Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis): Berufskrankheit “Maushand” und Co.

Foto einer Frau am Laptop

Häufig entstehen Entzündungen im Bereich der Sehnenscheiden als Folge von Handgriffen, die man bei der täglichen Arbeit im Berufsleben ausführt. Besonders betroffen sind davon Personen, die am PC arbeiten. Zu ihnen zählen Schreibkräfte oder Personen, die programmieren, am PC gestalten oder lernen. Aber auch in Berufen, bei denen Handarbeit gefragt ist, finden sich Betroffene: in der Floristik, Bäckerei oder Küche, im Friseursalon, Massagestudio oder Musikbusiness.

Das Verwaltungsgericht Göttingen erkannte 2006 die Sehnenscheidenentzündung als Berufskrankheit an.

Was ist eine Sehnenscheide?

Sehnen sind Teile der Muskeln. Sie bestehen aus Bindegewebe und verbinden Muskel und Knochen. Die stärkste Sehne im menschlichen Körper ist die Achillessehne, die sich an der Ferse befindet.

Zum Schutz sind einige dieser Sehnenstränge von einer doppelwandigen Hülle umgeben – der sogenannten Sehnenscheide. Gefüllt ist diese Schutzschicht mit Synovia. Dieser Stoff, der unter anderem aus Hyaluronsäure, Fetttröpfchen und Wasser besteht, wird umgangssprachlich auch als „Gelenkschmiere“ bezeichnet. Sehnenscheiden schützen die Sehne vor zu viel Reibung. Bei Überbeanspruchung kommt es jedoch zu einer schmerzhaften Entzündung dieses Körperteils.

Was ist eine Sehnenscheidenentzündung?

Monotone Bewegungen im Beruf, Fehlhaltungen und Überanstrengung beim Sport können zu einer Entzündung der Sehnenscheiden führen. Oft sind Handgelenk beziehungsweise die Hand sowie der Unterarm betroffen. Aber auch am Fuß kann eine solche Entzündung entstehen.

Besondere Formen der Sehnenscheidenentzündung:

  • Schnellender Finger: Der Schnappfinger (Tendovaginitis stenosans) lässt sich nur schwer strecken und schnalzt plötzlich nach vorn.
  • Tendovaginitis stenosans de Quervain: Fällt hingegen das Strecken und Spreizen des Daumens schwer und machen sich Beschwerden im Handgelenk bemerkbar, liegt eine Sehnenscheidenentzündung der an der Streckung und Abspreizung beteiligten Sehnen des Handgelenkes mit Zug am Daumen vor.
  • Karpaltunnelsyndrom: Wenn es vom Daumen bis zum Mittelfinger schmerzt und kribbelt, liegt eine Enge im Handgelenk vor.

Wie entsteht eine Sehnenscheidenentzündung?

Die häufigsten Ursachen für eine Sehnenscheidenentzündung sind Fehlhaltungen, die über einen längeren Zeitraum erfolgen sowie gleichförmige, monotone Bewegungen. Dies können einfache Dinge sein wie das stetige Klicken des Maus-Buttons. Durch die ständige Wiederholung eines Bewegungsvorgangs reibt die Sehne stark am Knochen entlang. Die Sehnenscheide, welche diese Reibung verhindern oder abmildern soll, wird dadurch so stark beansprucht, dass kleine Verletzungen in den Scheidenwänden entstehen und sich entzünden können.

Folgende Faktoren begünstigen die Entstehung einer Sehnenscheidenentzündung:

  • Starke Belastungen des Gelenkes beziehungsweise der Sehne: Musiker, die ohne Pause die Griffwechsel bei Geige, Gitarre und anderen Instrumenten üben, können eine Entzündung der Sehnenscheide in der Hand riskieren. Oft betrifft dies die Sehnen, die Handgelenk und Unterarm verbinden. Auch Sportler, die gleichförmige Bewegungen mit hohem Kraftaufwand ausführen, gehören zur Risikogruppe für Tendovaginitis.
  • Monotone Bewegungen über einen längeren Zeitraum hinweg: Manche PC-User, die jeden Tag 8 Stunden lang tippen oder die Computermaus bedienen, belasten die Sehnen, die Handgelenk und Arm verbinden.
  • Dauerhafte Fehlhaltungen am Arbeitsplatz: Wenn die Tischplatte des Arbeitsplatzes oder der Drehstuhl zu hoch oder zu niedrig ausgerichtet ist, kann dies schnell zu Fehlhaltungen führen. Auch eine ungünstige Position der Computertastatur und der Maus kann diese Entwicklung verursachen. So gewöhnt sich mancher Büroarbeiter an, die Handgelenke leicht nach oben zu beugen, weil die Tastatur zu hoch ist. Auf die Dauer kann diese Haltung die Sehnen belasten, sodass sich die Scheidenwände entzünden.
Infografik zu Sehnenscheidenentzündung

Infektion durch Bakterien

Deutlich seltener entzünden sich die Sehnenscheiden aufgrund von Bakterien oder bestehenden Erkrankungen der Gelenke. Eine Infektion durch Bakterien kann durch eine Stichverletzung auftreten. Mögliche Auslöser sind Chlamydien, Gonokokken und Mykoplasmen.

Symptome: Welche Beschwerden treten bei einer Sehnenscheidenentzündung auf?

Die Sehnenscheidenentzündung entwickelt sich allmählich. Ein typisches Anzeichen ist ein drückender oder stechender Schmerz, der entlang der Sehne auftritt, wenn das Gelenk beziehungsweise die Sehne bewegt wird. Oft wird dies von charakteristischen Entzündungssymptomen wie Schwellung, Rötung und Erwärmung der betroffenen Sehnenscheide begleitet. Schließlich kann das Gelenk auch dann schmerzen, wenn es in Ruhe ist und nicht belastet wird.

Bei Betroffenen, die bei der Bewegung ein deutliches Reiben oder Knirschen im Gelenk spüren, sprechen Fachleute von einer Sonderform dieser Entzündung namens Tendovaginitis crepitans.

Die Sehnenscheidenentzündung tritt auch in chronischer Form auf. Diese macht sich durch knotenartige Verdickungen bemerkbar.

Welche Mittel helfen bei einer Sehnenscheidenentzündung?

Foto mit einer Handbandage
Bandagen helfen.
Bild: e-sunnychicka-Getty Images (Canva)

Die Entzündung der Sehnenscheide lässt sich mit einer konservativen Therapie gut heilen. Eine Operation ist in der Regel nicht nötig. Wichtig ist es, dem verletzten Gelenk Ruhe zu gönnen und es nicht zu belasten. Eine Handgelenkbandage empfiehlt sich bei einer Verletzung der Sehnen am Handgelenk. Sie stützt und gibt dem Gelenk Stabilität.

Kühlende Kompressen lindern den Entzündungsschmerz und sorgen dafür, dass Schwellungen zurückgehen. Auch entzündungshemmende Salben unterstützen die Heilung der Erkrankung.

Unsere Produkttipps bei Sehnenscheidenentzündung:  Bort Stabilo Handgelenkbandage | Diclo-ratiopharm® Schmerzgel

Sind stattdessen Bakterien die Ursache für die Sehnenscheidenentzündung, dann wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gegebenenfalls ein Antibiotikum verschreiben.

Nur in schweren Fällen der Tendovaginitis bringt eine herkömmliche Behandlung möglicherweise nicht den gewünschten Erfolg.

Dann ist eine Operation nötig, um die Sehnenscheide zu entlasten.

Wie beuge ich eine Sehnenscheidenentzündung vor?

  • Wenn sie im Beruf mit den Händen über längere Zeit monotone Bewegungen ausführen, dann halten Sie kurz inne. Machen Sie zwischendurch eine Pause. Schütteln Sie die Hände aus und dehnen Sie die Handgelenke etwas.
  • Sorgen Sie bei gleichbleibenden Bewegungen zwischendurch für Abwechslung und ändern Sie auch einmal Ihre Position.
  • Mithilfe von speziellen Polstern entlasten Sie Ihre Handgelenke beim Schreiben auf der Tastatur. Denn Sehnenscheidenentzündungen entstehen oftmals durch Fehlhaltungen.
  • Die Tastatur sollte möglichst flach auf dem Tisch liegen, damit Sie Ihre Hände nicht zu stark anwinkeln müssen.
  • Wenn Sie Sport treiben oder ein Musikinstrument erlernen, steigern Sie Ihr Pensum allmählich. Ambitionierte Freizeitsporttreibende neigen oft dazu, sich zu überanstrengen. Eine zu schnelle Trainingssteigerung überanstrengt die Gelenke.
  • Vermeiden Sie ungewohnte Belastungen wie das Tragen schwerer Gegenstände. Bitten Sie um Hilfe. Zu zweit verteilt sich die Last besser.
  • Sorgen Sie für eine bessere Beweglichkeit mit sanftem Bewegungstraining: Yoga, Pilates, Tai-Chi oder Qigong sind dazu gut geeignet.

Bitte sprechen Sie mit ärztlichem Personal über geeignete Therapiemöglichkeiten. Unsere Seiten dienen lediglich Ihrer Information und ersetzen nicht die Behandlung durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Trotz sorgfältiger Recherche und der Verwendung verlässlicher Quellen können sich mitunter Fehler in unsere Texte schleichen. Helfen Sie uns, besser zu werden. Hinweise senden Sie an: redaktion@medikamente-per-klick.de.

Stand vom: 02.02.2024

Coverbild: pixabay

Visits: 96782