
Thrombozyten-Aggregationshemmer (kurz TAH) werden umgangssprachlich oft als „Blutverdünner“ bezeichnet. Der Begriff trügt – die Medikamentengruppe verdünnt nicht das Blut, sie verhindert allerdings das Zusammenhaften der Blutplättchen und damit die Blutgerinnung.
Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen
Synomyme: Blutverdünner (umgangssprachlich) | Thrombozytenfunktionshemmer | Blutplättchenhemmer | Plättchenhemmer
Thrombozytenaggregationshemmer helfen, Herzinfarkt und Schlaganfall zu vermeiden.

Das Wichtigste in Kürze
Thrombozytenaggregationshemmer sind Medikamente, die das Zusammenkleben von Blutplättchen (Thrombozyten) verhindern und so die Bildung von Blutgerinnseln reduzieren. Sie werden vor allem zur Vorbeugung von Gefäßverschlüssen wie Thrombosen, aber auch zur Prophylaxe von Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt. Zu den bekanntesten Wirkstoffen zählen Aspirin (ASS) und Clopidogrel. Die Einnahme ist meist langfristig erforderlich und sollte nur nach ärztlicher Anweisung erfolgen, da Nebenwirkungen wie Blutungen auftreten können.
Die Rolle der Thrombozyten bei der Blutgerinnung
Die Blutgerinnung ist ein lebenswichtiger Schutzmechanismus des Körpers, der bei Verletzungen Blutungen stoppt, Wunden verschließt und Blutverluste verhindert. Sie läuft in mehreren aufeinander abgestimmten Schritten ab, an denen viele blutchemische Faktoren und die Blutplättchen (Thrombozyten) beteiligt sind. Die Blutplättchen sorgen für die so genannte primäre Hämostase, welche den schnellen, ersten Prozess der Blutstillung darstellt. Innerhalb von 1 bis 3 Minuten haften sich Thrombozyten an die verletzte Stelle eines Blutgefäßes an und verklumpen miteinander. Es entsteht ein Pfropf, der die Blutung reduziert oder stoppt, allerdings noch instabil ist. Es schließt sich die sekundäre Hämostase an, während derer in einem Zusammenspiel mehrerer Gerinnungsfaktoren der primäre Propf verstärkt und stabilisiert wird. Innerhalb von insgesamt ca. 10 bis 13 Minuten entsteht so ein festes Blutgerinnsel, dessen Basis die Thrombozyten bilden.
Die Funktion der Thrombozytenaggregationshemmer
Einige gesundheitliche Situation verlangen, dass die Funktion der Thrombozyten gehemmt wird um schwerwiegende Komplikationen und Folgeerkrankungen zu verhinden. Hierzu zählt die Bildung von Blutgerinnseln die Blutgefäße verschließen und die Durchblutung behindern, was je nach betroffenem Blutgefäß z. B. eine tiefe Beinvenenthrombose, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt auslösen kann. Thrombozytemaggregationshemmer werden demnach verwendet, um bei bestehenden Risikofaktoren die Blutgerinnung zu hemmen, sodass die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) verhindert wird.
Eine ähnliche Funktion hat die Wirkstoffgruppe der Antikoagulantien. Oft werden die Thrombozytenfunktionshemmer deshalb als Sondergruppe der Antikoagulantien bezeichnet. Streng genommen besteht ein Unterschied zwischen den Wirkstoffen: Thrombozytenaggregationshemmer beeinflussen die Funktion der Blutplättchen; die Antikoagulantien wirken dagegen auf die Gerinnungsfaktoren des Blutes ein, welche an der sekundären Hämostase beteiligt sind. Der Volksmund macht keinen Unterschied – auch die Antikoagulantien werden umgangssprachlich als Blutverdünner bezeichnet.
Einsatzgebiete der Thrombozytenaggregationshemmer
Thrombozytenaggregationshemmer werden vor allem zur Vorbeugung und Behandlung folgender Erkrankungen eingesetzt:
- Koronare Herzkrankheit (KHK)
- Zustand nach Herzinfarkt (Sekundärprophylaxe eines erneuten Herzinfarkts)
- Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke (TIA)
- nach Einsetzen eines Stents
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).
In vielen Fällen werden zwei Wirkstoffe kombiniert („duale Plättchenhemmung“), insbesondere nach einem Herzinfarkt oder einer Stentimplantation.
Wirkstoffe aus der Gruppe der Thrombozytenaggregationshemmer
Es gibt verschiedene Gruppen von Thrombozytenaggregationshemmern, die sich in ihrem Wirkmechanismus unterscheiden:
- Acetylsalicylsäure (ASS)
Die Acetylsalicylsäure ist am besten unter dem Präparatnamen Aspirin bekannt. Sie hemmt ein Enzym (COX-1), das für die Bildung von Thromboxan verantwortlich ist – einer Substanz, die die Verklumpung der Thrombozyten fördert. - P2Y12-Rezeptorhemmer
Dazu gehören Medikamente wie Clopidogrel, Prasugrel und Ticagrelor. Sie blockieren einen spezifischen Rezeptor auf der Oberfläche der Thrombozyten und verhindern so deren Aktivierung. - Glykoprotein-IIb/IIIa-Inhibitoren
Diese werden meist in akuten Situationen (z. B. während eines Herzkathetereingriffs) eingesetzt und wirken besonders stark. Zu dieser Gruppe gehört z. B. Tirofiban.
Welches Medikament konkret zum Einsatz kommt, entscheidet der behandelnde Arzt in Abhängigkeit von der individuellen Erkrankung, dem spezifischen Risiko für Blutgerinnselbildung und möglichen Nebenwirkungen.
Verabreichung von Thrombozytenaggregationshemmern
Wie die entsprechenden Medikamente verabreicht bzw. eingenommen werden, hängt von der jeweiligen Indikation und dem eingesetzten Wirkstoff ab. Typische Darreichungsformen sind Tabletten oder Kapseln. Notfallmedikamente stehen häufig auch als Injektion bereit. Fast Jeder kennt ASS-Tabletten, welche neben der Beeinflussung der Blutgerinnung auch zur Schmerzlinderung eingesetzt werden und oft in der Hausapotheke zu finden sind. In bestimmten (Not-)fällen kann die Acetylsalicylsäure aber auch als injiziert werden. Der spezielle TAH Tirofiban ist ein stark wirksames Notfallmedikament, welches ausschließlich direkt in die Vene gespritzt wird.
Medikamente, aus der Wirkstoffgruppe: ASS-ratiopharm® 100 mg Tabletten TAH | ASS 100 – 1 A Pharma® TAH | ASS 100 mg HEXAL®
Nebenwirkungen von TAH
Je nach Wirkstoff ist mit unterschiedlichen unerwünschten Wirkungen zu rechnen. Da alle Thrombozytenfunktionshemmer durch die Unterdrückung der Verklumpungsreaktion den normalen Wundverschluss beeinträchtigen, können selbst bei kleinen Verletzungen schwere, langanhaltende Blutungen eintreten. Unter der Einnahme von TAH ist daher mit dem vermehrten Auftreten von Blutergüssen, Nasenbluten und Zahnfleischbluten zu rechnen.
In der Wirkstoffgruppe sind ferner folgende Nebenwirkungen bekannt:
- Hautausschläge
- Verdauungsstörungen, wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen, Verstopfungen
- Benommenheit und Schwindel
- Kopfschmerzen.
Die „blutverdünnende“ Wirkung hält auch nach Behandlungsabbruch bis zu 7 Tagen an. Daher dürfen Operationen frühestens eine Woche nach Therapieende stattfinden, um schwere Blutungen zu vermeiden. Steht eine geplante Operation bevor, wird deswegen die gerinnungshemmende Medikation rechtzeitig vorab auf andere geeignete Präparate umgestellt.

FAQ
Wie unterscheiden sich Thrombozytenaggregationshemmer von Antikoagulanzien?
Umgangssprachlich werden beide oft missverständlicherweise als „Blutverdünner“ bezeichnet. Tatsächlich wirken Thrombozytenaggregationshemmer auf die Blutplättchen, während Antikoagulanzien die Gerinnungsfaktoren im Blut beeinflussen.
Kann ich die Medikamente einfach absetzen?
Nein. Ein abruptes Absetzen kann das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen. Änderungen der Einnahme sollten nur in Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.
Ist die Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern lebenslang notwendig?
In vielen Fällen ja, insbesondere bei chronischen Erkrankungen. Die Dauer hängt jedoch von der individuellen Indikation zur primären Einnahme des Medikaments ab.
Darf ich während einer Behandlung mit Thrombozytenaggregationshemmern Alkohol trinken?
Ein moderater Alkoholkonsum ist meist erlaubt, jedoch kann Alkohol das Blutungsrisiko erhöhen. Im Zweifel sollte dies mit dem Arzt besprochen werden.
Was tun bei Nebenwirkungen?
Leichte Nebenwirkungen sollten beobachtet werden. Bei starken oder ungewöhnlichen Blutungen ist sofort ärztliche Hilfe erforderlich.
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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
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Stand vom: 27.04.2026
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