Gefahr im Anflug: So wehren Sie die Tigermücke erfolgreich ab

Foto einer Tigermücke

Sie entwickeln plötzlich Symptome des Dengue-Fiebers, obwohl Sie keinen Fuß in die Tropen gesetzt haben? Wie ist das möglich? Die Antwort liegt in einem unscheinbaren, aber gefährlichen blinden Passagier, der längst seinen Weg nach Europa und Deutschland gefunden hat: die Tigermücke. Dieses winzige Insekt, das einst ausschließlich in tropischen Regionen beheimatet war, hat sich als blinder Passagier auf Handelsrouten und durch internationale Reisen ausgebreitet und ist nun in unseren Breitengraden angekommen. Die Folge? Krankheiten wie Dengue, die früher für uns nur eine ferne Bedrohung waren, klopfen jetzt an unsere Haustür.

Die Tigermücke hat sich leise, aber effektiv in unserem Alltag etabliert und bringt gesundheitliche Risiken mit sich, die wir nicht ignorieren dürfen. Ein starker Hinweis darauf, dass die globalen Veränderungen und unser Handeln unerwartete Konsequenzen direkt vor unserer Haustür bringen.

Was ist die Tigermücke?

Die Asiatische Tigermücke, auch als Aedes albopictus bekannt, wurde erstmals 1894 wissenschaftlich beschrieben. Ihr ursprünglicher Name war Culex albopictus, wobei “Culex” für Mücke und “albopictus” für weiß gezeichnet steht. Später wurde sie der Gattung Aedes zugeordnet, die auf Griechisch “widrig” bedeutet, und erhielt den Namen Aedes albopictus.

Die Stechmücke ist durch ihre schwarz-weiße Musterung leicht zu erkennen. Sie variiert in der Größe zwischen 2 und 10 Millimetern. Männchen sind generell kleiner als Weibchen und unterscheiden sich durch ihre buschigeren Fühler und die unterschiedliche Länge ihrer Mundteile.

Die Mücke ist in verschiedenen Lebensräumen anzutreffen, von städtischen bis zu ländlichen Gebieten, und ernährt sich hauptsächlich von Blut, das die Weibchen zur Eiproduktion benötigen. Ihre Aktivität ist tagsüber am höchsten, besonders in den Morgen- und Abendstunden. Die Asiatische Tigermücke ist nicht wählerisch bei der Wahl ihrer Wirte und sticht neben Menschen andere Säugetiere und Vögel. Ihre Blutmahlzeiten sind oft kurz, da sie bei Störungen schnell flieht, was dazu führt, dass sie mehrere Wirte stechen muss, um genug Blut für ihre Eier zu sammeln.

Diese Verhaltensweise macht die Tigermücke zu einem effektiven Überträger von Krankheiten, da sie beim Stechen mehrerer Wirte Krankheitserreger zwischen ihnen überträgt. Ihre Fähigkeit, verschiedene Wirte zu stechen, ermöglicht es ihr, als Brückenvektor für Krankheiten wie das West-Nil-Virus zu fungieren, indem sie Erreger über Artgrenzen hinweg überträgt.

Die charakteristische schwarz-weiße Zeichnung der Tigermücke, besonders an ihren Beinen und auf ihrem Rücken, dient nicht nur der Identifizierung, sondern auch der Abschreckung von Fressfeinden. Trotz ihrer geringen Größe ist die Asiatische Tigermücke ein robustes Insekt, das sich an verschiedene Umweltbedingungen anpasst, was ihre schnelle Verbreitung weltweit begünstigt. Ihre Anwesenheit in einem Gebiet erfordert erhöhte Wachsamkeit und Präventionsmaßnahmen, um die Übertragung von Krankheiten zu verhindern.

Achtung Verwechslungsgefahr

In Europa besteht die Gefahr, die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) mit der Ringelmücke (Culiseta annulata) zu verwechseln. Obwohl beide Arten geringelte Beine haben, fehlt bei der Ringelmücke die charakteristische weiße Linie am Thorax, und sie ist in der Regel größer als die Tigermücke. Die Ringelmücke zeigt sich eher in Beige- und Grautönen, nicht in dem markanten Schwarz-Weiß-Muster der Tigermücke. Im östlichen Mittelmeerraum besteht  Verwechslungsgefahr mit Aedes cretinus, die ähnliche Lebensräume bevorzugt und einen geteilten weißen Strich auf dem Rücken hat. Weltweit gibt es ähnliche Mückenarten wie die Gelbfiebermücke (Aedes (Stegomyia) aegypti), die ebenfalls schwarz-weiße Muster aufweisen, was die Unterscheidung erschwert. Daher ist bei der Identifizierung von Mückenarten besondere Aufmerksamkeit geboten, um Verwechslungen zu vermeiden und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken richtig einzuschätzen.

Die Tigermücke, ursprünglich in Südostasien beheimatet, hat ihre Verbreitung in den letzten Jahrzehnten erheblich erweitert und ist nun auf mehreren Kontinenten präsent. Der internationale Handel und Reiseverkehr beschleunigte die globale Expansion der Tigermücke erheblich.

In europäischen Urlaubsländern wie Italien, Spanien und Frankreich ist die Tigermücke mittlerweile weit verbreitet.

In Deutschland breitet sich die Tigermücke ebenfalls aus. Sie wurde erstmals 2007 in unseren Breiten gesichtet, und seitdem hat sich ihr Vorkommen vor allem in südlichen Regionen verstärkt. Die wärmeren Temperaturen und veränderten Niederschlagsmuster, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind, erleichtern ihre Ausbreitung.

Welche Bedeutung hat der Klimawandel bei der Ausbreitung der Tigermücke?

Foto einer Tigermücke
Die Tigermücke kommt immer häufiger in unseren Breiten vor.
Bild: witsawat sanarum – Getty Images (Canva)

Der Klimawandel spielt eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung der Tigermücke (Aedes albopictus), da er die Umweltbedingungen verändert und neue Lebensräume für die Mücke schafft.

Einfluss des Klimawandels auf die Ausbreitung der Tigermücke:

  • Wärmere Temperaturen: Die Tigermücke bevorzugt warme Klimazonen. Mit steigenden globalen Temperaturen erweitert sie ihre Lebensräume, einschließlich der Erschließung neuer Gebiete in höheren Breiten und Höhenlagen.
  • Veränderte Niederschlagsmuster: Sowohl erhöhte als auch verringerte Niederschlagsmuster beeinflussen die Verfügbarkeit von Brutplätzen für die Tigermücke. Wasseransammlungen, die durch verstärkte Regenfälle entstehen, bieten ideale Bedingungen für die Larvenentwicklung.
  • Längere Übertragungssaisons: Wärmere Temperaturen verlängern die Saison, in der Mücken aktiv sind und sich vermehren, was das Zeitfenster für die Übertragung von Krankheiten erweitert.

Zukünftige Risiken und Prognosen für Deutschland

Prognosen deuten darauf hin, dass die Tigermücke in den kommenden Jahren weiter nach Norden vordringen wird, was Deutschland zunehmend in ein Risikogebiet für die Etablierung der Mücke verwandelt. Mit der Ausbreitung der Tigermücke in Deutschland könnten auch die von ihr übertragenen Krankheiten, wie Dengue- und Chikungunya-Fieber, häufiger auftreten. Dies erfordert erhöhte Wachsamkeit und Vorbereitung im öffentlichen Gesundheitswesen.

Wie gefährlich ist die Tigermücke?

Die Tigermücke ist nicht nur wegen ihres unangenehmen Stichs bekannt, sondern vor allem aufgrund der gesundheitlichen Risiken, die sie birgt. Ihr Stich ist gefährlich, weil sie als Vektor für verschiedene Viren dient, die ernsthafte Krankheiten beim Menschen auslösen. Zu diesen zählen:

  • Dengue-Fieber: Diese Krankheit äußert sich durch hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen sowie Hautausschläge. In schweren Fällen kommt es zu inneren Blutungen und Organversagen, was potenziell lebensbedrohlich ist.
  • Chikungunya-Fieber: Die Symptome ähneln denen des Dengue-Fiebers, einschließlich Fieber, Gelenkschmerzen und Ausschlägen. Die Gelenkschmerzen sind teils sehr stark und dauern in manchen Fällen Monate oder Jahre an.
  • Zika-Virus: Während eine Infektion bei Erwachsenen oft mild verläuft oder sogar unbemerkt bleibt, verursacht das Zika-Virus bei Schwangeren schwerwiegende Geburtsfehler, darunter Mikrozephalie, eine Bedingung, bei der das Gehirn des Babys nicht richtig wächst.
  • West-Nil-Fieber: Die meisten Infizierten zeigen keine Symptome, aber in einigen Fällen führt das Virus zu Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen oder sogar zu neurologischen Erkrankungen führen.

Die Gefahr, die von der Tigermücke ausgeht, liegt in ihrer Fähigkeit, diese Krankheiten effektiv zu übertragen. Ihre Vorliebe für menschliches Blut und ihre Anpassungsfähigkeit an verschiedene Umgebungen ermöglichen es ihr, sich schnell in neuen Gebieten auszubreiten und somit die Reichweite dieser Krankheiten zu erweitern. In Gebieten, in denen die Tigermücke heimisch geworden ist, ist es daher entscheidend, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um Stiche zu vermeiden und die Ausbreitung dieser Krankheiten zu verhindern.

Wie kann ich mich vor der Tigermücke schützen?

Um sich effektiv vor den Stichen der Tigermücke zu schützen und deren Ausbreitung zu kontrollieren, sind sowohl persönliche Schutzmaßnahmen als auch gezielte Bekämpfungsstrategien in betroffenen Gebieten entscheidend.

Persönliche Schutzmaßnahmen – das können Sie selbst tun:

  • Kleidung: Tragen Sie langärmelige Hemden und lange Hosen, besonders in den Morgen- und Abendstunden, wenn Mücken am aktivsten sind. Helle Farben sind weniger attraktiv für Mücken.
  • Insektenschutzmittel: Verwenden Sie Insektenschutzmittel, die DEET, Picaridin oder andere wirksame Stoffe enthalten. Tragen Sie das Mittel auf alle freiliegenden Hautstellen auf.
  • Moskitonetze: Nutzen Sie Moskitonetze über dem Bett und an den Fenstern, um Mücken fernzuhalten, besonders in der Nacht.
  • Verwenden von Ventilatoren: Der Luftzug von Ventilatoren hält Mücken oftmals davon ab, in Ihrer Nähe zu bleiben.
  • Vermeiden von stehendem Wasser: Beseitigen Sie Wasseransammlungen in Eimern, Blumentöpfen oder anderen Gefäßen, um die Brutplätze der Mücken zu reduzieren. Kupfer oder Nelkenöl im Wasser tötet die Larven ab. Bti-Tabletten für Regenfässer mit einem Wirkstoff aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis israelensis helfen ebenfalls. Bti ist hochspezifisch für Mücken- und Fliegenlarven und stellt keine signifikante Gefahr für andere Tierarten dar. Studien haben gezeigt, dass Fische, Amphibien, Reptilien, Säugetiere und die meisten anderen Insektenarten nicht negativ von Bti betroffen sind. Allerdings sollte man bei der Anwendung in natürlichen Gewässern vorsichtig sein, da es potenziell nicht-zielgerichtete Auswirkungen auf andere Wasserinsekten oder das ökologische Gleichgewicht geben könnte. In geschlossenen Systemen wie Regenfässern ist die Anwendung von Bti jedoch generell sicher und wird als effektive Methode zur Mückenkontrolle empfohlen.

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Was tun, wenn die Tigermücke gestochen hat?

Hautuntersuchung
Wenn Mückenstiche Symptome auslösen, wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, ist der Gang in eine Arztpraxis angebracht.
Bild: Inside Creative House – Getty Images (Canva)

Ein Stich der Tigermücke sieht äußerlich genauso aus wie Stiche von anderen in Deutschland vorkommenden Mückenarten. Wenn die Tigermücke sticht, durchdringt sie die Haut und gibt Speichelproteine in den Körper ab. Daraufhin setzt der Körper den Botenstoff Histamin frei, was zu Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle führt. Zusätzlich verursacht die Reizung bestimmter Nervenfasern Juckreiz. Die Symptome, die ein Stich der Tigermücke auslöst, ähneln somit stark den Reaktionen auf Stiche anderer Mückenarten.

Sollten nach einem Mückenstich Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schüttelfrost oder Muskel- und Gliederschmerzen auftreten, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen. Weitere Anzeichen, die auf eine ernsthafte Reaktion hinweisen, sind Übelkeit, Bindehautentzündung oder Hautausschläge. Obwohl viele dieser Beschwerden oftmals abklingen, besteht die Möglichkeit schwerer Krankheitsverläufe. Insbesondere Infektionen mit dem Zika-Virus führen während der Schwangerschaft zu schwerwiegenden Fehlbildungen beim Kind. Eine Entzündung entwickelt sich auch durch das Aufkratzen der Stichstelle oder den Mückenspeichel und führt im schlimmsten Fall zu einer Sepsis. Bei Unsicherheiten oder Beschwerden nach einem Mückenstich ist es wichtig, sich an seine hausärztliche Praxis zu wenden.

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Stand vom: 29.02.2024

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