Roggen

Sehr robustes Getreide

Bereits um 6.600 v. Chr. wurde Wildroggen gesammelt. Erst 2.000 Jahre später begannen Bauern, ihn zu kultivieren. Dabei stellte sich heraus, dass ungünstige Standorte für den Roggen kein Problem darstellen. Daher wurde das robuste Getreide immer beliebter und setzte sich gegenüber Gerste, Hirse und Hafer durch. 

Roggen: Getreide im Portrait

Die 65–200 cm langen, rundlichen Halme münden in 5–20 cm lange, vierkantige Ähren. Diese bestehen meistens aus zweiblütigen Ährchen mit schmalen Hüllspelzen sowie Deckspelzen mit langen Grannen. Zur Blütezeit hängen die Ähren des Roggens leicht über. Das Roggenkorn ist 5–9 mm lang. Der blaugrüne, anspruchslose Roggen wird in gemäßigten Breiten angebaut. Seine Früchte sind resistent gegen Krankheiten.

Inhaltsstoffe des Roggens

Der Roggen ist reich an Mineralstoffen, Vitaminen und Aminosäuren. Vor allem Vitamine aus dem B-Komplex sind beim sättigenden und ballaststoffreichen Roggen hervorzuheben. Die Zusammensetzung von Roggen schwankt in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen und der Anbautechnik.

Schon gewusst?

Roggen ist reich an Lysin. Der lebenswichtige Eiweißbaustein soll eine antidepressive Wirkung besitzen.

Zusammensetzung des Roggenkorns

In untenstehender Tabelle finden Sie Angaben zur Zusammensetzung von Roggen je 100 Gramm essbarem Anteil:

BestandteileAnteil/100 g
Kohlenhydrate

davon Ballaststoffe

60,7 g

13,2 g

Proteine8,8 g
Fett1,7 g
Wasser13,7 g
Mineralstoffe
Calcium35 mg
Eisen2,8 mg
Kalium510 mg
Kupfer0,39 mg
Magnesium90 mg
Phosphor335 mg
Zink2,9 mg
Vitamine
Vitamin B1 (Thiamin)360 µg
Vitamin B2 (Riboflavin)170 µg
Vitamin B3 (Niacin)1800 µg
Vitamin B5 (Pantothensäure)1500 µg
Vitamin B6 (Pyridoxin)235 µg
Vitamin B9 (Folsäure)145 µg
Vitamin E2000 µg

Achtung Gluten: Roggen bei Zöliakie ungeeignet

Roggen enthält Gluten. Das Klebereiweiß ist für die guten Eigenschaften beim Backen verantwortlich. Allerdings gibt es einige Personen, die Gluten nicht vertragen. Sie leiden an einer Glutenunverträglichkeit, die die Krankheit Zöliakie auslöst. Diese sollten auf Lebensmittel, die Roggen enthalten, vollständig verzichten.

Schon gewusst?

Eine Glutenunverträglichkeit äußert sich nicht nur durch Schwierigkeiten im Magen-Darm-Trakt. Neben einem vorgewölbten Bauch, Durchfall und Erbrechen, kommt es auch zu Haarausfall, Knochen- und Muskelschmerzen sowie Blutarmut. Auch Antriebsschwäche, Müdigkeit, Blässe, Reizbarkeit bis hin zur Depression sind Beschwerden bei Zöliakie.

Wer derartige Symptome bei sich feststellt, sollte sich auf eine Unverträglichkeit gegenüber des Klebereiweißes testen.

Wenn Ärzte bei Ihnen eine Glutenunverträglichkeit feststellen, müssen Sie künftig auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten. Gluten ist jedoch auch in Weizen, Gerste und Hafer enthalten. Hirse und sogenannte Pseudogetreide wie Quinoa, Amarant und Buchweizen hingegen sind glutenfrei. Allerdings eignen sie sich nicht zum Herstellen von Gebäck.

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Verwendung von Roggen

Bauern nutzen in Europa häufig Winterroggen für den Anbau, da er die winterhärteste Getreideart ist und sogar Minustemperaturen bis 25 Grad Celsius übersteht. In Deutschland sind allein 35 Sorten des Winterroggens zugelassen. Wintergetreide benötigt nach der Aussaat und der Keimung eine Frostperiode. Daher säen Bauern den Roggen bereits im Herbst des Vorjahres aus und ernten diesen schon im Juli des nächsten Jahres. Wintergetreide ist ertragreicher, dennoch gibt es auch einige Sorten des Sommerroggens.

Wird Roggen frühzeitig geerntet, sprechen Experten von Grünroggen. Diesen verwenden wir eher als Futtermittel oder verarbeiten ihn industriell weiter. Nur etwa ein Fünftel des angebauten Roggens findet seinen Gebrauch in der Nahrungsmittelindustrie.

Roggen als Lebensmittel

Brot
Ein Brot aus Roggen ist dunkel ind er Färbung und kräftig im Geschmack.

Wir verwenden Roggen vor allem in Roggen- oder Mischbroten. Dabei zeichnen sich Gebäcke aus Roggen im Vergleich zum Weizen durch einen dunkleren, festen und aromatischen Teig aus. Dieser ist nicht so locker wie beim Weizenbrot und seine Krume ist dichter. Ein aus Roggenschrot hergestelltes Schwarzbrot ist das bekannte westfälische Pumpernickel, welches Bäckermeister mehr dämpfen, statt zu backen.

Typennummern beim Roggenmehl

Die Typennummer gibt den Mineralstoffgehalt des Auszugsmehls an. Je höher die Zahl ist, umso mineralstoffreicher ist das Mehl.

  • Type 815: ideal für helle Roggenbrote oder Kekse und um Roggen-Teigwaren herzustellen
  • Type 997: perfekt für Mischbrote
  • Type 1150: gut für Sauerteig geeignet
  • Type 1370: kräftiges, dunkles Roggenmehl für kernige Brotsorten
  • Type 1800: Roggenbackschrot (ein grobes, dunkles Mehl, worin sich Kornstücke finden) für kräftige Brote

Im Vergleich zu Auszugsmehlen verfügt Roggen-Vollkornmehl über keine Typennummer. Es besteht aus den gesamten Bestandteilen der gereinigten Körner.

Zudem ist der ballaststoffreiche Roggen in Müslis enthalten. Frischer Roggen-Schrot oder Roggenflocken genießen wir gern mit Milch oder Pflanzenmilch. Roggen ist auch als Grieß erhältlich. Daneben verwenden wir das robuste Getreide bei der Herstellung von Alkohol. Viele Wodkasorten, das in Norddeutschland hergestellte Korn oder auch das Roggenbier seien an dieser Stelle genannt.  Roggen macht einen lieblichen und angenehmen Geschmack. Daher verwenden wir es auch als Roggenmalz zum Süßen.

Roggen als Heilmittel

Ein Umschlag mit Roggenkleie gilt als typisches Hausmittel bei Insektenstichen und Ohrenschmerzen. Bei Übelkeit und Brechreiz soll Roggenmehl helfen.

Tipps gegen Übelkeit und Brechreiz

Kochen Sie Wasser ab und geben Sie geröstetes Roggenmehl dazu. Vermischen Sie beides zu einem Brei und essen Sie alle 2 Stunden 2 EL davon.

´Mit Roggen stellen Naturheilkundler Körnerkissen her. Diese führen als Warmanwendungen zur Linderung der Beschwerden. Ein aufgewärmten Nackenkissen löst Verspannungen und mildert Muskelschmerzen. Die Roggenkörner speichern dabei die Wärme und geben diese langanhaltend ab. So hat das Körnerkissen eine durchblutungssteigernde und schließlich auch schmerzstillende Wirkung auf das Areal.

Unser Produkttipp: NACKENHÖRNCHEN mit Bio-Roggenfüllung natur

Körnerkissen können Sie darüber hinaus auch für Kaltanwendungen nutzen. So lassen sich die zuvor gekühlten Kissen bei Sportverletzungen wie Prellungen, Verstauchung und Zerrung verwenden.

Roggen für Wellness und Schönheit

In den Bereichen Wellness und Kosmetik hat Roggen eine größere Bedeutung. Kosmetikhersteller setzen ihn aufgrund seiner Haut-festigenden Wirkung gern in Produkten zur Gesichtspflege ein. Dort dient Roggen als Oberflächenglätter. Hierfür sind vor allem die Zucker des Roggens verantwortlich. Diese erzeugen einen schnellen Effekt und mindern Fältchen sichtbar.

Tipp

Schauen Sie sich mal die Zutatenliste Ihrer Hautpflegeprodukte an. Wenn Sie darunter die Bezeichnung “Secale Cerale Seed Extract” entdecken, wurde Roggen als Inhaltsstoff verwendet.

Darüber hinaus enthält Roggen Aminosäuren wie Lysin. Auch diese Verbindungen spielen bei Anti-Aging-Mitteln eine große Rolle.

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Stand vom: 23.11.2021

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen.

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