
Fließende, reißende und ziehende Schmerzen am Stütz- und Bewegungsapparat, die mit funktionellen Einschränkungen verbunden sind und schubweise auftreten, bezeichnen Fachleute als Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Der Volksmund fasst rund 200 Krankheiten unter der Bezeichnung Rheuma zusammen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rheuma ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für mehr als 100 bis 200 Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Dazu zählen entzündliche, degenerative, stoffwechselbedingte und weichteilbezogene Beschwerden des Bewegungsapparates.
- Typisch sind fließende, reißende oder ziehende Schmerzen an Gelenken, Knochen, Muskeln, Sehnen oder der Wirbelsäule. Häufig treten die Beschwerden schubweise auf und schränken Bewegung sowie Alltag ein.
- Rheuma betrifft nicht nur ältere Menschen. Auch junge Erwachsene, Jugendliche und Kinder erkranken an rheumatischen Erkrankungen. In Deutschland leben nach aktuellen Schätzungen etwa 1,5 bis 2,1 Millionen Erwachsene mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.
- Zu den bekanntesten Formen gehören rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Psoriasis-Arthritis, Gicht, Arthrose, Fibromyalgie, Kollagenosen und Vaskulitiden. Die Ursachen und Beschwerden unterscheiden sich je nach Erkrankung deutlich.
- Bei vielen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen liegt eine Fehlsteuerung des Immunsystems vor. Die Abwehr richtet sich gegen körpereigenes Gewebe und löst chronische Entzündungen aus.
- Warnzeichen sind länger anhaltende Morgensteifigkeit, geschwollene oder überwärmte Gelenke, Schmerzen in Ruhe, starke Erschöpfung und wiederkehrende Schübe. Bei solchen Beschwerden ist eine frühe ärztliche Abklärung wichtig.
- Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Diabetes mellitus, bestimmte Ernährungsgewohnheiten und Umweltbelastungen gelten als Risikofaktoren. Besonders Rauchen erhöht das Risiko für rheumatoide Arthritis und ungünstigere Krankheitsverläufe.
- Die Behandlung richtet sich nach der genauen Diagnose. Zum Einsatz kommen unter anderem Basismedikamente, entzündungshemmende Schmerzmittel, Kortison in akuten Phasen, Biologicals, Physiotherapie, Ergotherapie, Kälte- und Wärmeanwendungen sowie operative Verfahren.
- Pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine Rheumatherapie, werden aber unterstützend eingesetzt. Traditionell relevant sind Arnika, Brennnessel, Cayennepfeffer, Hagebutte, Teufelskralle und Weihrauch.
- Eine frühe Behandlung schützt Gelenke und Organe. Unbehandelte entzündlich-rheumatische Erkrankungen führen zu Gelenkschäden, Fehlstellungen, Funktionsverlust und bei systemischen Formen auch zu ernsten Organbeteiligungen.
Rheumatismus: Sammelbegriff für mehr als 200 verschiedene Erkrankungen
Synonyme: Rheumatismus | Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises | rheumatische Erkrankungen
Rheumatismus umfasst folgende Erkrankungen:
- entzündliche Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen: rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Psoriasis-Arthritis, reaktive Arthritis, juvenile idiopathische Arthritis (entzündliche Erkrankung der Gelenke im Kindesalter unbekannter Ursache), Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen), Vaskulitiden (entzündliche Gefäßerkrankungen), Granulomatose mit Polyangiitis (Systemerkrankung des Gefäßsystems)
- degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenveränderungen: Arthrosen, Sehnenscheidenentzündungen
- entzündliche und nichtentzündliche Krankheiten der Weichteile: Fibromyalgie (Weichteilrheumatismus)
- systemische Bindegewebs- und Gefäßerkrankungen: Kollagenosen
- Manifestationen bestimmter Krankheiten des Stoffwechsels: Gicht, Hämochromatose (Eisenstoffwechselstörung)
Schon gewusst?
Am 12. Oktober findet jedes Jahr der Welt-Rheuma-Tag statt. An diesem Aktionstag werden weltweit verschiedene Veranstaltungen organisiert, um über rheumatische Erkrankungen zu informieren.
Häufigkeit von Rheuma
Laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e. V. leidet rund ein Viertel der deutschen Bevölkerung an Funktionseinschränkungen der Bewegungsorgane. Rund 10 Millionen haben chronische Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, 7 Millionen schwere chronische Rückenschmerzen und 5 Millionen symptomatische Arthrosen. Rund 1,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, auch 20.000 Kinder sind betroffen.

Ursachen rheumatischer Erkrankungen
Bei vielen rheumatischen Erkrankungen kommt es zu einer Störung des Immunsystems. Der Körper greift – wie bei der rheumatoiden Arthritis – die eigenen Strukturen an.
In Form der Kollagenosen können diese Autoimmunkrankheiten auch als systemische Erkrankungen auftreten. Hier wird nicht nur ein Organ oder eine Körperregion von der körpereigenen Abwehr angegriffen, sondern gleichartiges Gewebe in vielen verschiedenen Organen.
Risikofaktoren von rheumatischen Erkrankungen
Falsche Ernährungsgewohnheiten, wie etwa der Konsum von rotem Fleisch oder Kaffee fördern neben Übergewicht, Diabetes mellitus und Bewegungsmangel die Entstehung rheumatischer Erkrankungen. Als Risikofaktor gilt außerdem der Konsum von Zigaretten. Dieser verdoppelt das Risiko, an Rheuma zu erkranken, nachweislich. Auch Umweltfaktoren, wie eine hohe Feinstaubbelastung, tragen zur Entwicklung von Rheuma bei.
Risikofaktoren im Überblick
- Diabetes mellitus
- Übergewicht bis hin zu Adipositas
- Bewegungsmangel
- Ernährungsgewohnheiten wie Konsum von rotem Fleisch und Kaffee
- Zigarettenkonsum
- Umweltbelastungen wie Quarzstaub
- Bluttransfusionen
Symptome: So vielfältig wie die Erkrankungen selbst
Etwa 9 Millionen Menschen zeigen klassische Symptome wie steife Gelenke, schmerzende Knochen, Muskeln und Sehnen auf.
Aufgrund chronischer Entzündungen leiden Betroffene der gelenkbezogenen Formen unter:
- Schmerzen
- steifen Gelenken
- Schwellungen und Ergüssen
- Gelenkzerstörung
- Fehlstellungen
- Funktionsverlust
Die Arthrose – der Gelenkverschleiß – tritt häufig im fortgeschrittenen Alter auf. Die Arthritis – die Gelenkentzündung – zeigt sich bereits zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr.
Schwerwiegende, oft lebensgefährliche Entwicklungen lösen chronische Entzündungen in verschiedenen Organen aus.
Symptome an Organen können sein:
- Entzündung diverser Augenwandschichten
- Bindegewebevermehrung der Lunge
- Herzbeutelentzündung
- Rheumaknoten mit Hautdefekten, v. a. an Unterschenkeln und Fußrücken
- Sicca-Syndrom, eine chronische Entzündung der Speichel- und Tränendrüsen
Exkurs: Rheumatoide Arthritis
Die häufigste Form von Rheuma ist die rheumatoide Arthritis. Etwa 0,5 bis 1 % der Bevölkerung leiden an dieser entzündlichen rheumatischen Erkrankung. Frauen sind bedeutend häufiger betroffen als Männer.
Häufig zeigen zunächst einige Fingergelenke eine länger als eine Stunde anhaltende Morgensteifigkeit auf. Später greift das Rheuma auf die übrigen Gelenke über, die sich stark verformen. Die Fingergrund- und die Fingermittelgelenke schwellen an, ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit und Erschöpfung kommt hinzu.
Rheuma behandeln: Umfangreiche Therapiemaßnahmen nach Diagnose
Rheuma ist keine Alterskrankheit. Diverse Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises zeigen sich bereits bei Kleinkindern. Wichtig ist eine frühzeitige Diagnose, da der Bewegungsapparat stark beeinträchtigt wird und es in Bezug auf Organschäden sogar zu lebensbedrohlichen Situationen kommen kann. Rheuma ist nicht heilbar, man kann jedoch versuchen, den Verlauf zu verzögern, die Schmerzen zu lindern und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um Folgeschäden zu vermeiden.
Ärztliches Personal wird u. a. aufgrund der Krankengeschichte, der Röntgenaufnahmen von Händen und Füßen sowie einer Blutuntersuchung die Diagnose stellen. Die Auswahl der Behandlungsmethoden ist abhängig von der genauen Diagnose.
Typische Grundbausteine der Behandlung sind:
- medikamentöse Therapie wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
- physikalische Therapie wie Krankengymnastik, Ergotherapie und Wärmetherapie
- operative Therapie wie Entfernung der Gelenkschleimhaut, Gelenkprothesen
Medikamentöse Therapie bei Rheuma
Die medikamentöse Behandlung von gelenkbezogenem Rheuma wird aus der Verabreichung von Basismedikamenten und eventuell entzündungshemmenden sowie schmerzlindernden Präparaten bestehen.
Die sogenannten Basistherapeutika greifen direkt in den Verlauf der rheumatischen Erkrankung ein. Zu ihnen gehören Medikamente mit den rezeptpflichtigen Wirkstoffen Methotrexat, Sulfasalazin und Chloroquin. Diese Präparate verhindern entzündliche Schübe und das Versteifen der Gelenke, wirken allerdings erst Wochen oder Monate nach der ersten Einnahme.
Daher werden sie durch Schmerzmittel wie die nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) ergänzt. Diese lindern die Symptome, wirken schnell und sorgen dafür, dass die Gelenke bewegt werden können. Ärztliches Personal verschreibt auch Kortison bei akuten Krankheitsphasen. Es wirkt entzündungshemmend. Schmerzmittel, die nicht entzündungshemmend wirken, können ebenfalls verordnet werden. Zu den nichtopioden Analgetika gehören Präparate mit dem Wirkstoff Paracetamol.
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Wenn die Behandlung mit klassischen Basismedikamenten keinen gewünschten Erfolg erzielt, setzt das medizinische Personal TNF-alpha-Blocker, sogenannte Biologicals, ein. Diese haben eine immunsuppressive Wirkung. Daher führen sie zu einer höheren Infektanfälligkeit.
Pflanzliche Mittel bei Rheuma
Zur unterstützenden Behandlung der Gelenkbeschwerden können Sie pflanzliche Präparate einsetzen. Traditionell gelten Arnika, Brennnessel, Cayennepfeffer, Hagebutte, Teufelskrallenwurzel und Weihrauch als Rheumamittel. Daneben sind nahrungsergänzende Präparate mit Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen, Mineralien, Carotinoiden und Bioflavonoiden sinnvoll.
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Physikalische Therapie bei Rheuma
Während eines akuten Krankheitsschubes hat sich die lokale Anwendung von Kälte als hilfreich erwiesen. Die Kryotherapie wirkt dem Entzündungsprozess an den betroffenen Gelenken entgegen, ist schmerzlindernd und beschleunigt Heilungsprozesse. Krankengymnastik, Physiotherapie und Ergotherapie verbessern die Beweglichkeit.
Weiterführende Informationen finden Sie unter: Arthritis | Arthrose | Gicht
FAQ: Häufige Fragen zu Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
Sie haben Fragen zum Thema Rheuma? Wir haben die Antworten.
Was bedeutet „Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises“?
Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sind eine große Gruppe verschiedener Krankheiten, die vor allem Gelenke, Knochen, Muskeln, Sehnen, Bänder, Blutgefäße und Bindegewebe betreffen. Viele dieser Erkrankungen verursachen Schmerzen, Steifigkeit, Entzündungen und Bewegungseinschränkungen. Der Begriff „Rheuma“ beschreibt also keine einzelne Krankheit, sondern einen ganzen Formenkreis.
Was ist Rheuma einfach erklärt?
Rheuma ist ein Oberbegriff für viele schmerzhafte Erkrankungen am Bewegungsapparat. Betroffene spüren häufig ziehende, reißende oder fließende Schmerzen. Je nach Form entstehen die Beschwerden durch Entzündungen, Verschleiß, Stoffwechselstörungen oder Veränderungen der Weichteile. Manche rheumatischen Erkrankungen betreffen zusätzlich innere Organe.
Wie viele rheumatische Erkrankungen gibt es?
Unter Rheuma werden mehr als 100 bis 200 verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst. Dazu zählen entzündliche Gelenkerkrankungen, degenerative Gelenkveränderungen, Weichteilrheuma, Bindegewebserkrankungen, Gefäßentzündungen und stoffwechselbedingte Erkrankungen wie Gicht.
Welche Rheuma-Arten gibt es?
Zu den wichtigsten Gruppen gehören entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew und Psoriasis-Arthritis. Daneben gibt es degenerative Erkrankungen wie Arthrose, weichteilrheumatische Beschwerden wie Fibromyalgie, systemische Bindegewebserkrankungen wie Kollagenosen, Gefäßentzündungen wie Vaskulitiden sowie Stoffwechselerkrankungen mit Gelenkbeteiligung wie Gicht.
Was ist entzündliches Rheuma?
Entzündliches Rheuma entsteht meist durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Die körpereigene Abwehr greift Gelenke, Bindegewebe, Gefäße oder Organe an. Dadurch entstehen chronische Entzündungen, Schmerzen, Schwellungen und im Verlauf mögliche Gewebeschäden.
Was ist degeneratives Rheuma?
Degeneratives Rheuma beschreibt verschleißbedingte Veränderungen, zum Beispiel Arthrose. Dabei steht nicht die Autoimmunreaktion im Vordergrund, sondern die Abnutzung von Gelenkknorpel, Knochen und angrenzenden Strukturen. Schmerzen treten besonders bei Belastung, Anlaufen oder fortgeschrittenem Gelenkverschleiß auf.
Was ist Weichteilrheuma?
Weichteilrheuma betrifft nicht den Knochen oder Gelenkknorpel selbst, sondern Muskeln, Sehnen, Bänder und andere Weichteile. Ein bekanntes Beispiel ist Fibromyalgie. Dabei leiden Betroffene häufig unter großflächigen Schmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen und erhöhter Schmerzempfindlichkeit.
Was ist systemisches Rheuma?
Systemisches Rheuma betrifft nicht nur ein Gelenk, sondern mehrere Körperbereiche oder Organe. Dazu zählen Kollagenosen und Vaskulitiden. Bei diesen Erkrankungen richtet sich die Entzündung gegen Bindegewebe, Blutgefäße oder verschiedene Organsysteme. Beschwerden an Haut, Augen, Lunge, Herz, Nieren oder Speicheldrüsen treten dabei zusätzlich auf.
Ist Rheuma eine Autoimmunerkrankung?
Viele, aber nicht alle rheumatischen Erkrankungen sind Autoimmunerkrankungen. Bei der rheumatoiden Arthritis, Kollagenosen oder Vaskulitiden greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe an. Arthrose hingegen gehört zu den degenerativen Erkrankungen und entsteht vor allem durch Gelenkverschleiß.
Was ist rheumatoide Arthritis?
Rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankung. Dabei entzünden sich meist mehrere Gelenke dauerhaft. Typisch sind geschwollene, schmerzende und steife Gelenke, besonders an Fingergrund- und Fingermittelgelenken. Ohne Behandlung verformen und versteifen sich Gelenke im Verlauf.
Was sind typische erste Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis?
Frühe Anzeichen sind Schmerzen, Schwellungen und Steifigkeit einzelner Gelenke. Häufig beginnen die Beschwerden an Finger- oder Zehengelenken. Eine Morgensteifigkeit von mehr als einer Stunde, Müdigkeit, Erschöpfung und allgemeines Krankheitsgefühl sprechen ebenfalls für eine entzündliche Ursache.
Was ist der Unterschied zwischen Rheuma und Arthrose?
Rheuma ist ein Sammelbegriff für viele Erkrankungen. Arthrose ist eine einzelne Erkrankung aus diesem Formenkreis und beschreibt Gelenkverschleiß. Entzündliches Rheuma wie rheumatoide Arthritis entsteht dagegen durch eine fehlgeleitete Immunreaktion. Arthrose verursacht oft belastungsabhängige Schmerzen, entzündliches Rheuma häufig Ruheschmerzen, Schwellungen und längere Morgensteifigkeit.
Was ist der Unterschied zwischen Arthritis und Arthrose?
Arthritis bedeutet Gelenkentzündung. Das Gelenk ist häufig geschwollen, warm, schmerzhaft und manchmal gerötet. Arthrose bedeutet Gelenkverschleiß. Dabei baut sich der Gelenkknorpel ab. Eine Arthrose entwickelt sich meist langsam, sie kann sich aber zeitweise entzünden und dann einer Arthritis ähneln.
Was ist Morbus Bechterew?
Morbus Bechterew, auch axiale Spondyloarthritis genannt, ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule und das Kreuz-Darmbein-Gelenk betrifft. Typisch sind tiefsitzende Rückenschmerzen, Morgensteifigkeit und eine Besserung durch Bewegung. In fortgeschrittenen Fällen versteift die Wirbelsäule zunehmend.
Was ist Psoriasis-Arthritis?
Psoriasis-Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die mit Schuppenflechte zusammenhängt. Sie betrifft oft Hände, Füße, Knie, Ellbogen, Nacken oder Wirbelsäule. Typisch sind schmerzende und steife Gelenke, Erschöpfung und manchmal wurstförmig geschwollene Finger oder Zehen.
Was sind Kollagenosen?
Kollagenosen sind systemische Bindegewebserkrankungen. Das Immunsystem richtet sich gegen körpereigenes Bindegewebe, das in vielen Organen vorkommt. Deshalb betreffen Kollagenosen nicht nur Gelenke, sondern auch Haut, Lunge, Herz, Nieren, Blutgefäße oder Schleimhäute.
Was sind Vaskulitiden?
Vaskulitiden sind entzündliche Gefäßerkrankungen. Dabei entzünden sich Blutgefäße unterschiedlicher Größe. Je nachdem, welche Gefäße betroffen sind, entstehen Beschwerden an Haut, Nerven, Augen, Nieren, Lunge oder anderen Organen. Manche Vaskulitiden verlaufen schwer und erfordern rasche medizinische Behandlung.
Was ist Granulomatose mit Polyangiitis?
Die Granulomatose mit Polyangiitis ist eine seltene systemische Gefäßentzündung. Sie betrifft häufig Atemwege, Lunge und Nieren. Unbehandelt nimmt sie schwere Verläufe. Typische Hinweise sind chronische Nasennebenhöhlenprobleme, Husten, Atembeschwerden, Blut im Urin oder allgemeine Entzündungszeichen.
Was ist Gicht?
Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich Harnsäurekristalle in Gelenken ablagern. Das löst plötzlich sehr schmerzhafte Entzündungen aus, häufig am Großzehengrundgelenk. Gicht gehört zum rheumatischen Formenkreis, obwohl sie keine klassische Autoimmunerkrankung ist.
Was ist Hämochromatose und warum gehört sie zum Rheuma-Formenkreis?
Hämochromatose ist eine Eisenstoffwechselstörung. Der Körper speichert zu viel Eisen. Das schädigt Organe und Gelenke. Gelenkbeschwerden erinnern teilweise an rheumatische Erkrankungen, weshalb die Hämochromatose mit Gelenkbeteiligung zum rheumatischen Formenkreis gezählt wird.
Was sind typische Symptome bei Rheuma?
Typisch sind Schmerzen an Gelenken, Muskeln, Sehnen oder Knochen, steife Gelenke, Schwellungen, Bewegungseinschränkungen, Morgensteifigkeit, Erschöpfung und schubweise Beschwerden. Bei entzündlichen Formen kommen Überwärmung, Gelenkergüsse, Fehlstellungen und Funktionsverlust hinzu.
Welche Gelenke sind bei Rheuma häufig betroffen?
Bei rheumatoider Arthritis sind oft Fingergrundgelenke, Fingermittelgelenke, Handgelenke und Zehengelenke betroffen. Je nach Erkrankung kommen Knie, Schultern, Ellenbogen, Hüften, Sprunggelenke, Wirbelsäule oder Kiefergelenke hinzu.
Wie fühlt sich Rheuma an?
Viele Betroffene beschreiben Rheuma als ziehend, reißend, brennend oder tief sitzend. Die Schmerzen treten oft nicht nur bei Belastung auf, sondern auch in Ruhe oder nachts. Dazu kommen Steifigkeit, Kraftverlust und das Gefühl, dass die Gelenke „nicht richtig in Gang kommen“.
Was bedeutet Morgensteifigkeit bei Rheuma?
Morgensteifigkeit bedeutet, dass Gelenke nach dem Aufwachen steif, unbeweglich und schmerzhaft sind. Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen dauert sie oft länger als eine Stunde. Das unterscheidet sie häufig von verschleißbedingten Beschwerden, bei denen die Steifigkeit meist kürzer anhält.
Kann Rheuma Organe betreffen?
Ja. Manche rheumatische Erkrankungen betreffen nicht nur Gelenke, sondern auch Augen, Haut, Lunge, Herz, Gefäße, Speichel- und Tränendrüsen oder Nieren. Mögliche Folgen sind Augenentzündungen, Lungenveränderungen, Herzbeutelentzündung, Hautdefekte, Rheumaknoten oder das Sicca-Syndrom mit trockenen Augen und trockenem Mund.
Was ist das Sicca-Syndrom?
Das Sicca-Syndrom beschreibt eine chronische Trockenheit von Augen und Mund. Ursache ist häufig eine Entzündung der Tränen- und Speicheldrüsen. Es tritt unter anderem bei bestimmten rheumatischen Autoimmunerkrankungen auf, zum Beispiel beim Sjögren-Syndrom.
Was sind Rheumaknoten?
Rheumaknoten sind feste Gewebeknoten unter der Haut. Sie treten vor allem bei rheumatoider Arthritis auf, häufig an Druckstellen wie Ellenbogen, Unterarmen, Unterschenkeln oder Fußrücken. Manchmal entstehen Hautdefekte über den Knoten.
Ist Rheuma gefährlich?
Rheuma reicht von gut behandelbaren Beschwerden bis zu schweren systemischen Erkrankungen. Entzündliches Rheuma zerstört unbehandelt Gelenke und verursacht dauerhafte Einschränkungen. Bei Organbeteiligung entstehen teils ernste oder lebensbedrohliche Verläufe. Eine frühe Diagnose verbessert die Prognose deutlich.
Ist Rheuma heilbar?
Viele rheumatische Erkrankungen sind nicht heilbar, aber gut behandelbar. Ziel der Therapie ist es, Entzündungen zu kontrollieren, Schmerzen zu lindern, Schübe zu verhindern, Gelenke zu schützen und die Lebensqualität zu erhalten. Moderne Therapien erreichen bei vielen Betroffenen eine sehr niedrige Krankheitsaktivität.
Warum ist eine frühe Diagnose bei Rheuma so wichtig?
Entzündungen schädigen Gelenke und Organe oft schon früh. Je schneller eine passende Therapie beginnt, desto besser lassen sich Folgeschäden verhindern. Besonders bei geschwollenen Gelenken, anhaltender Morgensteifigkeit und starken Ruheschmerzen zählt eine zeitnahe rheumatologische Abklärung.
Wann sollte man bei Verdacht auf Rheuma zum Arzt oder zur Ärztin?
Ärztliche Abklärung ist wichtig, wenn Gelenke länger als einige Wochen schmerzen, anschwellen, überwärmt sind oder morgens lange steif bleiben. Auch wiederkehrende Schübe, nächtliche Schmerzen, starke Müdigkeit, ungeklärtes Fieber, Hautveränderungen oder Augenentzündungen gehören abgeklärt.
Wie wird Rheuma diagnostiziert?
Die Diagnose entsteht aus mehreren Bausteinen: Gespräch über Beschwerden und Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder MRT sowie manchmal spezielle Organuntersuchungen. Entscheidend ist die genaue Einordnung der Rheumaform.
Welche Blutwerte sind bei Rheuma wichtig?
Je nach Verdacht untersucht ärztliches Personal Entzündungswerte wie CRP und Blutsenkung, Rheumafaktor, Anti-CCP-Antikörper, antinukleäre Antikörper, Harnsäure, Blutbild, Leber- und Nierenwerte. Normale Blutwerte schließen Rheuma nicht immer sicher aus. Die Beschwerden und Untersuchungsergebnisse bleiben entscheidend.
Was ist der Rheumafaktor?
Der Rheumafaktor ist ein Autoantikörper, der bei vielen Menschen mit rheumatoider Arthritis vorkommt. Er ist aber nicht beweisend, da er auch bei anderen Erkrankungen oder bei gesunden Menschen auftreten kann. Deshalb bewertet medizinisches Personal ihn immer zusammen mit weiteren Befunden.
Was sind Anti-CCP-Antikörper?
Anti-CCP-Antikörper sind spezielle Autoantikörper, die bei rheumatoider Arthritis auftreten. Sie helfen bei der Diagnose und deuten oft auf einen eher aggressiveren Verlauf hin. Auch hier gilt: Die Diagnose basiert nie auf einem einzelnen Laborwert.
Welche Medikamente helfen bei Rheuma?
Die Therapie hängt von der Rheumaform ab. Häufig kommen Basismedikamente, nicht-steroidale Antirheumatika, Kortison, Schmerzmittel und bei Bedarf Biologicals oder andere gezielt wirkende Medikamente zum Einsatz. Ziel ist nicht nur Schmerzlinderung, sondern vor allem die Kontrolle der Entzündung.
Was sind Basismedikamente bei Rheuma?
Basismedikamente, auch DMARDs genannt, greifen in den Krankheitsverlauf ein. Beispiele sind Methotrexat, Sulfasalazin und Chloroquin beziehungsweise Hydroxychloroquin. Sie wirken nicht sofort, sondern meist erst nach Wochen bis Monaten. Dafür bremsen sie Entzündungen und schützen Gelenke vor dauerhaften Schäden.
Was ist Methotrexat bei Rheuma?
Methotrexat ist ein häufig eingesetztes Basismedikament bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Es reguliert die überschießende Immunreaktion und senkt die Entzündungsaktivität. Die Einnahme erfolgt nur nach ärztlicher Verordnung und mit regelmäßigen Blutkontrollen.
Warum werden NSAR bei Rheuma eingesetzt?
Nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac lindern Schmerzen und Entzündungen. Sie wirken schneller als Basismedikamente, verändern aber den langfristigen Krankheitsverlauf nicht ausreichend. Deshalb dienen sie häufig als ergänzende Behandlung, besonders bei Schmerzen und akuten Beschwerden.
Wann wird Kortison bei Rheuma eingesetzt?
Kortison wirkt stark entzündungshemmend und wird oft bei akuten Schüben oder als Überbrückung eingesetzt, bis Basismedikamente wirken. Die Anwendung richtet sich nach Erkrankung, Schweregrad und Begleiterkrankungen. Langfristig wird meist eine möglichst niedrige Dosis angestrebt.
Was sind Biologicals?
Biologicals sind biotechnologisch hergestellte Medikamente, die gezielt in Entzündungsprozesse des Immunsystems eingreifen. Dazu gehören zum Beispiel TNF-alpha-Blocker. Sie kommen infrage, wenn klassische Basismedikamente nicht ausreichend wirken. Da sie das Immunsystem beeinflussen, steigt unter Umständen die Infektanfälligkeit.
Machen Rheuma-Medikamente anfälliger für Infekte?
Einige Rheuma-Medikamente dämpfen gezielt Teile des Immunsystems. Dadurch steigt je nach Wirkstoff und Dosis die Anfälligkeit für Infektionen. Deshalb gehören Impfstatus, Infektzeichen und regelmäßige ärztliche Kontrollen zur sicheren Therapie.
Helfen Schmerzgele bei Rheuma?
Schmerzgele mit entzündungshemmenden Wirkstoffen wie Diclofenac lindern lokale Beschwerden an oberflächennahen Gelenken, etwa Händen, Knien oder Ellenbogen. Sie ersetzen keine Basistherapie bei entzündlichem Rheuma, eignen sich aber je nach Beschwerdebild ergänzend. Packungsbeilage und Apothekenberatung sind wichtig.
Welche pflanzlichen Mittel sind bei Rheuma relevant?
Traditionell werden Arnika, Brennnessel, Cayennepfeffer, Hagebutte, Teufelskralle und Weihrauch bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt. Sie dienen unterstützend und ersetzen keine ärztlich verordnete Therapie. Besonders bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen sollte die Anwendung mit Arzt, Ärztin oder Apotheke abgestimmt werden.
Hilft Weihrauch bei Rheuma?
Weihrauch enthält Boswelliasäuren, die in der Forschung wegen entzündungsmodulierender Eigenschaften untersucht werden. Traditionell wird Weihrauch bei Gelenkbeschwerden und entzündlichen Beschwerden eingesetzt. Für die rechtssichere Kommunikation gilt: Weihrauch ist eine unterstützende Option, aber kein Ersatz für antirheumatische Medikamente.
Hilft Teufelskralle bei Rheuma?
Teufelskrallenwurzel wird traditionell bei Gelenk- und Rückenschmerzen eingesetzt. Viele Präparate sind auf Beschwerden des Bewegungsapparates ausgerichtet. Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eignet sie sich nur ergänzend und nach Rücksprache, besonders wenn bereits Medikamente eingenommen werden.
Hilft Arnika bei Rheuma?
Arnika wird äußerlich bei Muskel- und Gelenkbeschwerden, Prellungen und stumpfen Verletzungen eingesetzt. Bei rheumatischen Beschwerden eignet sich Arnika vor allem für die lokale Anwendung. Auf offene Haut, Schleimhäute oder bei Allergie gegen Korbblütler gehört Arnika nicht.
Welche Rolle spielt Brennnessel bei Rheuma?
Brennnessel wird traditionell zur Unterstützung bei Beschwerden des Bewegungsapparates genutzt. Sie enthält sekundäre Pflanzenstoffe und wird auch als Saft, Tee oder Extrakt angeboten. Bei Nierenproblemen, Wasseransammlungen oder Medikamenteneinnahme ist fachliche Beratung sinnvoll.
Können Nahrungsergänzungsmittel bei Rheuma helfen?
Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Antioxidantien, Vitaminen, Mineralstoffen, Carotinoiden oder Bioflavonoiden werden unterstützend eingesetzt. Sie ersetzen keine antirheumatische Therapie. Sinnvoll ist eine gezielte Auswahl, idealerweise nach Ernährungsstatus, Laborwerten und Beratung.
Welche Ernährung ist bei Rheuma empfehlenswert?
Eine entzündungsbewusste Ernährung setzt auf viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, hochwertige Pflanzenöle und fettreichen Seefisch. Rotes Fleisch, Wurst, stark verarbeitete Lebensmittel, viel Zucker und Alkohol sollten nur selten auf dem Speiseplan stehen. Ziel ist eine Ernährung, die Entzündungsprozesse nicht zusätzlich befeuert.
Ist Kaffee bei Rheuma schlecht?
Der Zusammenhang zwischen Kaffee und rheumatischen Erkrankungen ist nicht für alle Rheumaformen eindeutig. Entscheidend sind Menge, Gesamtlebensstil und individuelle Verträglichkeit. Wer unsicher ist oder Beschwerden nach Kaffee bemerkt, bespricht dies am besten mit ärztlichem Personal oder der Ernährungsberatung.
Warum gilt rotes Fleisch als ungünstig bei Rheuma?
Rotes Fleisch und Wurst enthalten Arachidonsäure, aus der der Körper entzündungsfördernde Botenstoffe bilden kann. Eine fleischarme, pflanzenbetonte Ernährung unterstützt daher viele Menschen mit entzündlichen Beschwerden. Komplettverbote sind meist nicht nötig, eine bewusste Reduktion ist sinnvoll.
Welche Rolle spielen Omega-3-Fettsäuren bei Rheuma?
Omega-3-Fettsäuren aus fettem Seefisch oder geeigneten Präparaten beeinflussen entzündungsbezogene Stoffwechselwege. Sie gelten als sinnvolle Ergänzung einer ausgewogenen Ernährung. Bei Blutgerinnungsstörungen, Blutverdünnern oder vor Operationen ist Beratung wichtig.
Ist Bewegung bei Rheuma gut?
Ja, angepasste Bewegung erhält Gelenkfunktion, Muskelkraft und Beweglichkeit. Wichtig ist das richtige Maß. In akuten Schüben brauchen entzündete Gelenke Entlastung. Außerhalb akuter Phasen helfen gelenkschonende Bewegung, Physiotherapie, Wassergymnastik, Radfahren, Spazierengehen und Kraftaufbau.
Welche Sportarten eignen sich bei Rheuma?
Geeignet sind meist gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen, Aquagymnastik, Radfahren, Walking, Gymnastik, Yoga in angepasster Form und moderates Krafttraining. Sportarten mit hoher Stoßbelastung oder Verletzungsrisiko sollten individuell geprüft werden.
Was bringt Physiotherapie bei Rheuma?
Physiotherapie verbessert Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Gelenkstabilität. Sie hilft, Fehlhaltungen zu vermeiden und Schmerzen im Alltag besser zu bewältigen. Bei chronischen Erkrankungen ist regelmäßiges Üben oft entscheidender als einzelne Behandlungstermine.
Was bringt Ergotherapie bei Rheuma?
Ergotherapie unterstützt Betroffene dabei, Alltag, Beruf und Haushalt gelenkschonender zu gestalten. Dazu gehören Greifhilfen, Schienen, Gelenkschutztraining, Arbeitsplatzanpassungen und Strategien für Tätigkeiten wie Schreiben, Kochen, Anziehen oder Tragen.
Hilft Kälte bei Rheuma?
Kälte hilft häufig bei akuten Entzündungsschüben. Sie lindert Schmerzen, reduziert Überwärmung und dämpft Entzündungsreaktionen. Kühlpacks sollten nicht direkt auf die Haut gelegt werden. Bei Durchblutungsstörungen oder Kälteempfindlichkeit ist Vorsicht geboten.
Hilft Wärme bei Rheuma?
Wärme entspannt Muskeln und lindert chronische Verspannungen. Bei akut entzündeten, geschwollenen oder überwärmten Gelenken ist Wärme jedoch ungünstig. Dann eignet sich eher Kälte. Ob Wärme oder Kälte besser passt, hängt vom Beschwerdebild ab.
Wann wird Rheuma operiert?
Operationen kommen infrage, wenn Medikamente, Physiotherapie und Hilfsmittel nicht ausreichen oder Gelenke stark geschädigt sind. Möglich sind die Entfernung entzündeter Gelenkschleimhaut, Sehnenrekonstruktionen, Gelenkversteifungen oder Gelenkprothesen.
Können Kinder Rheuma bekommen?
Ja. Rheuma ist keine reine Erkrankung des höheren Lebensalters. Kinder und Jugendliche können an juveniler idiopathischer Arthritis und anderen rheumatischen Erkrankungen erkranken. In Deutschland sind nach Schätzungen rund 14.000 bis 20.000 Kinder und Jugendliche betroffen.
Woran erkennt man Rheuma bei Kindern?
Hinweise sind geschwollene Gelenke, Schonhaltung, Hinken, morgendliche Steifigkeit, Bewegungsvermeidung, Fieber unklarer Ursache, Hautausschläge oder anhaltende Müdigkeit. Kleine Kinder klagen nicht immer direkt über Schmerzen, sondern bewegen sich weniger oder wirken „ungeschickt“.
Können Frauen häufiger Rheuma bekommen?
Bei einigen rheumatischen Erkrankungen, insbesondere der rheumatoiden Arthritis, sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Hormonelle, genetische und immunologische Faktoren spielen dabei vermutlich zusammen. Andere Rheumaformen betreffen Männer und Frauen unterschiedlich häufig.
Ist Rheuma erblich?
Eine genetische Veranlagung spielt bei vielen rheumatischen Erkrankungen eine Rolle. Rheuma wird jedoch nicht einfach eins zu eins vererbt. Meist treffen mehrere Faktoren zusammen: Gene, Immunsystem, Rauchen, Infektionen, Umweltbelastungen, Hormone und Lebensstil.
Kann Rauchen Rheuma auslösen?
Rauchen zählt zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren, besonders bei rheumatoider Arthritis. Es erhöht nicht nur das Erkrankungsrisiko, sondern verschlechtert auch häufig den Verlauf und das Ansprechen auf Therapien.
Welche Umweltfaktoren fördern Rheuma?
Umweltbelastungen wie Feinstaub, Quarzstaub und andere eingeatmete Partikel stehen mit einem höheren Risiko für entzündlich-rheumatische Erkrankungen in Verbindung. Besonders in Kombination mit Rauchen steigt die Belastung für das Immunsystem.
Hat Diabetes etwas mit Rheuma zu tun?
Diabetes mellitus gehört zu den Risikofaktoren, die Entzündungsprozesse und Beschwerden des Bewegungsapparates begünstigen. Außerdem treten manche Autoimmunerkrankungen gehäuft gemeinsam auf. Bei unklaren Gelenkbeschwerden und Stoffwechselerkrankungen ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Kann Übergewicht Rheuma verschlimmern?
Übergewicht belastet Gelenke mechanisch und fördert entzündliche Prozesse über hormonaktive Fettgewebe. Gewichtsreduktion entlastet Knie, Hüfte und Wirbelsäule und unterstützt die Krankheitskontrolle bei vielen rheumatischen Beschwerden.
Was ist ein Rheumaschub?
Ein Rheumaschub ist eine Phase erhöhter Krankheitsaktivität. Schmerzen, Schwellungen, Steifigkeit, Erschöpfung und Entzündungszeichen nehmen zu. Schübe verlaufen je nach Erkrankung unterschiedlich und erfordern manchmal eine Anpassung der Therapie.
Was hilft bei einem akuten Rheumaschub?
Bei akuten Schüben helfen Schonung der entzündeten Gelenke, Kälteanwendungen, ärztlich empfohlene Medikamente und zeitnahe Rücksprache mit dem Behandlungsteam. Medikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt oder erhöht werden. Starke Schwellungen, Fieber oder Organbeschwerden gehören rasch abgeklärt.
Warum macht Rheuma müde?
Chronische Entzündungen belasten den gesamten Körper. Das Immunsystem arbeitet dauerhaft auf Hochtouren, ähnlich wie bei einem schwelenden Feuer. Zusätzlich fördern Schmerzen, schlechter Schlaf, Blutarmut, Medikamente oder psychische Belastung die Erschöpfung.
Kann Rheuma Rückenschmerzen verursachen?
Ja. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie Morbus Bechterew betreffen häufig die Wirbelsäule. Typisch sind Rückenschmerzen in Ruhe, nächtliches Aufwachen, Morgensteifigkeit und Besserung durch Bewegung. Degenerative Veränderungen wie Arthrose verursachen ebenfalls Rückenschmerzen, jedoch durch andere Mechanismen.
Welche Rolle spielt der Welt-Rheuma-Tag?
Der Welt-Rheuma-Tag findet jedes Jahr am 12. Oktober statt. Er macht auf rheumatische Erkrankungen aufmerksam, informiert über Diagnose und Therapie und stärkt die Sichtbarkeit von Betroffenen. Gerade weil Rheuma oft unsichtbar bleibt, hat Aufklärung einen hohen Stellenwert.
Was gehört in die Hausapotheke bei rheumatischen Beschwerden?
Sinnvoll sind je nach ärztlicher Empfehlung geeignete Schmerzmittel, entzündungshemmende Gele, Kühlpacks, Wärmeanwendungen für nicht-akute Beschwerden und Hilfsmittel für den Alltag. Menschen mit Dauermedikation sollten Wechselwirkungen, Gegenanzeigen und Dosierung immer mit Apotheke oder ärztlichem Personal besprechen.
Wann ist Rheuma ein Notfall?
Ein Notfall liegt vor bei plötzlich starken Schmerzen mit Fieber, stark geschwollenem und heißem Gelenk, Atemnot, Brustschmerzen, Sehstörungen, neurologischen Ausfällen, Blut im Urin oder schwerem Krankheitsgefühl. Diese Beschwerden benötigen sofortige medizinische Abklärung.
Was sollten Betroffene im Alltag beachten?
Wichtig sind regelmäßige Bewegung, gelenkschonende Routinen, Rauchverzicht, ausgewogene Ernährung, ausreichender Schlaf, Stressreduktion und die konsequente Einnahme verordneter Medikamente. Hilfsmittel, Physiotherapie und Ergotherapie erleichtern den Alltag und schützen Gelenke.
Ersetzt dieser Ratgeber eine ärztliche Diagnose?
Nein. Informationen zu Rheuma dienen der Orientierung und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung durch ärztliches Personal. Anhaltende Gelenkschmerzen, Schwellungen, lange Morgensteifigkeit, wiederkehrende Schübe oder Beschwerden an Augen, Haut, Lunge, Herz oder Nieren gehören medizinisch abgeklärt.
Unsere Seiten dienen lediglich Ihrer Information und ersetzen nicht die Diagnose und Behandlung durch ärztliches Personal.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
Trotz sorgfältiger Recherche und der Verwendung verlässlicher Quellen können sich mitunter Fehler in unsere Texte schleichen. Helfen Sie uns, besser zu werden. Hinweise senden Sie an: redaktion@medikamente-per-klick.de.
veröffentlicht am: 12.10.2015
aktualisiert am: 10.06.2026
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