Babesiose

Parasitäre Erkrankung von Mensch und Hund

Frühling und Sommer sind bei vielen Menschen die beliebtesten Jahreszeiten. Allerdings bringen die warmen Temperaturen nicht nur Gutes. So nimmt die Population an Zecken zu, die zuweilen Krankheiten übertragen. Neben der bekannten Borreliose und der FSME sind die Parasiten auch Überträger der Babesiose, die Mensch und Tier zu schaffen macht und sogar tödlich enden kann.

Babesiose – seltene Infektionskrankheit durch Zeckenstich

Wurmbefall beim Hund
Die Babesiose kommt bei Hunden und Menschen vor. Schützen Sie sich und Ihre Lieben vor Zeckenbissen.

Bis vor einigen Jahrzehnten war die Babesiose nur als Erkrankung von Haus- und Nutztieren bekannt. Mittlerweile gelangt sie zunehmend an Bedeutung bei Menschen und tritt v. a. in einigen Regionen der USA gehäuft auf. In Europa sind bislang nur 60 Fälle seit den 1950er Jahren dokumentiert, wobei Experten eine hohe Dunkelziffer vermuten.

Verursacht wird die Babesiose durch Hämatoprotozoen der Gruppe Babesia. Hierbei handelt es sich um tierische Einzeller, die die Blutzellen befallen. Im Fall der Babesiose sind die roten Blutkörperchen, die s. g. Erythrozyten, betroffen.

Die Übertragung der Babesiose geschieht zumeist durch Zecken der Unterfamilie Ixodidae (Schildzecken). In seltenen Fällen kam es zur Infektion nach einer Ansteckung über verabreichte Blutprodukte (z. B. Bluttransfusionen) sowie über die Plazenta während der Schwangerschaft oder während der Geburt auf das Kind.

Babesiose beim Menschen

Die Symptome, der Verlauf und die Schwere der Babesiose sind von vielen Faktoren abhängig. So unterscheiden sie sich je nach genauem Erreger und insbesondere vom Zustand des Patienten. Hierbei haben das Alter, Vorerkrankungen und der Zustand des Immunsystems Auswirkungen auf die Erkrankung.

Aufgrund des hauptsächlichen Übertragungsweges durch die Zecke tritt die Babesiose vornehmlich während des Sommers auf. Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Beginn erster Beschwerden, die Inkubationszeit, hat eine breite Spanne von 5 bis 33 Tagen. Kommt es zu einer Übertragung durch die Mutter auf das ungeborene Kind oder Neugeborene, beträgt die Inkubationszeit zwischen 3 und 6 Wochen.

Symptome der Babesiose beim Menschen

Kopfschmerzen
Die Symptome der Babesiose bei einem leichten Verlauf ähneln einer Erkältung. Die Betroffenen haben leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.

Personen ohne Vorerkrankungen und mit einem regelrecht funktionierenden Immunsystem haben meist nur leichte Beschwerden oder zeigen keinerlei Auffälligkeiten nach einer Ansteckung mit Babesia. Treten Symptome auf, ähneln sie einem grippalen Infekt [1] mit

  • leichtem Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Gliederschmerzen

Bei Älteren und Personen mit einem geschwächten Immunsystem kann es zu einer schwerwiegenden Ausprägung kommen. Hier ähnelt das Krankheitsbild dann einer akuten Malaria mit:

  • hohem Fieber
  • einer Blutarmut durch Zerstörung der roten Blutkörperchen (med. hämolytische Anämie)
  • einer Dunkelfärbung des Urins
  • einer Vergrößerung von Leber und Milz
  • einer Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute (med. Ikterus)
  • einer Funktionseinschränkung der Nieren und Lunge

Bei diesen extremen Verläufen besteht potentiell Lebensgefahr mit einer Sterberate je nach genauem Erreger von ca. 6,5 % [2] bis 42 % [3].

Behandlung der Babesiose beim Menschen

Frau sitzt im Bett und trinkt Tee
Bei einem leichten Verlauf der Babesiose helfen Ruhe und körperliche Schonung.

Bei einem leichten Verlauf heilt die Babesiose in der Regel von selbst wieder aus. Eine medizinische Behandlung ist nicht nötig. Allgemeine Maßnahmen wie Ruhe, körperliche Schonung und die Einnahme von Medikamenten zur Schmerzbekämpfung und Fiebersenkung können bei Bedarf die Beschwerden lindern. Kommt es zu schwerwiegenden Verläufen ist zumeist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig, wobei es teilweise zu einer Betreuung auf Intensivstationen kommt.

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Babesiose beim Menschen vorbeugen – Prävention ist die beste Therapie

Um einer Infektion mit Babesia vorzubeugen, ist es wichtig, sich vor Zecken zu schützen. Hierzu tragen Sie am besten auch im Sommer eine lange, geschlossene Kleidung aus leichten, hellen Stoffen. Anti-Zecken-Mittel in Form von Lotionen oder Sprays zur Vorbeugung von Zeckenbissen ergänzen die richtige Kleidung. Insbesondere nach dem Aufenthalt in Wäldern und auf Wiesen sollte der gesamte Körper auf Zecken abgesucht werden. Zecken stechen in der Regel nicht gleich. Sie krabbeln noch eine Weile auf der Haut umher. Denn: Sie suchen einen geeigneten Platz. Oft haben Sie Glück und können die Zecke noch vor dem Stich entfernen.

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Hat die Zecke bereits einen geeigneten Platz gefunden, gilt es diese schnell zu entfernen. Denn: Je länger sie saugt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Erreger übertragen werden. Hierzu stehen Ihnen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung: Zeckenzange, Zeckenpinzette oder Zeckenkarte funktionieren auf ähnliche Weise.

So entfernen Sie Zecken richtig
So entfernen Sie eine Zecke richtig.

Babesiose beim Hund

Zecke
Zecken übertragen die für Hunde besonders gefährlichen Erreger.

Babesiose kommt bei Hunden recht häufig vor. Nach einer Inkubationszeit von 10 bis 21 Tagen treten die Symptome auf, die an Malaria beim Menschen erinnern. Die Hundekrankheit wird deswegen auch als „Hundemalaria“ bezeichnet. Durch eine Zerstörung der roten Blutkörperchen verläuft die Erkrankung unbehandelt meist tödlich.

Symptome der Babesiose beim Hund

Kranker Hund
Hunde mit Babesiose sind oft schlapp und appetitlos.

Typisch ist das schubartig auftretende hohe Fieber. Hinzu kommt:

  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Mattigkeit
  • Dunkelfärbung des Urins
  • gelbliche Verfärbung der Augen und Schleimhäute

Übersteht das Tier die Akutphase, kommt es im Anschluss gelegentlich zu einem chronischen Verlauf. Hierbei nimmt die Belastbarkeit des Tieres auffällig ab und es treten regelmäßige Fieberschübe auf. Auch Verdauungsbeschwerden wie Durchfall kommen bei Babesiose hinzu. Atembeschwerden und Wassereinlagerungen zählen ebenfalls zum typischen Krankheitsbild der chronischen Babesiose bei Hunden.

Babesiose bei Hunden vorbeugen

Daher ist es auch beim Hund absolut angeraten, einem “Zeckenbiss” vorzubeugen. So können spezielle Zeckenhalsbänder, Spot-ons oder Zeckenschutzsprays angewendet werden. Viele Produkte sind zuverlässige Mittel bei der Abwehr von Zecken. Dennoch ist es wichtig, Ihren Liebling nach einem Steifzug durch Wiesen und Wälder auf Zecken abzusuchen. Falls es sich doch eine Zecke im Fell Ihres Hundes gemütlich gemacht hat, können Sie den Parasiten mit Zeckenzange, Zeckenpinzette oder einem Zeckenhaken genauso entfernen wie Sie es beim Menschen tun würden.

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In Deutschland ist für Hunde ein Impfstoff gegen Babesiose zugelassen. Eine allgemeine Impfempfehlung gibt es allerdings nicht. Ihr Tierarzt wird sie bezüglich der Vorbeugung der Erkrankung und allgemeinen Maßnahmen wie geeignete Repellentien und das sachgemäße Entfernen von Zecken beraten.

Behandlung der Babesiose beim Hund

Eine frühzeitige Behandlung der Babesiose beim Hund ist ausschlaggebend für den Verlauf. Unbehandelt führt die Erkrankung meist zum Tod. Beim Auftreten von Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten des Tieres ist der Tierarzt aufzusuchen, der nach der Diagnose mittels Blutuntersuchungen die geeignete medikamentöse Therapie einleiten wird.

Mehr Informationen unser Lesetipp: Zecken bei Hunden


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Stand vom: 14.04.2020

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen. 

Studien:

1: Vannier E, Krause PJ: Update on babesiosis. Interdiscip Perspect Infect Dis. 2009;2009:984568. DOI: 10.1155/2009/984568 

2: White DJ, Talarico J, Chang HG, Birkhead GS, Heimberger T, Morse DL: Human babesiosis in New York State: Review of 139 hospitalized cases and analysis of prognostic factors. Arch Intern Med. 1998 Oct;158(19):2149-54. DOI: 10.1001/archinte.158.19.214

3: Hildebrandt A, Hunfeld KP. Humane Babesiose – eine seltene, aber potenziell gefährliche Zoonose [Human babesiosis – a rare but potentially dangerous zoonosis]. Dtsch Med Wochenschr. 2014 May;139(18):957-62. DOI: 10.1055/s-0034-1369936

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