Johanniskraut

Bei depressiver Verstimmung und Hauterkrankungen

Seit mehr als 2000 Jahren ist das Johanniskraut (Hypericum perforatum) als Heilpflanze bekannt. Bis auf die Wurzel werden dabei alle Pflanzenteile genutzt. Zerreibt man die Knospen, färben sich die Finger rot. Man sagt, dass sei das Blut des heiligen Johannes. Da die Pflanze um den Johannestag blüht, wird die im Volksmund auch als Herrgottsblut bekannte Pflanze Johanniskraut genannt.

Steckbrief

Botanischer NameHypericum perforatum
PflanzenfamilieHartheugewächse (Hypericaceae)
Synonyme
Blutkraut, Durchlöchertes Johanniskraut, Echtes Johanniskraut, Echt-Johanniskraut, Frauenkraut, Gartheil, Gewöhnliches Johanniskraut, Hartenaue, Hartheu, Herrgottsblut,  Tüpfel-Johanniskraut, Tüpfel-Hartheu, Jageteufel, Jesuswundenkraut, Johannisblut,  Konradskraut,  Mannskraft, Teufelsflucht, Wundkraut
Wirkung abschwellend, antibakteriell, beruhigend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend, schleimlösend, schmerzstillend
Verwendung als HeilpflanzeAppetitlosigkeit, Bronchitis, Halsentzündung, Fieber, Magen-Darm-Probleme, Hämorrhoiden, Rheuma, Gicht, Frauenleiden, Blasenentzündung, Angst, Depressionen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen,
Schmerzen im Bewegungsapparat,
Krampfadern, Verletzungen der Haut
Verwendung in der KosmetikHautpflegemittel für trockene und empfindliche Haut

Johanniskraut – Pflanze mit Heilwirkung

Johanniskrautblüten
Johanniskraut bildet viele Blüten aus.

Das Johanniskraut ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Sie hat eine spindelförmige Wurzel, die bis zu einem halben Meter in die Tiefe gehen kann. Aus der stark verzweigten Wurzelkriechsprosse ragt ein bis zu einem Meter groß werdender Stängel. Dieser ist zweikantig und innen mit Mark aufgefüllt. Im oberen Bereich ist er buschig verzweigt. Die eiförmigen Laubblätter sind gegenständig angeordnet. Während auf der Blattspreite Öldrüsen sitzen, ist der Blattrand mit schwarzen Drüsen punktiert.

Knospen des Johanniskrauts
Die rötlichen Knospen des Johanniskrauts.

Das Johanniskraut bildet einen trugdoldigen Blütenstand mit vielen Blüten aus. Die 5 grünen Kelchblätter sind etwa 5 Millimeter lang, lanzettförmig und grannenartig zugespitzt. Die 5 goldgelben Kronblätter werden bis zu 12 Millimeter lang. In ihrer Form und Anordnung sehen sie wie ein Windrad aus. Der schwarz punktierte Blütenrand ist auf einer Seite gezähnt. Die bis zu 100 Staubblätter umgeben den Fruchtknoten in 3 Büscheln.

Die Frucht ist bis zu 10 Millimeter lang. Die geriefte dreifächrige Spaltkapsel enthält etwa einen Millimeter längliche und leicht gebogene Samen.

Schon gewusst?

Zur Gattung der Johanniskräuter gehören etwa 490 Arten. Medizinisch wird jedoch vorwiegend das Echte Johanniskraut genutzt. 2015 wurde es zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.

Inhaltsstoffe von Johanniskraut

Johanniskraut
An den Blättern der Pflanze fallen helle Punktierungen auf. Dort sammelt sich das ätherische Öl.

Johanniskraut besteht aus einer Vielzahl an Stoffen. Medizinisch interessant sind folgende Bestandteile:

  • ätherische Öle
  • Flavonoide, insbesondere Biapigenin, Quercetin und Rutosid
  • Gerbstoffe, insbesondere Catechin
  • Phloroglucine, insbesondere Hyperforin
  • Naphthodiantrone, insbesondere Hyperizin und Pseudohyperizin

Verwendung von Johanniskraut

Unterleibsschmerzen
Johanniskraut ist allgemein als stimmungsaufhellendes Mittel bekannt. Doch die Arzneipflanze ist auch gut bei Blasenentzündung.

Bereits in der Antike nutze man die Pflanze als Heilkraut und im Mittelalter war Johanniskraut Paracelsus als Mittel gegen Verstimmung bekannt. Die traditionellen Anwendungsgebiete gehen aber weit darüber hinaus. Johanniskraut wurde auch bei Verdauungsproblemen, Blasenentzündung, Rheuma, Menstruationsbeschwerden, Zyklusunregelmässigkeiten, Kopfschmerzen, Migräne, Ischias, Epilepsie, Hautproblemen und Wunden eingesetzt. Heute nutzt man Johanniskraut vor allem bei leichten bis mittelstarken Depressionen und als Anwendung auf die Haut.

Pflanzliches Antidepressiva mit Johanniskraut

Frau mit Kopfschmerzen
Kraftlos, abgespannt und ohne Energie. Johanniskraut kann bei Verstimmungen und leichter Depression hilfreich sein. Bildquelle: © Tatyana Gladskih – Fotolia.com

Die Wirkung als pflanzliches Antidepressiva ist schulmedizinisch größtenteils bestätig. Man nimmt an, dass für die antidepressive Wirkung des Johanniskrautes ein Zusammenspiel aus mehreren Inhaltsstoffen verantwortlich ist. In erster Linie zeigt der sekundäre Pflanzenstoff Hyperforin eine positive Wirkung bei Unruhe und leichter bis mittelstarker Depression.

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Der Wirkstoff hemmt unter anderem die Wiederaufnahme von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Auch die im Johanniskraut enthaltenen Wirkstoffe Hyperzin und Pseudohyperzin haben eine antidepressive Wirkung. Ebenso sollen sich die Flavonoide  günstig auf den Serotoninspiegel auswirken.

Wundmittel mit Johanniskraut und Pfelgemittel für die Haut

Hautschäden durch UV-Strahlung
Sonnenbrand kann mit Johanniskrautöl eingerieben werden.

Der photosensibilisierende Effekt von Hyperizin und Pseudohyperizin wird zur äußerlichen Anwendung bei Hauterkrankungen genutzt. Zu diesem Zweck wird Johanniskraut zu Pflanzenöl weiterverarbeitet. Das Johanniskrautöl ist auch als Rotöl bekannt. Es ist Bestandteil in vielen Hautpflegeölen, Cremes und Salben.

Den ätherischen Ölen wird nachgesagt, dass sie bei Verletzungen äußerlich angewendet kühlend und schmerzlindernd wirken.

So kann eine Wundsalbe mit Johanniskraut oder Johanniskrautöl angewendet werden bei:

Diese traditionellen Einsatzgebiete beruhen auf Erfahrungswerten. Während die Wirksamkeit von Johanniskraut bei leichten Verstimmungen als bewiesen gilt, steckt die Forschung bzgl. der Wirksamkeit bei Hautproblemen noch in den Kinderschuhen. Eine aktuelle Studie zeigt allerdings, dass Dermatika mit Johanniskrautextrakt sowohl Hautfeuchtigkeit als auch Oberflächenstruktur von trockener, empfindlicher oder atopischer Haut verbessern.1 Eine andere Studie zeigt, dass die Behandlung mit Johanniskrautcreme Hautläsionen verbessert.2 Schließlich kommen Forscher auch zu dem Schluss, dass Mittel mit Johanniskraut nicht nur leicht entzündungshemmend, sondern auch antibakteriell wirken. Hierfür sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Gerbstoffe, Flavonoide sowie Hyperforin verantwortlich.3, 4

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Mittel bei Magen-Darm-Problemen mit Johanniskraut

Flavonoide hemmen die Entwicklung von Entzündungen im Magen-Darm-Bereich. Gerbstoffe, wie Catechin, wirken ebenfalls positiv auf den Magen-Darm-Trakt ein und unterstützen die Heilung der Darmschleimhaut.

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Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Johanniskraut

Arzt
Besprechen Sie eine Anwendung mit Johanniskraut mit Ihrem Arzt.

Das pflanzliche Arzneimittel ist in der Regel gut verträglich. Selten können sich Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit oder allergische Reaktion einstellen. Da Johanniskraut eine erhöhte Empfindlichkeit gegen Sonnenstrahlung erzeugt, sollten hellhäutige Personen Sonne oder Solarien meiden.

Allerdings kann Johanniskraut die Wirksamkeit von anderen Arzneimitteln verstärken, schwächen oder verkürzen. Daher sollten Sie sich genau über Wechselwirkungen in der Packungsbeilage des jeweiligen Präparates informieren und eine Zufuhr mit Ihrem Arzt besprechen.


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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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Stand vom: 01.10.2020

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen.

Studienliteratur

1 Schempp, C. M., et al., Behandlung der subakuten atopischen Dermatitis mit Johanniskraut-Creme. Hautarzt 54 (2003) 248-253.

2 European Task force on Atopic Dermatitis, Severity Scoring of Atopic Dermatitis: The SCORAD Index. Consensus Report of the European Task force on Atopic Dermatitis. Dermatology 186 (1993) 23-31.

3 Gurevich, A. l., et al., Hyperforin, an antibiotic from Hypericum perforatum. L. Antibiotiki 16 (1971) 510-513.

4 Schempp, C. M., et al., Johanniskraut (Hypericum perforatum L.) – eine Pflanze mit Relevanz für die Dermatologie. Hautarzt 53 (2002) 316-32.