Krampfadern

Besenreiser, Venenleiden und Co.

Varizen der kleinsten Venen in der Haut sind jedem als Besenreiser bekannt. Sind die oberflächigen Stammvenen betroffen, äußert sich dies durch verdickte, knotige und geschlängelte Adern. Den Anblick empfinden wir in beiden Fällen als unschön. Doch Krampfadern sind mehr als nur ein Schönheitsfehler. Sie sind eine ernsthafte Gefahr.

Wenn Venen sich knotig erweitern

Krampfadern zeigen ein eindeutiges und unverkennbares Erscheinungsbild: Knotig-verdickt schlängeln die Venen entlang des Beines.

Krampfadern bzw. Varizen sind dauerhaft knotig-erweiterte, unregelmäßig geschlängelte oberflächige Venen. Liegen Krampfadern vor, sprechen Ärzte von einer Varikose oder von einer Varikosis.

Synonyme: Varizen | Krampfaderleiden | Venenleiden | Varikose | Varikosis

Krampfadern

Je nach Ursache unterscheiden Mediziner in primäre idiopathische Varikosis und in sekundäre Varikosis.

Primäre idiopathische Varikosis

Krampfadern in der Schwangerschaft
Krampfadern in der Schwangerschaft: Schwangere neigen zur Bildung von Krampfadern, da sich in dieser Zeit das Muskel- und Bindegewebe lockert.

Eine primäre idiopathische Varikosis liegt bei einer angeborenen Schwäche der Venenwände vor. Das Pumpen der Muskeln transportiert das Blut im Normalfall gegen die Erdanziehungskraft zum Herzen. Venenklappen verhindern einen Rückfluss. Wenn das umliegende Gewebe wenig Druck aufbaut, kommt es bei Personen mit schwachen Venenwänden, die viel stehen oder sitzen, zum Ausdehnen der Venen. Das Blut verbleibt in den Beinen, statt zurück zum Herzen gepumpt zu werden.

Bewegungsmangel, Übergewicht und Schwangerschaft begünstigen das Entstehen von Krampfadern. Unter dem hormonellen Einfluss in der Schwangerschaft lockert sich das Muskel- und Bindegewebe. Je mehr Schwangerschaften, umso bezeichnender ist die Tendenz, dass die Venenwandstärke nachlässt. Außerdem erschwert in der Schwangerschaft die sich vergrößernde Gebärmutter den Blutabfluss aus den Beinen.

Sekundäre Varikosis

Bei einer sekundären Varikosis entstehen Krampfadern auf der Basis anderer Venenerkrankungen, etwa einer tiefen Thrombose der Beinvenen. Diese Form der Varikose tritt allerdings bedeutend weniger auf.

Schon gewusst?

Viele glauben, dass das Übereinanderschlagen der Beine zu Krampfadern führe. Es spielt jedoch bei der Erzeugung einer Varikose keine Rolle.

Verschiedene Venenleiden vorgestellt

Veränderungen der kleinsten Venen sind unter dem Namen “Besenreiser” bekannt.

Je nachdem, welche Venen in den Beinen betroffen sind, unterscheiden Ärzte unterschiedliche Formen:

Besenreiser-Varikose

betrifft kleinste Venen in der Haut

Perforansvarikose

betrifft Verbindungsvenen zwischen dem oberflächlichen und tiefen Venensystem

Stammvarikose

betrifft die großen und die kleinen oberflächlichen Stammvenen

Seitenastvarikose

betrifft Seitenäste der großen Stammvenen

retikuläre Varikose

betrifft kleine Venen unmittelbar unter der Haut mit einem Durchmesser von ein bis drei Millimetern

Symptome: Krampfadern erkennen

Krampfadern deuten sich anfangs häufig nur mit einem Spannungs- oder Schweregefühl in den Beinen an. Indem Sie die Beine flach lagern, schaffen Sie gleich Abhilfe. Des Weiteren machen sich Krampfadern durch Juckreiz der Haut und nächtliche Wadenkrämpfe bemerkbar.

In fortgeschrittenem Stadium zeichnen sich die verdickten Venen in ihrer typischen geschlängelten und verästelten Form durch die Haut hindurch ab.

  • Wasser wird im Gewebe eingelagert, sodass es anschwillt: Ödeme entstehen
  • Haut verfärbt sich bräunlich und verhärtet pergamentartig
  • gelegentlich kommt es zu Fußpilz

Frauen sind 3-mal häufiger betroffen als Männer. Die ersten Schäden können sich mit 30 Jahren einstellen.

Krampfadern – mehr als ein „Schönheitsfehler“: Folgen und Komplikationen

Blutfluss bei einer gesunden Vene und einer Krampfader im Vergleich.

Mit fortschreitender Erkrankung kommt es durch die Abflussstörung des Blutes und dem somit erhöhten peripher-venösen Druck zu schweren Schäden im Bein, speziell im Bereich des distalen Unterschenkels. Zudem ist eine vermehrte Ablagerung von Hämosiderin, einem wasserunlöslichen Komplex aus Eisen und verschiedenen Eiweißen, möglich. Hämosiderin ist eine Substanz, die vor allem in Gebieten großer Blutungen entsteht. In diesem Fall wird Hämosiderin im Rahmen eines Stauungsekzems (Stauungsdermatitis) produziert.

Die erweiterte Hautvene entzündet sich gegebenenfalls und die Entstehung von Blutgerinnseln, die die Gefäße verschließen (Varikophlebitis), ist möglich. Das ist mit starken Schmerzen verbunden. Der betroffene Bereich schwillt an und rötet sich. Zudem kann sich die Thrombose bis in die tiefe Venenstrombahn hinein fortsetzen. Dann ist das Risiko, an einer Lungenembolie zu erkranken, erhöht. Außerdem kann es neben der Entzündung der oberflächlichen Venen (Thrombophlebitis) bis hin zum „offenen Bein“ (Ulcus cruris varicosum) zu einer Vernarbung von Haut und Bindegewebe (Dermato-Lipo-Fascio-Sklerose) kommen.

Im vorangeschrittenen Alter führt die Schädigung der Haut nicht selten zur lebensbedrohlichen Varizenblutung nach Bagatellverletzung. Bei plötzlicher Atemnot und Brustschmerzen müssen Sie umgehend den Notarzt rufen.

Krampfadern behandeln

Ausdauersportler
Wer viele Kalorien zu sich nimmt, sollte sportlich aktiv sein.

Es gibt viele Methoden, ein Venenleiden zu behandeln. Gerade zu Beginn ist es möglich, zahlreiche Maßnahmen selbst zu ergreifen:

  • Mit körperlicher Bewegung und Sportarten wie Joggen, Radfahren und Schwimmen sagen Sie den Varizen den Kampf an. Durch die Bewegung regen Sie Ihre Wadenmuskulatur an. So pumpt Ihr Körper das Blut zum Herzen zurück.
  • Das regelmäßige Hochlagern der Füße entstaut die Venen und sorgt für einen guten Abfluss.
  • Kalte Knie- und Schenkelgüsse unter der Dusche regen die Durchblutung an.

Verabreichung von Venenmitteln: Hausmittel und pflanzliche Arzneimittel bei Krampfadern

Venenmittel fördern die Durchblutung, wirken abschwellend und lindern die Beschwerden. Ärzte setzen sie häufig unterstützend zu anderen Therapiemaßnahmen ein. Äußerliche Venenmittel gegen Krampfadern gibt es in Form von Sprays, Salben und Gels zum Auftragen auf die Haut. Sie enthalten Wirkstoffe wie Aescin, Heparin oder Tannin. In Kombinationspräparaten finden sich oft ätherische Öle aus Arnika, Latschenkiefer, Rosmarin und Salbei.

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Zu den Mitteln zur innerlichen Anwendung in Form von Kapseln sowie Tabletten gehören beispielsweise:

  • Rosskastanienextrakte, die den Bestandteil Aescin enthalten
  • Extrakte aus Heilpflanzen wie Rotes Weinlaub, die als wirksame Bestandteile Polyphenole enthalten
  • Arnika

Als altes Hausmittel bei Venenleiden ist der Buchweizen-Tee bekannt. Buchweizen fördert die Durchblutung.

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Krampfadern entfernen: Operative Verfahren

Der Arzt behandelt das Krampfaderleiden meist durch minimal-invasive operative Verfahren. Dabei wählt er zwischen Methoden der Unterbindung, der Entfernung und der Verklebung (Sklerosierung) von Venen.

Stripping – Verfahren zur Behandlung von Krampfadern

Kompressionsstrümpfe
Nach einer Operation sind Thrombosestrümpfe obligatorisch.

Beim Stripping führt der Arzt eine flexible Spezialsonde in die Krampfader ein. Er schiebt sie bis zu deren Ende vor und leitet sie von da wieder aus. Er trennt die krankhaft veränderte Vene oben und unten durch und befestigt sie auf der Sonde. Hernach zieht er die Sonde vorsichtig heraus und nimmt die Krampfader unter der Haut mit. Das Stripping ist in Vollnarkose, Teilnarkose oder in Lokalanästhesie sowie ambulant oder stationär je nach Schwere des Befundes und psychische Gemütslage des Patienten durchführbar.

Nach dem Eingriff trägt der Patient für 3 bis 6 Wochen eine Kompression mit elastischen Binden oder ein Kompressionsstrumpf. Zur Vermeidung von Thrombosen und Embolien erfolgt in der Regel eine mehrtägige Behandlung mit dem Gerinnungshemmer Heparin.

Teilstripping und Kryostripping zur Beseitigung von Krampfadern

Bei der stadiengerechten Operation nach Hach (Teilstripping) entfernen Ärzte nur die erkrankten Venenabschnitte. Die gesunden bleiben erhalten und stehen gegebenenfalls für eine spätere Umgehungsoperation (Bypass) an arteriellen Gefäßen, zum Beispiel den Herzkranzgefäßen, zur Verfügung.

Die Entfernung der Krampfader erfolgt beim Kryostripping mit Hilfe einer Kältesonde, an der die Krampfader anfriert und sich dann leicht entfernen lässt. Dieses Verfahren ist allerdings sehr wenig verbreitet.

Crossektomie und Miniphlebektomie als Therapiemethode bei Krampfadern

Die sogenannte Crosse, d. h. das Einmündungsstück der größten oberflächigen Vene des Beines wird bei der Crossektomie herausgeschnitten. Danach erfolgt die Unterbindung aller von diesem Teilstück abgehenden Venen. Oft schließt sich daran ein Stripping an, bei dem Ärzte die Vena saphena magna ausnahmslos und alle ihre Äste entfernen.

Bei der Miniphlebektomie handelt es sich um die Entfernung von erweiterten Seitenästen. Diese ziehen Ärzte über kleine Schnitte, wie mit einer Häkelnadel, heraus.

CHIVA-Methode zur Behandlung von Krampfadern

Mittels Ultraschall lokalisiert der Arzt die Krampfader ambulant und bindet sie anschließend ab. Nach einiger Zeit bilden die sich so behandelten Venen zurück und veröden. Diese den Blutfluss korrigierende Behandlung der Krampfadern nutzen Ärzte lediglich bei leicht veränderten Venen.

Externe Valvuloplastie (EVP) zur Therapie von Krampfadern

Unter örtlicher Betäubung näht der Mediziner eine kleine Manschette aus Polyester in der Leiste von außen ein und verengt dabei den Mündungsbereich der großen Rosenvene (Vena saphena magna). Der verkleinerte Venenumfang sorgt für eine neue Funktionstüchtigkeit der Venenklappen. Die gesamte Vene bleibt so erhalten. Sie kann für eine möglicherweise später nötige Operation am Herzen für einen Bypass verwendet werden. Das Verfahren eignet sich aber nur für sehr leichte Fälle einer Stammvarikose.

Endovenöse Verfahren zur Beseitigung von Krampfadern

Bei diesen Verfahren entfernen Ärzte die Venen nicht. Sie zerstören thermisch die Innenauskleidung der betroffenen Venen, das sogenannte Endothel. So ist der Blutstrom unterbunden.

Bei der endovenösen Lasertherapie erzeugt ein 2 bis 3 Millimeter starker Venenlaser, der über einen dünnen Venenkatheter eingeführt wird, die entsprechende Wärme, sodass die Vene verklebt. Bei der Radiofrequenzablation sind elektromagnetische Wellen für die Hitze verantwortlich.

Krampfadern – so geht es weiter

Die Risiken von Nachblutungen, das Entstehen von Blutgerinnseln und die Ansammlungen von Lymphflüssigkeit nach der operativen Entfernung von Krampfadern sind vorhanden. Sie lassen sich minimieren, indem der Patient die Beine bis zur gänzlichen Abheilung bandagiert oder Kompressionsstrümpfe trägt. Zudem können sich nach erfolgter Operation erneut Krampfadern bilden.

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Rückfälle entstehen häufig durch nicht vollständig entfernte Stammvenenreste. Vorbeugend ist daher:

  • der Einsatz von Kompressions- oder Stützstrümpfen
  • eine gesunde Lebensweise
  • Gewichtskontrolle
  • Ausdauersport
  • Venengymnastik
  • medikamentöse Behandlung

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Stand vom: 27.04.2021

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen.

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