Alkoholsucht

Bei Alkoholkrankheit droht der soziale Abstieg

In vielen Ländern ist der Gebrauch von Alkohol kulturell verankert. Mit Sekt stoßen wir an, mit Wein genießen wir das Abendbrot und das Feierabendbier nach getaner Arbeit, ist nicht zu verachten. Der Genuss von Alkohol ist gesellschaftlich anerkannt. Doch die Grenzen zwischen gemäßigtem Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch sind fließend.

Vom Alkoholmissbrauch zur Alkoholabhängigkeit

Wer übermäßig viel Alkohol konsumiert, muss noch nicht süchtig sein. Der Übergang von schädlichem Gebrauch zur Sucht ist jedoch fließend.

Interessanterweise ist der Alkoholkonsum in Deutschland pro Person über die letzten Jahre gesunken. Auch die durch Alkohol verursachten Unfälle sind zurückgegangen. Das Einstiegsalter hat sich leicht nach oben verschoben. Das ist ein positiver Trend.

Infografik: Alkohol in Deutschland | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista.

Zunehmend gefährden sich dennoch immer mehr Jugendliche. „Komasaufen“ liegt im Trend. Rund 26.000 Kinder und Jugendliche wurden 2010 wegen Alkoholmissbrauch im Krankenhaus behandelt.

Die Folgeschäden des permanenten Alkoholmissbrauchs sind verheerend.  Zu der erhöhten Unfall- und Suizidgefahr stellt permanenter Alkoholkonsum einen Risikofaktor für teils lebensbedrohliche Erkrankungen wie Leberversagen, Herzinfarkt und Krebs dar.

Schon gewusst?

Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sterben 200 Menschen jeden Tag in Deutschland infolge übermäßigem Alkoholkonsums.

Alkoholmissbrauch hat vielerlei Gründe: Anerkennung durch angeblich Freunde, Erzeugen positiver Gefühle, Wegtrinken von Unsicherheit und Angst. Allerdings zeigen sich bei Alkoholmissbrauch schon erste Probleme, etwa in der Partnerschaft oder auf der Arbeitsstelle. Schließlich ist eine psychische Abhängigkeit gegeben: Sozialleben und Aufgaben werden vernachlässigt. Der Alkohol wird zum Lebensmittelpunkt.  Gewöhnt sich der Körper an den Alkohol, benötigt er größere Mengen. Hier beginnt die körperliche Abhängigkeit. Bei Verzicht reagiert der Körper mit Schwitzen, Zittern und Halluzinationen.

Volkskrankheit Alkoholismus

Anstoßen mit Bier
In Deutschland ist das Bier das beliebteste alkoholische Getränk.

Unter Alkoholsucht versteht man die krankhafte Abhängigkeit von Ethanol. Sie ist gekennzeichnet durch körperliche, psychische und soziale Symptome. Alkoholismus ist eine Krankheit, die in jeder Gesellschaftschicht, jedem Alter sowie bei Männern und Frauen auftreten kann. Rund 9,5 Millionen Menschen gefährden in Deutschland durch übermäßigen Alkoholkonsum ihre Gesundheit. 1,3 Millionen von ihnen sind alkoholabhängig.

Synonyme:

·         Alkoholabhängigkeit

·         Alkoholkrankheit

·         Alkoholismus

·         Trunksucht

·         Äthylismus

·         Potomanie

Alkoholabhängigkeit: Ursachen und Risikofaktoren

Mit Wein anstoßen
Alkohol gehört zu einem fröhlichen Treffen unter Freunden oft dazu. Die Stimmung ist ausgelassen, man hat Spaß. Doch wenn es darum geht, wer am meisten verträgt, hört der Spaß auf.

Rund 85 Prozent der Deutschen trinken Alkohol. Vorrangig wird in unseren Breiten Bier getrunken, weit abgeschlagen folgen Wein, Spirituosen und Sekt. Bei wenigen ist eine Alkoholkrankheit diagnostiziert. Hierzu haben meist mehrere Faktoren geführt:

  • traumatische Erlebnisse in der Kindheit wie Missbrauch oder früher Tod eines Elternteils, schlechte Familienverhältnisse und fehlende Bezugsperson
  • genetische Veranlagung und erlerntes Verhalten durch Alkoholismus in der Familie
  • ein durch einen trinkenden Freundeskreis erzeugter Gruppendruck durch die positive Bewertung von „Trinkfestigkeit“ als Stärke
  • der Einsatz von Alkohol als vermeintliche Lebenshilfe, da er Ängste und Hemmung kurzfristig abbaut
  • das Auslösen von Glücksgefühlen durch Alkoholkonsum

Alkoholkrankheit: Verschiedene Ausprägungen

Abhängig vom Trinkverhalten unterscheidet man zwischen verschiedenen Typen in:

  • Rauschtrinker sind Alkoholiker, die ihr Trinkverhalten nicht zügeln können. Sie trinken bis zu einem rauschhaften Zustand. Mit der Zeit benötigen sie dafür immer größere Mengen Alkohol. Diese Form der Alkoholabhängigkeit tritt am häufigsten auf.
  • Spiegeltrinker trinken über den Tag verteilt jeweils kleine Mengen Alkohol. So erhalten sie eine gewisse Konzentration an Alkohol im Blut aufrecht und vermeiden Entzugserscheinungen.
  • Konflikttrinker greifen zum Alkohol, wenn Probleme in ihrem Leben auftreten. Der Alkohol dient ihnen zur Bewältigung von Schwierigkeiten.
  • Der episodische Trinker konsumiert phasenweise exzessiv Alkohol und lebt dann wieder wochenweise abstinent. Dieses Trinkverhalten bezeichnet man auch als Dipsomanie.

Alkoholismus: Symptome erkennen

Depressiver Mann
Betroffene leiden häufig unter Depression.

Zentral ist ein starkes Verlangen nach Alkohol. Betroffene vernachlässigen zunehmend Aufgaben, Interessen, Familie und Freunde. Weitere Symptome sind:

  • Bei Alkoholikern entwickelt der Körper mit der Zeit eine Toleranz gegenüber der Droge Alkohol. Sie vertragen wesentlich mehr Ethanol als Personen mit einem normalen Trinkverhalten.
  • Wenn Alkoholiker keinen Alkohol zuführen, leiden sie unter Entzugserscheinungen, wie Schwitzen, Zittern, Schlafstörungen, Angst oder depressiver Verstimmung.
  • Personen, die unter einer Alkoholabhängigkeit leiden, verspüren aus einem körperlichen Bedürfnis heraus den Zwang, trinken zu müssen.
  • Betroffene leiden zudem häufig unter mangelnder Krankheitseinsicht. Sie leugnen, ein Alkoholproblem zu haben und trinken zunehmend heimlich.

Körperliche Symptome des Alkoholismus sind:

  • ein gerötetes und aufgedunsenes Gesicht mit Tränensäcken und einer belegten Zunge
  • übermäßiges Schwitzen und feuchte Hände
  • ein unsicherer Gang und Zittern, insbesondere der Hände (Tremor)
  • Übelkeit und Erbrechen sowie Gewichtsverlust
  • Krampfanfälle
Schlafstörungen
Auch das ist eine Folge von verstärktem Alkoholmißbrauch: Das Einschlafen fällt schwer und der Schlaf wird durch ständiges Aufwachen unterbrochen.

Personen mit einem erhöhten Alkoholkonsum zeigen häufig auch ein anderes Verhalten:

  • Gereiztheit
  • Aggressivität
  • Stimmungsschwankungen
  • Depression
  • Halluzinationen
  • Wahnvorstellungen
  • Angstzustände
  • Schlafstörungen
  • Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle

Folgen von dauerhaft erhöhten Alkoholkonsums

Zum einen schädigt Alkohol die Organe, zum anderen führt Alkohol zu psychosozialen Beschwerden.

Körperliche Folgen durch Alkoholmissbrauch

Folgen des erhöhten Alkoholkonsums
Auswirkungen von übermäßigem Alkoholkonsum

Alkoholsucht führt vor allem zu Organschäden. Da die Leber nur 15 Gramm Alkohol in einer Stunde abbauen kann, verbleibt der restliche Teil zunächst im Blut. Außerdem entstehen beim Abbau von Blut Giftstoffe. Leber, Gehirn, Magen-Darm-Trakt und Herz werden auf Dauer geschädigt. Zu den körperlichen Folgen zählen daher:

  • Leberschäden: Die Leber wird über die Maßen beansprucht. Sie lagert vermehrt Fett ein und vergrößert sich. Schließlich entsteht eine Fettleber. Da eine Fettleber jedoch keine Schmerzen bereitet, bleibt sie meist lange Zeit unbemerkt. Dann sterben Leberzellen ab und eine Leberzirrhose entsteht. Die Krankheit kann tödlich verlaufen.
  • Hirnschäden: Alkohol ist ein Nervengift. Es zerstört Gehirnzellen und führt zu einer eingeschränkten Gedächtnisfähigkeit. Bei schweren Alkoholkranken kann die Hirnschädigung ein Korskow-Syndrom verursachen. Die Betroffenen leiden an Orientierungslosigkeit und Gedächtnisverlust.
Thrombose: Schmeatische Darstellung
Alkohol schädigt die Gefäße, sodass sich Ablagerungen an den Innenwänden leichter bilden können. Wenn ein Blutgerinnsel an eine  solche Engstelle eines Gefäßes gerät, drohen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
  • Magen-Darm-Erkrankungen: Alkohol greift sowohl Magen als auch den Darm an. Appetitstörungen,  Erbrechen und Durchfälle können zu möglichen Beschwerden zählen. Häufig kommt es zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann.
  • Gefäßschäden und Herzerkrankungen: Alkohol schädigt die Gefäße und den Herzmuskel. Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen sowie Arteriosklerose können mögliche Folgen sein. Die typische Rotfärbung der Nasenhaut, die sogenannte Trinkernase, ist ein Anzeichen für Gefäßschäden.

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Psychosoziale Folgen von Alkoholsucht

Alkoholsucht
Alkoholsucht kommt in allen Gesellschaftsschichten vor. Halt die Sucht den Betroffenen fest im Griff, drohen Schulden und schließlich Obdachlosigkeit.

Alkoholiker vernachlässigen mit der Zeit Aufgaben, aber auch Familie, Freunde und ihre Hobbys. Bei Fortschreiten der Alkoholsucht sind sie nicht mehr in der Lage, ihre alltäglichen Aufgaben zu erfüllen. Es folgen häufig:

  • der Verlust der Arbeitsstelle
  • die Trennung vom Partner
  • Vereinsamung
  • Schulden

Der Alkohol verändert die Persönlichkeit und das Verhalten von Alkoholsüchtigen.  Manche Alkoholiker stumpfen ab, andere werden weinerlich. Auch aggressives und gewalttätiges Verhalten kann sich entwickeln. Mitunter werden unter Alkoholeinfluss Straftaten verübt.

Alkoholabhängigkeit feststellen

Wenn Sie mindestens 3 der folgenden Fragen bejahen können, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dieser wird eine genaue Diagnose stellen und einen individuellen Behandlungsplan erstellen.

  • Haben Sie ein starkes Verlangen, Alkohol trinken zu müssen?
  • Müssen Sie mit der Zeit immer mehr Alkohol trinken, um eine Wirkung zu spüren?
  • Haben Sie Entzugserscheinungen, wie Schwitzen oder Zittern, wenn Sie längere Zeit keinen Alkohol trinken?
  • Haben Sie keine Kontrolle darüber, wann oder wie viel sie trinken?
  • Vernachlässigen Sie Ihre Aufgaben, Interessen oder die Familie?
  • Haben Sie bereits negative Folgen durch Alkoholkonsum erlebt und können dennoch nicht aufhören zu trinken?

Behandlung von Alkoholsucht

Viele gestehen sich ihre Alkoholabhängigkeit nicht ein. Dabei erleichtert eine frühe Behandlung den Heilungsprozess. Eine Therapie kann letztendlich nur beginnen, wenn Betroffene mit einer Beratungsstelle oder einem Arzt in Kontakt treten. In der Kontaktphase wird das Trinkverhalten klar als Problem definiert.

In der Regel werden verschiedene Therapieansätze parallel verfolgt. Zum einen findet ein ärztlich überwachter körperlicher Entzug vom Alkohol statt und zum anderen eine therapeutische Behandlung.

Alkoholentzug

Wenn dem Patienten die Bereitschaft auf Alkoholverzicht zunächst fehlt, kann dem Entzug eine Reduktionsphase vorausgehen.  Hier wird die Trinkmenge reduziert und der Patient ermutigt, abstinent zu leben.

Meist wird in der darauf folgenden Entzugsphase der Alkoholentzug stationär durchgeführt. Ein stationärer Aufenthalt bietet zum einen medizinische, zum anderen aber auch psychologische Betreuung. Der Patient hat, mit teils starken Entzugserscheinungen zu kämpfen. In der Regel ist etwa nach einer Woche der körperliche Entzug abgeschlossen. Aufgrund der psychischen Abhängigkeit ist eine psychologische Betreuung von bis zu 4 Wochen jedoch sinnvoll.

Psychotherapeutische Maßnahmen

Gruppentherapie
In einer Gruppentherapie können Betroffene gemeinsam Probleme aufarbeiten.

Die psychologische Betreuung in der sogenannten Entwöhnungsphase kann mehrere Wochen oder Monate andauern. Sie wird teilweise stationär in einer Fachklinik oder auch ambulant durchgeführt. Sie kann eine Verhaltens-, Gruppen- oder Familientherapie einschließen. Der Patient lernt beispielsweise, andere Quellen für positive Gefühle zu nutzen. Suchtambulanzen, Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen sind Anlaufstellen für die Nachsorge  bzw. die Rehabilitationsphase. Die engmaschige Betreuung ermöglicht den Übergang in den Alltag.

Medikamentengabe

Zur Reduktion der Beschwerden während des Entzugs, aber auch zur Unterdrückung des Verlangens nach Alkohol können Medikamente eingesetzt werden:

  • Der Wirkstoff Naltrexon mindert die positive Wirkung von Alkohol. Präparate mit diesem Wirkstoff machen nicht abhängig und werden häufig zur Rückfallprophylaxe eingesetzt.
  • Der Wirkstoff Disulfiram führt zu einer starken Unverträglichkeit alkoholischer Getränke. Der Betroffene leidet bei Einnahme dieser Medikamente beim Trinken von Alkohol unter Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen.

Daneben müssen Folgeerkrankungen behandelt werden.


Bitte sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über die geeigneten Therapiemöglichkeiten. Unsere Seiten dienen lediglich Ihrer Information und ersetzen nicht die Behandlung durch den Arzt.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Wir stehen mit unserer Beratungshotline gern für Sie bereit.


Stand vom: 20.01.2019