Ayurveda: Indische Heilkunst

Ein Stapel schwarzer Zensteine, eine rote Duftkerze, im Hintergrund ein Bund Yasminbüten auf einer Bambusmatte arrangiert als Wellnesshilfsmittel zum beispiel im Ayurveda angewendet

Hierzulande oft als Wellness-Programm missverstanden, zählt Ayurveda grundsätzlich zu den alternativen Heilmethoden und ist so vor allem im asiatischen Raum anerkannt. Der ältesten Heilmethode der Menschheit liegt eine ganzheitliche Betrachtungsweise von Erkrankungen zugrunde, die die Ernährung, Konstitution, Lebensweise und Umwelteinflüsse mit einbezieht.

Grundlagen der Ayurveda-Lehre

Frauen in einem Yogaraum beim ausführen von Yogaübungen auf einer Yogamatte als Teil von Ayurveda
Yoga zählt zu den Säulen der indischen Heilkunst.
Bild: AndiP – Pixabay

Ayurveda ist eine Heilkunst, die ursprünglich aus Indien stammt. Als älteste Heilkunst der Menschheit blickt sie auf eine über 5000-jährige Geschichte zurück. Der Begriff „Ayurveda“ stammt aus der altindischen Sprache, die Fachleute als „Sanskrit“ bezeichnen. Es ist die Hauptsprache im Hinduismus und war in Vorzeiten im kompletten Raum Südasiens verbreitet. Ayurveda bedeutet demnach „Wissen des Lebens“. Der Name ist Programm – so handelt es sich bei diesem Heilverfahren eher um eine ganzheitliche Lebensphilosophie, als um eine rein medizinische Herangehensweise an Erkrankungen.

Diese traditionelle indische Heilkunst vereint Philosophie mit langjährigen Erfahrungen und betrachtet hierbei nicht nur körperliche und mentale Aspekte. Ihr Augenmerk liegt auch auf den emotionalen und spirituellen Einflüssen hinsichtlich der Entstehung von Erkrankungen. Das Leben wird als Gesamtheit von Körper, Verstand und Seele gesehen, welche in einem ausgeglichenen Zustand sein sollen.

 Die Hauptbestandteile der ayurvedischen Medizin sind:

  • Pflanzenheilkunde
  • Diätetik (Ernährungslehre)
  • Yoga
  • Reinigungsanwendungen nach dem Ayurveda-Prinzip
Infografik Hauptbestandteile des Ayurveda
Säulen der indischen Heilkunst

Zu den Reinigungsverfahren gehören Massagen, Atemübungen, Fasten, Bäder, Einläufe, Aderlass und therapeutisches Erbrechen. Des Weiteren zählen Methoden der Kunst- und Musiktherapie sowie eine ayurvedische Arzneimitteltherapie dazu.

Infografik zum Thema Reinigungsverfahren im Ayurveda
Reinigungsverfahren

Insgesamt schreibt die ayurvedische Medizin der Selbstfürsorge eine große Wichtigkeit zu.

Sorgen Sie für sich selbst

Ein Leitsatz der Ayurveda lautet „Was immer wir selbst tun können, um unsere Gesundheit zu stärken, wirkt besser, als das, was andere für uns tun“.

Die Doshas in der ayurvedischen Lehre

Infografik zu den Doshas
Die drei Doshas: Vita, Pitta, Kapha

Den ayurvedischen Techniken und Prinzipien liegt die Annahme zugrunde, dass Gesundheit und Krankheit von dem Zusammenspiel und der Balance dreier Lebensenergien bestimmt sind. Diese Lebensenergien werden als „Doshas“ (übersetzt „Fehlerpotential“ oder „den Körper beeinflussender Faktor“) bezeichnet und wie folgt beschrieben:

Dosha Element Prinzip Beschreibung
Vata Luft, Wind, Äther Bewegungsprinzip sorgt für Wachheit, Klarheit, Kreativität
Pitta Feuer, Wasser Feuer- /Stoffwechselprinzip verantwortlich für Intellekt und Emotionen
Kapha Erde, Wasser Strukturprinzip sorgt für Kraft, Ausdauer, Gelassenheit und Zusammenhalt

Die Doshas sind in allen Organismen vorhanden und sorgen durch ihr Gleichgewicht für einen guten Ablauf der unterschiedlichen Körperprozesse. Zumeist herrschen 2 Doshas vor, selten sind alle 3 Doshas gleich stark aktiv. Besteht ein Ungleichgewicht der Lebensenergien, werden Fehler im „System“ des Menschen hervorgerufen, wodurch Krankheiten entstehen. Verschiedene Faktoren bringen das Dosha-Gleichgewicht ins Wanken. Hierzu zählen sowohl innere als auch äußere Umstände, wie Stress, eine falsche oder mangelhafte Ernährung, ein ungeregelter Tagesablauf und das Nichtbeachten von Ordnungsregeln.

Schon gewusst?

Laut der ayurvedischen Philosophie bestimmt das Zusammenspiel der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha den optimalen Ablauf der Körperprozesse. Kommt es zu einem Ungleichgewicht dieser 3 Lebensenergien, entstehen Krankheiten.

Anamnese nach Ayurveda

Grundlage der ayurvedischen Behandlung ist die Bestimmung des im Patienten bestehenden Dosha-Verhältnis. Hierzu führt die heilkundliche Fachkraft eine Anamnese durch. Sie besteht aus der genauen körperlichen Untersuchung, einschließlich einer Zungen- und Augenbegutachtung sowie einer ayurvedischen Pulsdiagnostik. Um die für den Patienten optimale Dosha-Balance zu ermitteln, nimmt der Ayurveda-Kundige das astrologische Horoskop zur Hilfe. Stellt er ein Missverhältnis zwischen den vorherrschenden Doshas und dem Dosha-Typ nach dem Horoskop fest, leitet er eine ausgleichende Therapie ein.

Ayurvedische Therapie

Eine Therapeutin Massiert den Rücken eines Mannes in Seitenlage, als Teil des Reinigungsverfahrens nach Ayurveda.
Die Massage gehört zu den ayurvedischen Reinigungsverfahren.
Bild: whitesession – pixabay

Die ayurvedische Therapie ist im Grunde eine Umstellung der Lebensweise. Die ayurvedische Lebensart setzt sich zum Ziel, Erkrankungen vorzubeugen. Das therapeutische Personal versucht außerdem, erste Symptome zu erkennen und eine Verschlimmerung zu vermeiden, indem es individuelle Empfehlungen ausspricht. Diese sind vom Dosha-Typ, dem aktuell bestehenden Dosha-Verhältnis und den eventuell bereits bestehenden Beschwerden abhängig. Abgestimmt auf diese 3 Punkte leitet die heilkundliche Fachkraft eine Behandlung mit Bestandteilen aus der Ernährungstherapie, Pflanzenheilkunde, Ordnungstherapie bzgl. der Tagesroutine und Reinigungsverfahren ein. Die individuell zusammengestellte Therapie hilft dem Körper, sein Dosha-Verhältnis selbst wiederherzustellen und zu erhalten.

Ayurvedische Ernährungslehre

Tandori mit Zitrone als Teil der indischen Ernährung aus dem Ayurveda
Ayurvedisches Gericht mit Huhn.
Bild: Tonelson – Getty Images (Canva)

Die ayurvedische Diätetik ist eine Hauptsäule dieser Heilkunst. Allgemeine Ernährungsempfehlungen werden durch an die Dosha-Typen angepasste Hinweise ergänzt. Entscheidend ist eine gesunde Verdauung: Nur wenn sie ungestört abläuft, entfaltet Nahrung ihre heilende Wirkung. Rohkost ist selten, Speisen werden meist gekocht und bewusst, in Ruhe und mit Genuss eingenommen. Idealerweise enthalten sie alle Geschmacksrichtungen: süß, sauer, salzig, scharf und bitter.

Gewürze haben in der ayurvedischen Küche einen hohen Stellenwert. Sie gelten in Indien als „göttliche Nahrung“, besitzen Heilkräfte und gehören damit auch zur Pflanzenheilkunde. Besonders wichtig sind zehn „Königsgewürze“:

Schon gewusst?

Gewürze spielen in der ayurvedischen Küche nicht nur aufgrund ihres Geschmacks eine große Rolle. In ihnen sind aufgrund ihrer häufig bestehenden Heilkräfte gleich 2 Pfeiler des Ayurveda vereint – die Diätetik und die Pflanzenheilkunde.

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Die Behandlung nach Ayurveda erfordert Durchhaltevermögen und Disziplin. Sie umfasst viele Lebensbereiche und muss oftmals ein Leben lang beachtet werden.

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Stand vom: 28.07.2025

Coverbild: Bru-nO – Pixabay