Morbus Bechterew

Entzündlich-rheumatische Erkrankung mit Rückenschmerzen

Häufige Rückenschmerzen sind ein Anzeichen von Morbus Bechterew. Die entzündlich-rheumatische Erkrankung beginnt schleichend – schmerzender Rücken, schmerzendes Gesäß, eine eingeschränkte Beweglichkeit des Lendenwirbelbereichs. Schließlich kann die bechterewsche Krankheit zu einer Versteifung der Wirbelsäule führen.

Rheumatische Erkrankung Morbus Bechterew

Synonyme: bechterewsche Krankheit | Spondylitis ankylosans

Morbus Bechterew,  auch bechterewsche Krankheit bzw. Spondylitis ankylosans genannt, ist eine chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung mit Schmerzen und Versteifung von Gelenken, insbesondere der Wirbelsäule. Neben den vorwiegend betroffenen Gelenken der Lenden- und Brustwirbelsäule sowie der Kreuz-Darmbeingelenke kommt es zudem zu Entzündungen folgender Bereiche:

  • Arm- und Beingelenke
  • Sehnen und Sehnenansätzen
  • Regenbogenhaut des Auges
  • Organe

Mit der Erkrankung gehen oftmals weitere Beschwerdebilder einher. So haben etwa 40 % der von Morbus-Bechterew-Betroffenen eine Arthritis in den Gelenken der Gliedmaßen. Außerdem kommt es bei etwa 20–30 % aller Menschen mit Spondylitis ankylosans zu einer Sehnenentzündung. Daneben stellen sich Herzrhythmusstörungen, Lungenfibrose oder eine Entzündung der Regenbogenhaut ein.

Symptome der bechterewschen Krankheit

Rückenschmerzen im unteren Bereich
Der Rückenschmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule setzt meist schon vor dem 45. Lebensjahr ein.

Zu Beginn von Morbus Bechterew sind die Symptome eher diffus. Hauptsymptom ist der Rückenschmerz.

Rückenschmerzen als Symptom bei Morbus Bechterew

Der entzündliche Rückenschmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule ist das Hauptsymptom von Morbus Bechterew. Der länger als 3 Monate anhaltende Rückenschmerz setzt vor dem 45. Lebensjahr ein. Es beginnt langsam, erreicht am Morgen den höchsten Grad des Schmerzes sowie der Steifigkeit und bessert sich bei Bewegung. Die Rückenschmerzen sitzen zu Beginn eines Morbus Bechterew fast immer tief und äußern sich als Kreuzschmerzen, da die bechterewsche Krankheit in der Regel mit einer Entzündung der Iliosakralgelenke, die das Kreuzbein mit dem Becken verbinden, beginnt. Später treten die Anzeichen ferner an der restlichen Wirbelsäule auf, die anfängt sich zu versteifen.

Wenn sich die bechterewsche Krankheit nur auf die Wirbelsäule beschränkt, können zum einen in Schüben auftretende Entzündungsschmerzen im Vordergrund stehen oder zum anderen die fortschreitende Versteifung der Wirbelsäulengelenke augenfällig sein. Dabei ist eine vollständig versteifte Wirbelsäule (Bambusstabwirbelsäule) nicht oft der Fall. Dehnt sich Morbus Bechterew allerdings auch auf andere Organe aus, kommen weitere Symptome hinzu.

Arthritis als Symptom bei Morbus Bechterew

Knieschmerzen: Arthritis oder Arthrose
Eine Arthrose oder Arthritis im Knie kann sich durch Morgensteifigkeit äußern.

Knie, Hüften und Schultern schmerzen und sind entzündet. Gerade die Hüften können durch die Entzündung schon in jungen Jahren stark angegriffen sein.

Entzündung der Sehnen als Symptom bei Morbus Bechterew

Bei einem großen Anteil der Personen, die an Morbus Bechterew leiden, sind die Sehnen, das Sehnengleitgewebe sowie die Schleimbeutel entzündet und schmerzen. Gerade die Achillesferse reagiert sehr häufig mit Schmerzen auf Druck. Oft kann man in diesen Fällen auch die Entwicklung eines Fersensporns beobachten.

Entzündung der Regenbogenhaut als Symptom bei Morbus Bechterew

Wenn sich die vordere Augenkammer und die Regenbogenhaut des Auges immer wiederkehrend entzündet, spricht man von einer Iridozyklitis.  Auf etwa 30–50 Prozent der von der bechterewschen Krankheit Betroffenen trifft dies zu.  Die typischen Symptome sind gerötete Augen, Schmerzen und Lichtempfindlichkeit. Zudem kann durch eine Verklebung die Sehkraft eingeschränkt werden.

Herzrhythmusstörungen als Symptom bei Morbus Bechterew

Mitunter treten bei Morbus Bechterew auch Herzrhythmusstörungen, vor allem der Vorhöfe, mit anfallartigem Herzrasen sowie Störungen der Reizleitung auf. In eher seltenen Fällen entzündet sich die Hauptschlagader, was zu Klappenfehlern der Aortenklappe führt.

Lungenfibrose als Symptom bei Morbus Bechterew

Nur sehr selten tritt bei der Spondylitis ankylosans  eine milde Lungenfibrose, insbesondere in den Lungenoberfeldern, auf.

Durchfall als Symptom bei Morbus Bechterew

Durchfälle sind mögliche Anzeichen einer milden Dickdarmbeteiligung.

Morbus Bechterew

Ursachen von Morbus Bechterew

Salmonellen können die Bechterewsche Krankheit auslösern.

Ursächlich für Morbus Bechterew ist eine krankhafte Immunreaktion des Organismus, aus der sich eine chronische Entzündung, hauptsächlich der Wirbelsäule, entwickelt. Grund hierfür ist bei etwa 95 % der Menschen mit der bechterewschen Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit ein bestimmtes Erbmerkmal namens HLA-B27. Dieses gehört zu einer Gruppe von Molekülen, die tragend bei der Infektionsabwehr und der Unterscheidung des Immunsystems zwischen fremden und körpereigenen Zellen sind. Das HLA-B27-Molekül hat eine dreidimensionale Form, in der es diverse Bakterien, vor allem die Erreger von Durchfall und Harnröhrenentzündungen wie beispielsweise Salmonellen oder Chlamydien einschließt. Damit werden die Erreger für gewisse Abwehrzellen des Immunsystems, den T-Lymphozyten, erkennbar. Den T-Lymphozyten gelingt es bei Morbus-Bechterew-Betroffenen nicht, die eingeschlossenen Bakterien wirksam zu beseitigen, sodass eine chronische Entzündung entsteht.

Hinzu kommt ein Wechselspiel mit Umwelteinflüssen. Bei Tierversuchen fand man heraus, dass Morbus Bechterew in einer nahezu keimfreien Umgebung nicht ausbricht. Demzufolge kann das Erbmerkmal HLA-B27 dazu führen, dass sich das Abwehrsystem mit den normalen Keimen der Darmflora auf eine Weise auseinandersetzt, die eine chronische Entzündung auslöst.

Behandlung von Morbus Bechterew

Bei der bechterewschen Krankheit zielt die Therapie in erster Linie darauf ab, Schmerzen zu bekämpfen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten. Hierzu stehen verschiedene Mittel zur Verfügung.

Krankengymnastik als Therapiemaßnahme bei Borbus Bechterew

Körperliche Aktivität
Gymnastische Übungen halten den Körper fit und beweglich.

Mit einer regelmäßigen Krankengymnastik ist eine sehr gute Basis gelegt, um die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu gewährleisten. Mitunter erfolgt eine stationäre Behandlung in Rheumakliniken.

Medikamentöse Behandlung von Morbus Bechterew

Der an Spondylitis-ankylosans-Leidende wird mit nicht-steriodalen Antirheumatika, sogenannten NSAR, wie Diclofenac oder Indometacin behandelt. Auch die Gabe von Kortisonpräparaten und Glukokortikoide wie Prednison sind gängige Therapie.

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Basismedikamente, die den Verlauf der Spondylitis ankylosans beeinflussen wie Sulfasalazin oder Methotrexat komplettieren die Behandlung. Sie sind auf Rezept erhältlich.

Bei einer sehr aktiven Form von Morbus Bechterew hilft eine medikamentöse Behandlung mit Präparaten, die den entzündungsfördernden Botenstoff  TNF-alpha (Tumor-Nekrose-Faktor alpha) hemmen. Diese neue Gruppe biologischer Hemmstoffe kann das Voranschreiten der bechterewschen Krankheit stark verzögern.

Operationen

Eine Operation ist eher selten Bestandteil einer Behandlung von Morbus Bechterew. Wenn allerdings ein Hüftgelenk von Spondylitis ankylosans betroffen ist, benötigt der Morbus-Bechterew-Patient möglicherweise als Gelenksersatz ein künstliches Hüftgelenk.

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Stand vom: 25.08.2020

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen.

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