Magersucht

Gefährliche Essstörung

Magersucht ist eine Essstörung, die in 10–15 % aller Fälle zum Tod führt! Betroffen sind vor allem Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 18 Jahren. In den letzten Jahren hat sich die Altersgrenze der an Magersucht-Leidenden jedoch immer mehr nach unten verschoben. Sogar Mädchen im Grundschulalter sind bereits betroffen – zunehmend auch Jungen. Der Anteil bei Personen, die über 25 Jahre alt sind und an Magersucht erkranken, ist ebenfalls gestiegen.

Magersucht bzw. Anorexia nervosa oder auch Anorexia mentalis ist eine seelisch bedingte Essstörung. Sie ist gekennzeichnet durch einen übermäßigen selbst verursachten Gewichtsverlust und zugleich durch eine exorbitante Angst vor einer Gewichtszunahme. Die Betroffenen halten eine strenge Diät ein oder verweigern die Nahrung vollständig.

Formen der Magersucht

Experten unterscheiden 2 Formen der Magersucht: Vom restriktiven Typus sprechen sie, wenn die betroffene Person die Nahrungsaufnahme verringert. Beim Purging-Typus verstärken Betroffene ihren Gewichtsverlust neben der verringerten Lebensmittelaufnahme zusätzlich durch Erbrechen.

Magersucht ist von anderen Essstörungen abzugrenzen:

  • Ess-Brech-Sucht (Bulimie)
  • Essanfällen ohne Erbrechen (Binge-Eating-Störung),
  • Ess-Sucht (Adipositas)

Unser Lesetipp: Informieren Sie sich über eine besondere Form der Essstörung – Magersucht bei Sportlern: Anorexia athletica.

Ursachen von Magersucht

Mit großer Wahrscheinlichkeit bedingen psychische und gesellschaftliche Einflüsse die Entstehung einer Magersucht:

  • bestimmte Sportarten, die ein niedriges Körpergewicht verlangen, wie Ballet, Turnen, Eiskunstlauf (Anorexia athletica)
  • Schlanksein als Ideal der Gesellschaft
  • schlanke, erfolgreiche Idole aus Film, Werbung und Internet
  • gesellschaftliche Anerkennung bei Abnehmerfolg
  • familiäre Konflikte
  • hohe Anforderungen der Eltern an das Kind
  • Angst vor dem Erwachsenwerden und dem Frau-Sein/Mann-Sein
  • Überforderung durch die schwierige Entwicklungsphase der Pubertät
  • Unsicherheit
  • Suchen nach der eigenen Identität
  • traumatische Erlebnisse

Alle Faktoren münden allerdings in einem Kernproblem: die Überschätzung des eigenen Körperumfangs. Diese Körperschemastörung ist das Motiv für das konsequente Festhalten an dem krankhaften Essverhalten. Auch kurz vor dem Hungertod empfinden sich Magersüchtige als zu dick und verweisen auf diverse „Fettpolster“ an Bauch und Oberschenkel.

Wie entsteht eine Magersucht?

Magersucht entsteht schleichend. Eine kalorienbewusste Ernährung und sportliche Aktivität führen zu ersten Abnehmerfolgen. Das spornt an. Doch irgengdwann ist das gesunde Maß überschritten.

Häufig beginnt die Magersucht im Zuge einer Diät oder Fastenkur. Der in diesen Maßnahmen erstellte Kalorienplan bleibt einfach Grundlage für jede weitere Ernährung. Der Sieg über den eigenen Körper und den Hunger scheint eine Befriedigung auszulösen. Dieses Gefühl, ähnlich wie bei einer Drogenabhängigkeit, möchte der an Magersucht-Leidende immer wieder spüren. Es entwickelt sich ein Suchtverhalten. Kalorien werden gemieden und erbittert gezählt. Das Essen wird in kleine Stücke zerpflückt und sehr langsam aufgenommen. Bestimmte Nahrungsmittel wie Fleisch verschwinden ganz vom eigenen Speiseplan.

Paradoxer Weise kochen und backen die an Magersucht-Leidenden sehr gern für Familie und Freunde, sie selbst nehmen aber an den Mahlzeiten immer seltener teil, essen stattdessen Baby- und Kindernahrung oder Breie. Menschen, die zu Magersucht neigen, sind in der Regel eher kontrolliert, betonen gern die Überlegenheit der Vernunft über den Körper, leben vielmehr spartanisch und treiben häufig Sport bis zur Erschöpfung.

Magersüchtige sind stark untergewichtig

Von Magersucht-Betroffene liegen etwa 15 % und mehr unterhalb des Normalgewichtes. Anorektiker verlieren mitunter sogar 20 % ihres ursprünglichen Körpergewichts innerhalb von weniger als 6 Monaten. Letztendlich magern sie auf 45 % ihres Gewichts ab, viele wiegen nur noch um die 30 kg. Neben der strengen Diät und der sportlichen Betätigung verwenden viele Magersüchtige zusätzlich Appetitzügler und Abführmittel, um abzunehmen.

Folgeschäden der Magersucht

Magersucht
Wer unter Magersucht leidet, nimmt stark ab.

Die ständige Mangelernährung hat deutliche körperliche Schäden zur Folge. Die körperliche Entwicklung wird davon beeinträchtigt. Es kann zu vielen verschiedenen Auswirkungen kommen:

  • Untergewicht
  • Ausfall der Monatsblutung durch Hormonstörungen (Amenorrhoe)
  • niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Senkung der Herzschlagfrequenz und der Körpertemperatur
  • Unterzucker (Hypoglykämie)
  • Haarausfall
  • Muskelschwäche
  • Osteoporose
  • Störung des Mineralstoffhaushaltes
  • fehlende Libido

Auch der Eiweißhaushalt im Gewebe kann gestört sein, so dass sich Wasseransammlungen (Ödeme) unter der Haut bilden können. Magersüchtige sind häufig depressiv, stark reizbar oder leben in sozialer Isolation.

Magersucht

Behandlung von Magersucht

Familientherapie
Mitunter macht es Sinn, mit dem Partner oder der gesamten Familie an Therapiesitzungen teilzunehmen.

Die Magersucht-Therapie umfasst einerseits Maßnahmen, die das Gewicht wieder erhöhen, um Folgeschäden der Essstörung entgegenzuwirken und andererseits Methoden für die Auseinandersetzung mit den zugrundeliegenden psychischen Problemen.

Wenn das Körpergewicht so tief gesunken ist, dass der Patient in Lebensgefahr schwebt oder eine Depression mit erhöhtem Selbstmordrisiko vorherrscht, erfolgt die Therapie in einer Klinik. Da selbst bei drohendem Hungertod häufig keine Einsicht bei Anorexia-nervosa-Betroffenen zu erwarten ist, müssen dem Patienten über Infusion Nährstoffe zugeführt werden. Hat der Patient ein stabiles Niveau erreicht, kann die Gewichtszunahme mit kalorienreichen Nahrungsergänzungsmitteln erfolgen.

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Parallel erarbeitet man therapeutisch an einem gesunden Selbstwertgefühl und versucht die Magersucht-Patienten in die eigene Verantwortung über ihre Gewichtszunahme zu überführen. Die Betroffenen müssen lernen, eine realistische Vorstellung ihres Gewichts zu bekommen. Zudem erlernen sie, auf die Signale ihres Körpers wie Hungergefühl zu hören. Sie erhalten Problembewältigungsstrategien an die Hand, arbeiten Traumata auf und nehmen nicht selten an einer Familientherapie teil, damit auch Angehörige lernen, angemessen auf die Magersucht eingehen zu können.

Mitunter ist ein neues, stabiles Lebensumfeld Bestandteil einer erfolgreichen Therapie (Sozitherapie). Die Betroffenen lernen beispielsweise, in therapeutischen Wohngemeinschaften, Verantwortung für sich und ihre Mitbewohner zu übernehmen. Sie erledigen Aufgaben im Rahmen der WG und steigen wieder in das schulische Leben, in die Ausbildung oder in ihren Beruf ein, um ihren Tagesablauf mit festen Terminen zu füllen.

Medikamentöse Behandlung

In manchen Fällen ist zudem eine medikamentöse Behandlung notwendig, insbesondere dann, wenn der Magersucht-Patient an Depressionen leidet, schwere Zwangssymptome oder Hormonmangelerscheinungen (Hormonersatztherapie) auftreten. Mit dem Arzt werden im Behandlungsvertrag zwischen Arzt und Patient wöchentliche Gewichtszunahmen vereinbart, diese werden durch regelmäßige Gewichtskontrollen unterstützt, um den Behandlungsverlauf zu beurteilen. Kostanleitungen werden vom behandelnden Arzt oder Ernährungstherapeuten ausgegeben und helfen, die Ernährung auch langfristig sinnvoll zu gestalten.

Die Behandlung von Magersucht dauert oft mehrere Jahre und kann im Anschluss an die Akutphase im Krankenhaus bei einem erfahrenen Arzt oder Psychotherapeuten ambulant fortgesetzt werden.

Wichtige Ratschläge für Betroffene

  • Wenn Sie von Magersucht betroffen sind, wenden Sie sich an Ihre Eltern oder an gute Freunde und brechen Sie Ihr Schweigen!
  • Gestehen Sie sich ein, krank zu sein.
  • Wenden Sie sich an eine Selbsthilfegruppe.
  • Suchen Sie einen Arzt oder andere professionelle Hilfe auf.

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Stand vom: 24.08.2020

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen.