Reizdarm

Typisch sind Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung

Viele Betroffene empfinden die auftretenden Symptome wie Bauchkrämpfe, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung bei einem Reizdarmsyndrom (RDS) als sehr belastend und suchen Hilfe.

Das Reizdarmsyndrom

Frau mit Reizdarm hält sich den schmerzenden Bauch.
Krampfartige Schmerzen sind eines der Hauptsymptome bei Reizdarm.

Der Reizdarm oder das Reizdarmsyndrom (Irritables Darmsyndrom, kurz IDS) ist eine Erkrankung, die mit unterschiedlichen Magen- und Darmbeschwerden einhergeht. Der Reizdarm selbst ist ungefährlich, allerdings können die Symptome sehr belastend sein und werden von jedem Betroffenen unterschiedlich stark wahrgenommen. Bislang konnten keine Ursachen für das Reizdarmsyndrom gefunden werden.

In Deutschland sind mehr als 5 Millionen Menschen betroffen, Frauen trifft es etwa doppelt so häufig als Männer.

Ursachen des Reizdarmsyndroms

Fettige Speisen
Wir ernähren uns häufig mit zu fettigem Essen. Ein nervöser Darm kann die Folge sein.

Die Ursachen für das Reizdarmsyndrom sind bislang noch nicht geklärt. Experten gehen davon aus, dass verschiedene Ursachen zum Reizdarm führen. Dabei sind bestimmte Abläufe im Verdauungssystem bei Personen mit Reizdarmsyndrom gestört, ohne dass der Darm krankhafte Veränderungen aufweist.

Folgende Faktoren werden als Ursachen diskutiert:

  • eine Fehlfunktion des Nervensystems im Verdauungstrakt (Bauchhirn)
  • eine veränderte Verarbeitung der Reize im zentralen Nervensystem (Kopfhirn)
  • fehlerhafte Kommunikation zwischen Kopf-und Bauchhirn

Unabhängig davon, welche Fehlfunktion vorliegt, gibt es Auslöser, sogenannte Trigger, die bewirken, dass sich ein Reizdarmsyndrom entwickelt oder verschlechtert. Dazu zählen:

  • falsche Ernährungsgewohnheiten wie ballaststoffarme oder sehr fettreiche Kost
  • eine Fehlbesiedelung der Darmflora mit bestimmten Bakterien
  • Störungen des körpereigenen Abwehrsystems
  • Hormone
  • Medikamenteneinnahme
  • übermäßige Schmerzempfindlichkeit der Verdauungsorgane

Wann das Reizdarmsyndrom in Erscheinung tritt, ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen kommt es plötzlich und ohne Vorwarnung zum Reizdarm. Andere hatten zuvor andere Erkrankungen wie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, eine Nahrungsmittelallergie oder eine akute Magen-Darm-Infektion.

Reizdarmsyndrom

Aber auch Stress, psychische Konfliktsituationen und traumatische Ereignisse können zum Reizdarmsyndrom führen oder dieses erheblich beeinflussen. Bei Stress reagiert der nervöse Darm oft stärker als bei gesunden Personen.

Auffällig ist, dass Personen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen häufiger an Reizdarm leiden. Selten ist die psychische Krankheit die direkte Ursache des Reizdarmsyndroms.

Ist der Reizdarm erblich bedingt?

Das Reizdarmsyndrom ist keine eigenständige Erbkrankheit. Allerdings gibt es erbliche Veränderungen in den Genen die sowohl bei Patienten mit Reizdarm, als auch bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beobachtet wurden. Dazu zählen beispielsweise Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die Neigung zu Reizdarm kann somit vererbt werden, aber auch unabhängig davon auftreten.

Symptome eines Reizdarms

Magengeschwür
Krampfartige und stechende Bauchschmerzen können ein Anzeichen für einen Reizdarm sein.

Die Symptome eines Reizdarmsyndroms sind vielfältig. Diese treten gemeinsam oder im Wechsel auf und äußern sich über einem längeren, mindestens aber dreimonatigen Zeitraum. Sie entstehen nicht aufgrund einer organischen Veränderung. Oft zeigen sich neben den Verdauungsbeschwerden noch weitere Symptome, die sich nicht auf den Verdauungstrakt beschränken.

Viele Personen, die an einem Reizdarmsyndrom leiden, verspüren die unangenehmen Beschwerden nur hin und wieder oder in besonderen Situationen etwa bei oder nach Stress und Ärger. Andere Betroffene haben hingegen permanent Symptome und fühlen sich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Ein Großteil der von Reizdarm-Betroffenen empfindet bereits normale Verdauungsbewegungen als schmerzhaft, da die Schmerzschwelle niedriger ist.
In der Nacht kommt es eher selten zu Beschwerden, was das Reizdarmsyndrom deutlich von entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn abgrenzt.

Häufig liegen einem Reizdarm Verdauungsstörungen zugrunde, so kann beispielsweise der Nahrungstransport im Dickdarm (Kolon) gestört sein. Daher wird mitunter das Reizdarmsyndrom auch als Reizkolon bezeichnet. Darüber hinaus kann der gesamte Verdauungstrakt einschließlich Dünndarm und Magen betroffen sein.

Charakteristische Magen-Darm-Beschwerden eines Reizdarms

Typische Symptome bei einem Reizdarmsyndrom sind:

  • krampfartige, brennende oder stechende Bauchschmerzen
  • Völle- sowie Druckgefühl im Unterbauch
  • Blähungen
  • Darmgeräusche
  • Stuhlunregelmäßigkeiten
  • veränderter Stuhl wie weißlicher Schleim beim Stuhlgang, harter, breiiger oder wässriger Stuhl
  • Schmerzen während der häufig mühsamen Stuhlentleerung
  • gesteigerter Stuhlgang
  • Gefühl der unvollständigen Entleerung

Typische Begleiterscheinungen

Typische Begleiterscheinungen, die nicht den Verdauungstrakt betreffen, sind:

Ischias
Auch Rückenschmerzen können zu den Begleiterscheinungen bei Reizdarm gehören.

Therapiemöglichkeiten bei Reizdarm

Beratungsgespräch
Da die Beschwerden bei Reizdarm-Patienten sehr unterschiedlich sind, stimmt Ihr Arzt mit Ihnen eine individuelle Therapie ab.

Eine Heilung ist bisher nicht möglich. Die Behandlung des Reizdarmsyndroms mit Medikamenten lindert die durch den nervösen Darm verursachten Beschwerden. Je nachdem, welche Symptome im Vordergrund stehen, können verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen. Häufig werden diese kombiniert angewendet und entweder dauerhaft, bei Bedarf oder in regelmäßigen Abständen eingenommen.

Reizdarm-Medikamente im Zusammenhang mit Durchfall

Ist Durchfall das Hauptsymptom bei Reizdarm, wirken Medikamente mit dem Inhaltsstoff Loperamid, der die Darmbewegung hemmt. Allerdings sollte Loperamid ohne ärztliche Anweisung nicht länger als 2 Tage eingenommen werden. Aber auch Wirkstoffe wie Cholestyramin, lösliche Ballaststoffe und Pflanzenpräparate können hilfreich sein.

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Reizdarm-Medikamente im Zusammenhang mit Verstopfung

Beschwerden bei Unterleibsschmerzen
Häufig leiden Betroffene mit einem Reizdarmsyndrom an einer Verstopfung. Hier hilft eine ballaststoffreiche Ernährung.

Leidet der nervöse Darm an einer Verstopfung, kann neben einer ballaststoffreichen Ernährung und körperlicher Bewegung das Einnehmen von Abführmitteln  infrage kommen. Ballaststoffe sind in Getreideprodukten, Obst, Gemüse und Nüssen enthalten. Darüber hinaus können Flohsamenschalen oder Leinsamen eingenommen werden, um zusätzliche Ballaststoffe aufzunehmen. Sowohl Flohsamenschalen als auch Leinsamen quellen im Darm auf und regulieren dadurch die Darmbewegung. Medikamente mit Macrogol wirken ebenfalls aufquellend im Darm. Gängige Wirkstoffe in Abführmitteln sind Bisacodyl, Natriumpicosulfat und Lactulose. Auch krampflösende Medikamente können bei einem Reizdarmsyndrom mit Verstopfung ausprobiert werden.

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Reizdarm-Medikamente im Zusammenhang mit Blähungen und Bauchschmerzen

Bei Blähungen und Bauchschmerzen können krampflösende Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Butylscopolamin angewandt werden. Unter den Medikamenten, die die Darmmuskulatur entspannen, sind rezeptpflichtige Präparate mit dem Wirkstoff Mebeverin einzuordnen. Pflanzliche Mittel wie Pfefferminze, Kümmel, Kamille, Fenchel und Anis – als Tee zubereitet – sind ebenfalls zu empfehlen.

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Allgemeine Tipps  bei Reizdarm

Gesunde Ernährung hilft Herpes-Ausbruch zu vermeiden
In Obst und Gemüse stecken sehr viele Vitamine.

Grundsätzlich hilft eine ausgewogene, gut verträgliche und fettarme Ernährung, die reich an Ballaststoffen und Vitaminen  ist. Vermeiden Sie nach Möglichkeit Nahrungsmittel, die bei Ihnen als Allergieauslöser bekannt sind oder die Sie nicht vertragen. Achten Sie zudem immer auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Bei manchen Reizdarm-Patienten zeigen die Zellen der Darmschleimhaut Auffälligkeiten oder die Zahl und Art der Bakterien im Darm weicht von der Anzahl und Beschaffenheit der Darmbakterien gesunder Menschen ab. Nahrungsmittel, die diverse Kulturen an Bakterien enthalten, sogenannte Probiotika, können gegebenenfalls gegen einige der Beschwerden beim Reizdarmsyndrom helfen und sind ein denkbarer Baustein der Behandlung. Meist sind Milchsäurebakterien (Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus rhamnosus und Bifidobacterium) zugesetzt, die am Aufbau der natürlichen Darmflora beteiligt sind. Probiotika sollten allerdings regelmäßig verzehrt werden, da sie sonst nicht wirken.

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Jeder Betroffene sollte Stress im Alltag so gut es geht vermeiden. Bewegung und Entspannungsübungen helfen beim Stressabbau und Abschalten. Ausreichend Schlaf ist wichtig, um neue Kräfte zu tanken, fit in den Tag zu starten und für den Alltag gewappnet zu sein.

Yoga
Setzen Sie sich nicht unter Druck. Entspannungstechniken helfen, zu sich zu finden und in sich zu ruhen.

Eine Psychotherapie empfiehlt sich nur dann, wenn zusätzlich zum Reizdarmsyndrom psychische Beschwerden vorliegen. Professionelle Hilfe ist sinnvoll, wenn der Reizdarm durch eine extreme Stresssituation ausgelöst wurde, schon sehr lange besteht oder der Reizdarm-Patient sehr stark unter den Beschwerden leidet.


Unsere Seiten dienen lediglich Ihrer Information und ersetzen nicht die Diagnose und Behandlung durch den Arzt.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Wir stehen mit unserer Beratungshotline gern für Sie bereit.


Stand vom: 21.01.2019

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