr als 3 Monate, davon an mindestens 8 Tagen mit Migränecharakter.
  • Häufige Auslöser sind unter anderem Schlafmangel, unregelmäßige Mahlzeiten, Stress, hormonelle Schwankungen, Alkohol oder grelles Licht. Trigger sind individuell verschieden.
  • Bei der Akuttherapie kommen je nach Schweregrad Schmerzmittel und Triptane infrage. Bei häufigen Attacken sollte zusätzlich geprüft werden, ob eine Prophylaxe sinnvoll ist.
  • Wer Schmerzmittel oder Triptane zu oft einnimmt, riskiert einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MOH). Das ist ein wichtiger Risikofaktor für die Chronifizierung.
  • Zur Migräne-vorbeugen-Strategie gehören ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Ausdauersport, Stressreduktion und ein Kopfschmerztagebuch.
  • Spannungskopfschmerz unterscheidet sich meist klar von Migräne: Er ist eher dumpf-drückend, oft beidseitig und verursacht normalerweise keine ausgeprägte Übelkeit sowie keine typische Licht- und Lärmempfindlichkeit.
  • Seltene Formen wie hemiplegische Migräne, retinale Migräne, Migräne mit Hirnstamm-Aura oder ein Status migraenosus müssen ärztlich abgeklärt werden.

Migräne ist eine neurologische Erkrankung

Nach heutigem Verständnis beruht Migräne auf einer gestörten Reizverarbeitung im Nervensystem. In der Pathophysiologie spielt unter anderem CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) eine wichtige Rolle; seine Beteiligung an Migräneattacken ist gut belegt und bildet auch die Grundlage moderner prophylaktischer Therapien. Bei Migräne mit Aura gilt eine kortikale spreading depolarization als wahrscheinlicher Mechanismus der Aurasymptome.[2][3]

Welche Migräneformen gibt es?

Migräne ist kein einheitliches Krankheitsbild. Klinisch besonders relevant sind die Arten ohne Aura, mit Aura und die chronische Migräne. Daneben gibt es Sonderformen und Komplikationen, die gesondert eingeordnet werden müssen.[1][2][3]

Migräne ohne Aura

Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form. Typisch sind Attacken mit 4 bis 72 Stunden Dauer, einseitigem oder auch beidseitigem Schmerz, pulsierendem Charakter, mittlerer bis starker Intensität und Verschlechterung durch Alltagsbewegung. Hinzu kommen Übelkeit und/oder Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit.[1]

Migräne mit Aura

Bei der Migräne mit Aura treten vollständig reversible neurologische Symptome auf, die sich meist allmählich entwickeln und gewöhnlich dem Kopfschmerz vorausgehen oder ihn begleiten. Zu den typischen Aurasymptomen zählen vor allem visuelle, sensible sowie Sprach-/Sprachverständnis-Symptome. Auch motorische, Hirnstamm- oder retinale Aurasymptome sind klassifikatorisch möglich, gehören aber nicht zur typischen Aura-Beschreibung im engeren Sinn. Eine Aura kann auch ohne nachfolgenden Kopfschmerz auftreten.[2]


– nimmt allmählich zu
– ist pulsierend
– meist einseitig
– wird oft durch Übelkeit und Erbrechen begleitet
– dauert bis zu 72 Stunden
– wird durch Bewegung verstärkt
– betroffene Person ist Licht- und Geräusch-empfindlich


– gleiche Symptome wie bei der Migräne ohne Aura
– Sehstörungen, z. B. farbige Lichtblitze, Zickzack-Linien, schwarze Löcher im Gesichtsfeld
– Sprachstörungen
– kribbeliges Gefühl in Armen und Beinen
– Gleichgewichtsstörungen

Chronische Migräne

Von chronischer Migräne spricht man, wenn an mindestens 15 Tagen pro Monat über mehr als 3 Monate Kopfschmerzen bestehen und an mindestens 8 Tagen pro Monat Migränemerkmale vorliegen oder der Kopfschmerz als Migräne beginnt und auf Triptane oder Ergotderivate anspricht. Chronische Migräne ist besonders belastend und muss von anderen Kopfschmerzformen sowie von Medikamentenübergebrauch abgegrenzt werden.[3]

Vestibuläre Migräne

Bei einer vestibulären Migräne steht nicht immer der Kopfschmerz im Vordergrund. Häufig sind vor allem Schwindel und Gleichgewichtsstörungen das Problem.

Betroffene können zum Beispiel das Gefühl haben:

  • dass sich der Raum dreht
  • dass sie schwanken oder unsicher stehen
  • dass ihnen bei Bewegung schwindelig wird
  • dass ihnen dabei übel wird

Wichtig ist: Nicht jede kurze Benommenheit ist gleich eine vestibuläre Migräne. Ärztinnen und Ärzte stellen diese Diagnose nur, wenn die Beschwerden wiederholt auftreten, zum Krankheitsbild passen und andere Ursachen ausgeschlossen wurden.

Oft besteht zusätzlich eine Migräneerkrankung, entweder aktuell oder schon früher. Während der Schwindelanfälle können auch typische Migränemerkmale dazukommen, zum Beispiel:

  • Sehstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Lärmempfindlichkeit[4]

Vestibuläre Migräne ist eine Form der Migräne, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen im Vordergrund stehen können.

Menstruelle Migräne

Bei der menstruellen Migräne treten die Migräneanfälle immer rund um die Monatsblutung auf. Die Anfälle kommen kurz vor Beginn der Periode, am ersten Tag der Blutung oder in den ersten Tagen danach und das immer wieder.[5]

Seltene Migräneformen und Differentialdiagnosen

Es gibt seltene Formen, die ärztlich besonders genau abgeklärt werden sollten. Dazu gehören:

  • Hemiplegische Migräne: Dabei kann vorübergehend eine Körperseite schwach oder gelähmt wirken.
  • Migräne mit Hirnstamm-Aura: Dabei können Beschwerden wie starker Schwindel, Doppelbilder, Ohrgeräusche, Hörprobleme, Unsicherheit beim Gehen oder kurzzeitige Verwirrung auftreten.
  • retinale Migräne: Dabei kommt es vorübergehend zu Sehstörungen auf nur einem Auge.

Solche Beschwerden sollten Sie nicht einfach als normale Migräne abtun. Klären Sie diese ärztlich ab, weil auch andere Ursachen dahinterstecken können.[2][6][7]

Status migrainosus

Ein Status migrainosus ist keine bloß „verlängerte Migräne“, sondern eine stark beeinträchtigende Migräneattacke, die länger als 72 Stunden anhält. Kurze Remissionen von bis zu 12 Stunden durch Schlaf oder Medikation schließen die Diagnose nicht aus. Liegt gleichzeitig ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz vor, wird dieser gesondert kodiert.[7]

Episodische oder chronische Migräne: Wo liegt die Grenze?

Von episodischer Migräne spricht man, wenn die Kriterien der chronischen Migräne nicht erfüllt sind. Die Grenze zur chronischen Migräne liegt bei 15 oder mehr Kopfschmerztagen pro Monat über mehr als 3 Monate, davon mindestens 8 Tage mit Migränemerkmalen. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie Auswirkungen auf Diagnostik, Prophylaxe und Therapieplanung hat.[3]

Ursachen und Trigger von Migräne

Frau am Laptop
Wer im Berufsleben großem Stress ausgesetzt ist, bekommt öfter Migräne.
Bild: PeopleImages – Getty Images Signature (Canva)

Migräne ist häufig genetisch mitbedingt. Zusätzlich können individuelle Trigger Attacken begünstigen, etwa Schlafmangel, Stress, ausgelassene Mahlzeiten, geringe Trinkmenge oder Alkohol. Solche Trigger sind jedoch nicht mit der eigentlichen Ursache der Erkrankung gleichzusetzen und wirken nicht bei allen Betroffenen gleich.[8]

So unterscheiden sich Migräne und Spannungskopfschmerz

Spannungskopfschmerzen sind typischerweise eher dumpf-drückend, meist beidseitig und gewöhnlich leichter bis mittelschwer. Im Vergleich dazu ist Migräne häufiger pulsierend, stärker und typischerweise mit Übelkeit oder deutlicher Licht- und Lärmempfindlichkeit verbunden.[1][9]

Typische Symptome einer Migräneattacke

Häufige Symptome sind:

  • pulsierende oder pochende Kopfschmerzen
  • oft einseitige, teils auch beidseitige Schmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Verstärkung durch Alltagsbewegung
  • bei einem Teil der Betroffenen reversible Aurasymptome
  • Erschöpfung oder verminderte Belastbarkeit nach der Attacke[1][2]

Die Phasen einer Migräneattacke

Viele Betroffene berichten über eine Prodromalphase mit z. B. Müdigkeit, Gähnen, Reizbarkeit oder Appetitveränderungen. Bei einem Teil folgt eine Aura. Danach kommt die Kopfschmerzphase. Im Anschluss kann eine Postdromalphase mit Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und verminderter Belastbarkeit auftreten.[2]

PHASE 1

In der Prodromalphase bzw. Vorphase kündigt sich die Migräne Stunden bis Tage vor dem Anfall durch verschiedene Symptome wie Reizbarkeit, Euphorie, Appetitlosigkeit oder Heißhungerattacken an.

PHASE 2

Gegebenenfalls folgt die Auraphase mit Seh-, Sprach- und Gleichgewichtsstörungen.

PHASE 3

Die Kopfschmerzphase ist geprägt durch den typisch stechenden, bohrenden, pochenden, krampfartigen oder pulsierenden Kopfschmerz, der sich über Stunden und Tage hinzieht.

PHASE 4

In der letzten Phase, der sogenannten Rückbildungsphase nehmen die Symptome ab. Die Betroffenen fühlen sich abgespannt und müde und benötigen für die vollständige Erholung weitere 12 bis 24 Stunden. Mitunter wiederholt sich eine Migräne in kurzen Abständen, dann aber für mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre fernbleiben. Gehen die Attacken ineinander über, sprechen Fachleute von einem Status migraenosus.

Akuttherapie: Was hilft bei Migräne?

Für akute Attacken werden leitliniengerecht zunächst nichtopioide Analgetika oder NSAR wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen eingesetzt; ihre Wirksamkeit ist besser, wenn sie früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Bei stärkeren Attacken oder unzureichender Wirkung kommen Triptane in Betracht. Triptane sind migränespezifische Akutmedikamente, sollten bei Migräne mit Aura aber erst nach Abklingen der Aura und mit Einsetzen der Kopfschmerzen eingenommen werden. Opioide werden nicht empfohlen.[10][11]

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Begleitende Übelkeit und Erbrechen können die Einnahme erschweren und müssen in der Therapie mitberücksichtigt werden. Vielen Betroffenen helfen zusätzlich Ruhe, Schlaf und Reizabschirmung.[10]

Bei schweren Attacken erweist sich die Einnahme von Triptanen als günstig. Triptanhaltige Medikamente binden an der Andockstelle des körpereigenen Hormons Serotonin, wirken so gegen die Kopfschmerzen und bekämpfen zudem Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen. Um bestmöglich zu wirken, sollten Sie Triptane bei Beginn der Attacke einnehmen. Sie liegen in unterschiedlichen Darreichungsformen vor. Als Tablette, Zäpfchen, Nasenspray oder als Subkutan-Injektion. Ein Vorteil von Triptanen ist, dass Sie diese mit anderen Schmerzmitteln kombinieren können. Sie sollten allerdings nicht bei Koronaren Herzkrankheit, Bluthochdruck, schweren Nieren- und Leberfunktionsstörungen, der Raynaud-Erkrankung, nach Schlaganfällen oder während der Schwangerschaft und Stillzeit verabreicht werden.

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Achten Sie auf eine kontrollierte Einnahme der Medikamente. Sie sollten diese nicht mehr als 10-mal im Monat und nicht länger als an 3 aufeinander folgenden Tagen einnehmen, da sonst ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz entstehen kann.

Wenn der Körper nicht auf NSAR, Paracetamol oder Triptane anspricht, besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit Ergotaminen, die allerdings mit stärkeren Nebenwirkungen einhergeht. Gegen die während einer Migräne-Attacke auftretenden Magen-Darm-Beschwerden helfen rezeptpflichtige Antiemetika wie Metoclopramid für Erwachsene.

Achtung: Medikamentenübergebrauchskopfschmerz

Ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch kann entstehen, wenn Akutmedikation zu häufig eingesetzt wird. Die Leitlinie nennt als Schwelle ≥ 10 Einnahmetage pro Monat für Triptane und Kombinationsanalgetika sowie ≥ 15 Einnahmetage pro Monat für Monoanalgetika. Gerade bei häufigen Attacken sollte deshalb früh geprüft werden, ob eine vorbeugende Behandlung sinnvoll ist.[10]

Migräne vorbeugen: Prophylaxe kann entscheidend sein

Eine Migräneprophylaxe ist sinnvoll, wenn Attacken häufig, besonders belastend oder mit hohem Risiko für Medikamentenübergebrauch verbunden sind. Zu den gut belegten klassischen Optionen zählen insbesondere Betablocker wie Metoprolol und Propranolol, außerdem Topiramat, Amitriptylin und je nach Situation weitere Verfahren.[11][12]

Moderne prophylaktische Optionen sind monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor, darunter Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab. Sie sind bei episodischer und chronischer Migräne wirksam, auch wenn frühere Prophylaxen nicht ausreichend geholfen haben oder nicht vertragen wurden.[11][12]

Bei chronischer Migräne ist außerdem OnabotulinumtoxinA wirksam. Es wird in der Regel in Intervallen von etwa 12 Wochen verabreicht. Für die episodische Migräne ist seine Wirksamkeit nicht ausreichend belegt.[11]

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Zur Migränebehandlung gehören auch nichtmedikamentöse Maßnahmen. Empfohlen werden unter anderem regelmäßiger Schlaf, Bewegung bzw. Ausdauertraining, Stressmanagement, Entspannungsverfahren und ein Kopfschmerzkalender, um Attacken, mögliche Auslöser, Medikamenteneinnahmen und den Therapieerfolg besser einzuordnen.[8][11]

Alternative und unterstützende Methoden zur Behandlung von Migräne

Helfen Sie sich mit einem Aufenthalt in einem ruhigen, abgedunkelten Raum! Schlafen Sie viel und versuchen Sie, mit kalten Kompressen den Schmerz zu lindern.

Wenn Sie häufig unter Migräne-Attacken leiden, könnte Ihnen auch der Gang zum Heilpraktiker bzw. zur Heilpraktikerin helfen. Laut einer Umfrage von YouGov nutzen 46 % aller Deutschen Naturheilverfahren. Insbesondere Kopfschmerz-Patient:innen ziehen alternative Heilmethoden in Erwägung, wie die Infografik von statista zeigt.

Infografik: Wofür die Deutschen zum Heilpraktiker gehen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Migräne und Psyche

Migräne kann psychisch stark belasten. Angst vor der nächsten Attacke, Vermeidungsverhalten und zusätzliche Stressreaktionen können den Alltag weiter einschränken. Verhaltensmedizinische und psychotherapeutische Verfahren sind deshalb besonders dann sinnvoll, wenn Angst, depressive Symptome oder ausgeprägte Alltagsbeeinträchtigungen hinzukommen.[11][13]

Wann Migräne ärztlich abgeklärt werden sollte

Eine ärztliche Abklärung ist besonders wichtig bei:

  • erstmals auftretenden oder ungewöhnlich starken neurologischen Symptomen
  • Sehstörungen oder Sehverlust nur auf einem Auge
  • Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder Bewusstseinsveränderungen
  • einer schweren Attacke von mehr als 72 Stunden
  • deutlich verändertem Beschwerdebild oder neuen Warnzeichen[4][6][7]

Migräne bei Kindern

Migräne bei Kindern
Migräne kennt keine Altersgrenzen. Auch Kinder haben Migräne-Attacken.
Bild: pixelshot (Canva)

Migräne kommt bei 3 bis 4 % aller Kinder vor. Kinder, deren Eltern Migräne haben, sind öfter betroffen. Der Anteil der Mädchen und Jungen ist gleichmäßig. Nach der Pubertät bleibt bei der Hälfte der Kinder, die Migräne bestehen. Allerdings leiden dann mehr Mädchen als Jungen an den Kopfschmerzen.

Migräne bei Kindern ist oft nicht einseitig, sondern betrifft den ganzen Kopf. Am häufigsten ist der Schmerz im Bereich der Stirn, der Schläfen und der Augen. Manchmal ist der Schmerz gering ausgeprägt oder fehlt sogar. Neben den Kopfschmerzen äußert sich die Kinder-Migräne durch Blässe, Schwindel, Teilnahmslosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Auch Hautrötung, Herzrasen, eine erhöhte Körpertemperatur, Harndrang, Bauchschmerzen oder Durst gehören zu den Beschwerden. Es kommt teils auch zum Auftreten neurologischer Auffälligkeiten. Die Migräne mit Aura äußert sich bei Kindern durch Sehstörungen und Halluzinationen. Die betroffenen Kinder sehen bunte Farben, lustige Formen, Lichtblitze und Flimmern.

Schon gewusst?

Mediziner:innen sprechen bei den auftretenden Sehstörungen vom „Alice-im-Wunderland-Syndrom“.

Außerdem leiden die Kinder oft unter Missempfindungen, wie Kribbeln der Arme und Beine, Taubheitsgefühle, Lähmungen sowie Sprachstörungen.

Migräne bei Kindern behandeln

Typische Medikamente gegen Migräne wie Acetylsalicylsäure dürfen Sie bei Kindern nicht anwenden. Sie sind für die Kindergesundheit äußerst gefährlich. Nicht-medikamentöse Maßnahmen schlagen jedoch bei Kindern oft besser an als bei Erwachsenen. Entspannungsverfahren wie autogenes Training, Biofeedback oder Wärmeanwendungen sind hilfreich.

Einem akuten Migräne-Anfall bei Kindern können Sie mit Ruhe begegnen. Dunkeln Sie die Räumlichkeiten ab, minimieren Sie Geräuschquellen und lassen Sie Ihr Kind schlafen. Ein kühler Waschlappen auf der Stirn und eine Nacken-Massage mit Pfefferminzöl sind hilfreich.

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Fazit

Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit unterschiedlichen Verlaufsformen. Für die klinische Einordnung besonders wichtig sind Migräne ohne Aura, Migräne mit Aura und chronische Migräne. Sonderformen wie vestibuläre Migräne, menstruell gebundene Migräne, Hirnstamm-Aura oder retinale Migräne verlangen eine präzise diagnostische Einordnung. Wer häufig betroffen ist, sollte nicht nur die Akuttherapie, sondern auch Prophylaxe, Trigger-Management und nichtmedikamentöse Maßnahmen frühzeitig mitdenken.

FAQ: Häufige Fragen zu Migräne

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, bei der wiederkehrende Attacken mit meist pulsierenden, mittelstarken bis starken Kopfschmerzen auftreten. Häufig kommen Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit hinzu. Die Beschwerden können den Alltag, die Arbeitsfähigkeit und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

Was sind typische Migräne-Symptome?

Typische Migräne-Symptome sind einseitige oder betont einseitige, pochende oder pulsierende Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Viele Betroffene berichten außerdem über Müdigkeit, Reizbarkeit, Heißhunger, Konzentrationsprobleme oder Nackenschmerzen vor und nach der Attacke.

Wie lange dauert eine Migräneattacke?

Eine Migräneattacke dauert typischerweise 4 bis 72 Stunden, wenn sie unbehandelt bleibt oder die Behandlung nicht ausreichend wirkt. Hält eine Attacke länger als 72 Stunden an, spricht man von einem Status migraenosus, der ärztlich abgeklärt werden sollte.

Was ist der Unterschied zwischen Migräne mit Aura und Migräne ohne Aura?

Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form. Die Migräne mit Aura geht zusätzlich mit vorübergehenden neurologischen Symptomen einher, meist Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder Zickzacklinien. Möglich sind auch Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen. Die Aura beginnt meist vor dem Kopfschmerz und bildet sich in der Regel vollständig zurück.

Was ist chronische Migräne?

Von chronischer Migräne spricht man, wenn an 15 oder mehr Tagen pro Monat Kopfschmerzen auftreten, und das über mehr als 3 Monate, wobei an mindestens 8 Tagen Migränecharakter vorliegt. Chronische Migräne ist oft besonders belastend und geht nicht selten mit Medikamentenübergebrauch oder weiteren Begleiterkrankungen einher.

Ab wann ist Migräne chronisch?

Die Grenze liegt bei 15 Kopfschmerztagen pro Monat über mehr als 3 Monate. Zusätzlich müssen an mindestens 8 Tagen pro Monat typische Migränemerkmale vorhanden sein. Diese Einordnung ist wichtig, weil sie Einfluss auf Diagnostik und Therapie hat.

Was kann Migräne auslösen?

Häufige Migräne-Trigger sind Schlafmangel, unregelmäßiger Schlafrhythmus, unregelmäßige Mahlzeiten, Stress, Alkohol, hormonelle Veränderungen und grelles Licht. Wichtig ist: Trigger sind individuell verschieden. Nicht jede Belastung führt automatisch zu einer Attacke.

Was hilft bei Migräne?

Was bei Migräne hilft, hängt von Stärke, Häufigkeit und Verlauf der Attacken ab. Bei leichten bis mittelstarken Attacken können geeignete Schmerzmittel helfen. Bei stärkeren Attacken kommen Triptane infrage. Zusätzlich empfinden viele Betroffene Ruhe, Schlaf, Reizabschirmung und einen abgedunkelten Raum als entlastend. Bei häufigen Attacken sollte eine Migräne-Prophylaxe geprüft werden.

Welche Medikamente gibt es gegen Migräne?

Zur Akuttherapie bei Migräne werden je nach Situation einfache Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und Triptane eingesetzt. Zur Migräne-Prophylaxe kommen unter anderem Betablocker, Topiramat, Amitriptylin sowie bei geeigneten Patient*innen CGRP-Antikörper infrage. Bei chronischer Migräne kann auch Botulinumtoxin eine Option sein. Die Auswahl gehört in ärztliche Hände.

Was sind CGRP-Antikörper bei Migräne?

CGRP-Antikörper sind moderne Medikamente zur Migräne-Prophylaxe. Sie richten sich gegen den Botenstoff CGRP oder seinen Rezeptor und können die Zahl der Migränetage senken. Sie kommen insbesondere dann in Betracht, wenn andere vorbeugende Therapien nicht ausreichend geholfen haben oder nicht vertragen wurden.

Was ist ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz?

Ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz entsteht, wenn Akutmedikamente gegen Kopfschmerzen zu häufig eingenommen werden. Das kann Kopfschmerzen verstärken oder chronifizieren. Gerade bei häufigen Migräneattacken sollte deshalb früh über eine Prophylaxe nachgedacht werden, statt nur die Akutmedikation zu steigern.

Wie kann man Migräne vorbeugen?

Migräne vorbeugen lässt sich nicht immer vollständig, aber oft deutlich verbessern. Hilfreich sind ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten, Ausdauersport, Stressreduktion und ein Kopfschmerztagebuch. Bei häufigen oder besonders belastenden Attacken kann zusätzlich eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein.

Was ist ein Kopfschmerztagebuch und warum ist es wichtig?

Ein Kopfschmerztagebuch dokumentiert Kopfschmerztage, mögliche Auslöser, Begleitsymptome, Medikamenteneinnahmen und die Stärke der Beschwerden. Es hilft dabei, Muster zu erkennen, Trigger besser einzuordnen und eine passende Therapie zu planen. Gerade bei Verdacht auf chronische Migräne oder MOH ist es besonders wertvoll.

Wie unterscheidet sich Migräne von Spannungskopfschmerzen?

Migräne oder Spannungskopfschmerz lässt sich oft über die Begleitsymptome unterscheiden. Spannungskopfschmerzen sind meist dumpf-drückend, eher beidseitig und häufig weniger intensiv. Migräne ist oft pulsierend, stärker, bewegungsverstärkt und mit Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit verbunden.

Was ist vestibuläre Migräne?

Die vestibuläre Migräne ist eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen im Vordergrund stehen. Kopfschmerzen müssen dabei nicht immer gleichzeitig auftreten. Weil Schwindel viele Ursachen haben kann, ist die ärztliche Einordnung besonders wichtig.

Was ist menstruelle Migräne?

Die menstruelle Migräne tritt gehäuft rund um die Menstruation auf und steht mit hormonellen Schwankungen in Zusammenhang. Besonders der Östrogenabfall gilt als wichtiger Auslöser. Bei wiederkehrendem Muster kann eine gezielte vorbeugende Strategie sinnvoll sein.

Wann sollte Migräne ärztlich abgeklärt werden?

Eine ärztliche Abklärung bei Migräne ist besonders wichtig bei erstmaligen oder ungewöhnlichen neurologischen Symptomen, neu auftretender Aura, Lähmungserscheinungen, starken Sprachstörungen, Sehstörungen nur auf einem Auge, stark verändertem Beschwerdebild oder einer Attacke von mehr als 72 Stunden. Auch bei häufigen Attacken oder Verdacht auf chronische Migräne ist medizinische Abklärung sinnvoll.

Kann Migräne die Psyche belasten?

Ja. Migräne kann die psychische Gesundheit deutlich beeinträchtigen. Häufig sind Sorge vor der nächsten Attacke, Rückzug, Stress und Einschränkungen im Beruf oder Privatleben. Bei chronischer Migräne oder starker Attackenangst kann psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein.
Können Kinder Migräne haben?

Können Kinder Migräne haben?

Ja, auch Migräne bei Kindern ist möglich. Die Beschwerden können sich etwas anders äußern als bei Erwachsenen, zum Beispiel mit eher beidseitigen Schmerzen oder stärkeren Begleitsymptomen wie Übelkeit, Blässe oder Bauchbeschwerden. Wiederkehrende Beschwerden sollten kinderärztlich abgeklärt werden.


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Stand vom: 28.03.2026

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Quellen

[1] International Headache Society (IHS). 1.1 Migraine without aura. In: The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ICHD-3 Online.

[2] International Headache Society (IHS). 1.2 Migraine with aura. In: The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ICHD-3 Online.

[3] International Headache Society (IHS). 1.3 Chronic migraine. In: The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ICHD-3 Online.

[4] Lempert T, von Brevern M, Bisdorff A, et al. Vestibular migraine: Diagnostic criteria (Update): Literature update 2021: Consensus document of the Bárány Society and the International Headache Society. Journal of Vestibular Research. 2022;32(1):1-6.

[5] International Headache Society (IHS). A1.1.1 Pure menstrual migraine without aura und A1.1.2 Menstrually-related migraine without aura. In: The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3), Appendix. ICHD-3 Online.

[6] International Headache Society (IHS). 1.2.2 Migraine with brainstem aura. In: The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ICHD-3 Online.

[7] International Headache Society (IHS). 1.4.1 Status migrainosus. In: The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). ICHD-3 Online.

[8] Deutsche Hirnstiftung. Patientenleitlinie Migräne. Stand: September 2025. Bonn: Deutsche Hirnstiftung; 2025.

[9] gesund.bund.de. Spannungskopfschmerzen: Ursachen, Therapie. Gesundheitsinformation des Bundesministeriums für Gesundheit, 21.10.2022.

[10] Diener H.-C., Förderreuther S., Kropp P., Reuter U., et al. Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. S1-Leitlinie, 2025. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), in: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Berlin: DGN; 2025.

[11] Deutsche Hirnstiftung. Leitlinie Therapie der Migräne / Patientenleitlinie Migräne. Stand: September 2025. Bonn: Deutsche Hirnstiftung; 2025.

[12] Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. Leitlinienseite zur S1-Leitlinie 2025.

[13] Klan T, Diezemann-Prößdorf A, Guth A-L, Gaul C, Witthöft M. Fear of migraine attacks: diagnosis and treatment. Schmerz. 2025;39(3):177-184. doi:10.1007/s00482-023-00711-y.