Harnwegsinfektion

Foto einer jungen Frau, die sich den Unterleib vor Schmerzen hält


Es brennt beim Wasserlassen, wir fühlen uns schlapp. In schweren Fällen kommt Fieber hinzu. Fast jede Frau erkrankt im Laufe Ihres Lebens einmal daran, Männer sind seltener betroffen. Gerade in der kühlen Jahreszeit sind Harnwegsinfektionen häufig. Wenn Sie die Frühzeichen erkennen, können sie gut mit Hausmitteln behandeln, später ist meist ein Antibiotikum nötig. Unbehandelt sind teils lebensbedrohliche Komplikationen die Folge.

Entstehung von Harnwegsinfektionen

Der Begriff „Harnwegsinfektionen“ umfasst Entzündungen der Organe, die an der Urinproduktion und -ausscheidung beteiligt sind. Somit sind Infektionen der Niere, der Harnleiter, der Harnblase und der Harnröhre gemeint. Zumeist handelt es sich um eine Blasenentzündung (Zystitis). In diesem Fall sind die Harnröhre und die Harnblase betroffen.

Ursächlich für diese Erkrankungen ist oft ein Aufsteigen von Bakterien entlang der ableitenden Harnwege. Die Erreger sind v. a. Keime der natürlichen Darmflora wie Escherichia coli. Durch die anatomische Nähe des Darmausganges gelangen sie leicht in die Harnröhre (Urethra) und führen dort zu einer Entzündung der Schleimhaut. Von hieraus steigen die Bakterien auf und gelangen in die Blase, wo sie eine Zystitis verursachen.

Begrenzt sich die Entzündung auf Harnröhre und Blase, spricht man von einer „unteren Harnwegsinfektion“. Steigen sie weiter auf und erreichen über die Harnleiter die Nieren, können sie eine „obere Harnwegsinfektion“, eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) verursachen.  

 Einteilung der Harnwegsinfektionen:

Untere Harnwegsinfektion Obere Harnwegsinfektion
Betroffene BereicheHarnröhre und Blase Harnleiter und Niere

Risikofaktoren für Harnwegsinfektionen

Rückenschmerzen in der Schwangerschaft
Vorsicht bei Schwangerschaft: Das Risiko für eine Harnwegsinfektion ist erhöht.
Bild: Wavebreakmedia – Getty Images (Canva)

Im Allgemeinen erhöhen Umstände, die das Immunsystem schwächen, den Harnabfluss verringern und das Eindringen von Bakterien in die Harnröhre begünstigen die Wahrscheinlichkeit an einem Harnwegsinfekt zu erkranken.

So sind Frauen aufgrund des kürzeren Abstands zwischen Darmausgang und Harnröhreneingang und der kürzeren Harnröhre deutlich häufiger von einer Entzündung der Harnorgane betroffen, als Männer. Hierbei begünstigt eine ungünstige Hygiene nach dem Toilettengang und Geschlechtsverkehr die Infektionsentstehung. Bei letzterer Ursache wird auch von der „Honeymoon-Zystitis der Flitterwochen-Blasenentzündung gesprochen.

Auch windeltragende Kinder leiden vermehrt unter Harnwegsentzündungen, da sich die Bakterien im warmen und feuchten Milieu der Windel rasch vermehren. Ein weiterer Risikofaktor stellen medizinische und pflegerische Maßnahmen dar. Das Infektionsrisiko ist z. B. nach Blasenspiegelungen (Zystoskopien) und bei Trägern von Blasenkathetern erhöht.

Einige Vorerkrankungen erhöhen ebenfalls die Wahrscheinlichkeit der Krankheitsentstehung. So sind immungeschwächte Personen häufiger betroffen. Auch bei Personen mit Diabetes mellitus ist das Risiko erhöht. Hier bietet die erhöhte Zuckerkonzentration im Urin optimale Bedingungen zur Vermehrung der Bakterien, da Zucker als Nährstoff dient. Außerdem ist das Immunsystem der Betroffenen häufig geschwächt.

Eine vorangegangene Therapie mit Antibiotika begünstigt die Besiedlung des Harntraktes mit Krankheitserregern. Durch die Einnahme von antibiotischen Medikamenten wird die natürliche Bakterienflora gestört, sodass sich krankheitsverursachende Bakterien anschließend leichter vermehren und ausbreiten.

Harnwegsinfektionen betreffen auch gehäuft Schwangere. Das Schwangerschaftshormon Progesteron führt zu einer geringeren Eigenbeweglichkeit der Harnleiter, sodass der Abfluss des Urins in die Harnblase verlangsamt ist. Des Weiteren kann die wachsende Gebärmutter durch ein Abdrücken der Harnleiter ein zusätzliches Abflusshindernis darstellen.

Ein erschwerter Urinabfluss ist auch bei männlichen Betroffenen eine häufige Ursache. Hier kann v. a. eine vergrößerte Prostata (Prostatahyperplasie) die Ursache sein.

Symptome von Harnwegsinfektionen

Eine Entzündung der Harnorgane geht zumeist mit einigen charakteristischen Symptomen einher. Diese sind:

  • Brennen beim Wasserlassen
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • häufiger Harndrang
  • Schmerzen im Unterbauch
  • trüber Urin mit verändertem Geruch
  • Blut im Urin

Hierbei liegen meist nicht alle Symptome gleichzeitig vor. Bei 5 bis 10 % der Betroffenen läuft eine Harnwegsinfektion sogar gänzlich ohne Beschwerden ab. Sie verläuft also asymptomatisch und wird eher zufällig bei einer Urinuntersuchung festgestellt, wo Bakterien im Urin nachgewiesen werden. Diese Art der Harnwegsinfektion wird auch als asymptomatische Bakteriurie bezeichnet.

In 5 bis 10 % der Fälle haben Betroffene eine asymptomatische Bakteriurie. Hierbei handelt es sich um Harnwegsinfektionen ohne Beschwerden, welche oft zufällig diagnostiziert werden und nicht unbedingt einer Behandlung bedürfen.

Behandlung von Harnwegsinfektionen

Die Art der Behandlung von Harnwegsinfektionen ist abhängig von der Ursache und der Schwere der Entzündung.

Medizinische Fachkräfte teilen Entzündungen des Harntrakts anhand vorliegender begünstigender Faktoren in komplizierte und unkomplizierte Harnwegsinfektionen ein:

  • unkomplizierter Harnwegsinfekt: bakterielle Entzündung der Harnorgane ohne Risikofaktoren bei nichtschwangeren Frauen
  • komplizierter Harnwegsinfekt: Entzündung der Harnorgane bei Männern, Jungs, Schwangeren, bei Vorliegen von begünstigenden Grunderkrankungen und anatomischen Verhältnissen

Während bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt mit milden Beschwerden ein Behandlungsversuch mit Hausmitteln oft ausreichend ist, sollte bei komplizierten Harnwegsentzündungen und ausgeprägten Beschwerden eine Arztpraxis konsultiert und eine medizinische Therapie eingeleitet werden. Besteht eine asymptomatische Bakteriurie ohne Risikofaktoren, ist nach neuesten Erkenntnissen gänzlich von einer medikamentösen Therapie abzuraten.

Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfektionen

Tee
Bei Harnwegsinfektionen hilft es, viel Tee zu trinken.

In den meisten Fällen handelt es sich um einen unkomplizierten Harnwegsinfekt. Hierbei sind oftmals einfache Mittel schon ausreichend, die Erkrankung erfolgreich zu bekämpfen. Folgende Maßnahmen werden empfohlen:

  • Trinkmenge von ca. 3 Litern täglich, geeignet sind Wasser und Tees
  • unterstützende pflanzliche Mittel (z. B. Goldrutenkraut)
  • lokale Wärmezufuhr, etwa durch eine Wärmflasche auf dem Unterbauch
  • häufige und vollständige Entleerung der Blase
  • ggf. Schmerztherapie, z. B. mit Ibuprofen

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Bei länger anhaltenden unkomplizierten Harnwegsinfektionen oder ausgeprägten Beschwerden ist eine Kurzzeittherapie mit einem Antibiotikum nötig. Hierbei stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung, deren Einnahmehäufigkeit sich zwischen ein- und 2-mal täglich über 3 bis 5 Tage unterscheidet.

Nehmen Sie ein Antibiotikum immer genau nach der Empfehlung ein. Eine Einnahme über die komplette empfohlene Dauer ist besonders wichtig, sonst drohen rasch erneute Infektionen und eine Resistenzentwicklung gegen das Medikament.

Behandlung von komplizierten Harnwegsinfektionen

Bei komplizierten Harnwegsinfektionen ist immer eine medikamentöse Therapie mit einem Antibiotikum angebracht. Der Zeitraum der Einnahme ist hierbei mit 5 bis 7 Tagen etwas länger. Bei schweren Verläufen einer Pyelonephritis mit hohem Fieber, starken Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen ist unter Umständen eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig.

Leiden Sie an häufig wiederkehrenden Harnwegsinfektionen oder einer chronischen Erkrankung sollte eine Antibiotikatherapie erst nach Bestimmung des verursachenden Keims beginnen. Dies erfolgt mittels der Anlage einer Urinkultur, welche für Sie schmerzfrei ist.

Vorbeugung von Harnwegsinfektionen

Cranberry
Cranberrys sind nicht nur eine leckere Zutat im Obstsalat, sie helfen auch Infektionen an den Harnorganen zu verhindern.

Beachten Sie einfache Hinweise, können Sie das Auftreten einer Entzündung der Harnorgane erfolgreich vorbeugen. Hierzu zählen eine ausreichende Trinkmenge von 2 bis 3 Litern täglich und eine vollständige Blasenentleerung. Das Tragen von Baumwollunterwäsche und deren Wäsche bei 60° C wirkt sich ebenfalls positiv aus.

Frauen sollten auf die Verwendung spezieller Intimpflegeprodukte verzichten, da dies das natürliche Scheidenmilieu stört, welches vor Harnwegsinfektionen schützt. Nach dem Toilettengang sollte auf die Richtung bei der Reinigung geachtet werden. Führen Sie diese von vorn nach hinten durch, gelangen weniger Keime an den Harnröhreneingang.

Nach Behandlungen mit Antibiotika empfiehlt sich der Aufbau des natürlichen Bakteriums im Bereich der Scheide und des Darms. Hierzu stehen verschiedene Produkte mit natürlichen Bakterienstämmen zur Verfügung.

Pflanzlichen Präparaten, die beispielsweise Cranberry-Extrakt oder Goldrutenkraut enthalten, wird ebenfalls eine vorbeugende Wirkung nachgesagt.

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Achten Sie auf warme Füße und wechseln Sie nach einem Schwimmbadbesuch rasch die nasse Kleidung, um eine Auskühlung zu verhindern, die das Immunsystem schwächt und Infektionen begünstigt.


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Stand vom: 12.12.2023

Coverbild: Africa Images (Canva)

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