Kinderlähmung

Polio: Viren-Befall erzeugt dauerhafte Lähmung

Die als Kinderlähmung bekannte Poliomylitis (kurz Polio) ist eine gefährliche Infektionskrankheit, die durch Polioviren hervorgerufen wird und beim Betroffenen durch den Viren-Befall der muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks bleibende Lähmung der unteren Extremitäten erzeugt und in seltenen Fällen bis zum Tod führen können.

Synonyme:  Polio | Poliomylitis | Heine-Medin-Krankheit

Gefährdet sind vor allem drei- bis achtjährige Kinder. Aber auch Erwachsene können an Polio erkranken, wenn sie keinen Imfschutz haben.

Infektion

Kinderärztin mit kleinem Kind und Spritze
Kinderlähmung kann sehr schlimme Folgen haben. Lassen Sie Ihr Kind impfen.

Da Polio-Viren mittels Tröpfcheninfektion oder fäkal-oral übertragen werden, sind auch Eltern von betroffenen Säuglingen gefährdet. D .h. befinden sich die Kinderlähmung-verursachenden Viren im Nahrungskreislauf, werden sie über die Lebensmittel aufgenommen und über den Stuhl wieder ausgeschieden. Eltern könnten sich beim Wechseln der Windeln mit den Polio-Erregern infizieren. Bereits wenige Stunden nach der eigenen Ansteckung wird der Betroffene über 3–6 Wochen selbst infektiös.

Impfung
Beugen Sie Kinderlähmung vor. Bildquelle: © Dan Race – Fotolia.com

In Deutschland gab es 1953 und 1954 Epidemien mit fast 10.000 Toten. Nach Einführung des Impfstoffes nahm die Anzahl der Polio-Erkrankungen kontinuierlich ab.

Erkrtankungen in Deutschland

Seit Ende der 1980er werden Impfungen weltweit durchgeführt. Laut Unicef sind damit wohl 700.000 Todesfälle und 15 Millionen Erkrankungen erspart geblieben. Allerdings verhindern Kriege eine konsequente Durchimfung. So brach in Syrien 2013/2014 Polio aus, da nur noch 60 Prozent der Kinder geimpft waren.

In Deutschland wird gegen Kinderlähmung konsequent geimpft, sodass seit ungefähr 20 Jahren kein Fall von Kinderlähmung bekannt ist.

In der an sich positiven Tatsache, dass Kinderlähmung in unseren Breiten inzwischen fast vergessen ist, liegt ein großes Risiko: Eltern fühlen sich sicher und lassen ihre Kinder nicht mehr gegen Kinderlähmung impfen. Dies könnte zu einer neuen Polio-Endemie in Europa führen. Denn: Solange nicht jeder gegen Polio geimpft ist, kann die Kinderlähmung durch eingeschleppte Erreger wieder ausbrechen.

Verlauf und Beschwerden bei Kinderlähmung

Die Heine-Medin-Krankheit kann unterschiedlich verlaufen. Oft zeigen sich nur grippeähnliche Symptome. Mitunter kann es zu folgeschweren Komplikationen kommen. Diese hinterlassen bleibende Schäden und können bis zum Tod führen.

Erste Krankheitsphase

Kinderlähmung-Infektion: Symptome
Mit viel Glück bleibt es nur bei grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen.

In der ersten Krankheitsphase, etwa 7–14 Tage nach der Ansteckung, vermehren sich die Polio-Viren im menschlichen Organismus. Die Symptome der Kinderlähmung sind dabei denen einer Grippe ähnlich:

In der Mehrzahl der Fälle endet die Krankheit mit dem Abklingen der Anzeichen.

Jede zusätzliche Belastung kann in dieser Phase zum Ausbruch der Lähmungserscheinungen führen. Hierzu zählen:

  • körperliche Anstrengungen
  • Wunden
  • Impfungen
  • Operationen

Zweite Krankheitsphase

Bei 5–10 % kommt es nach einer beschwerdefreien Woche zum Eindringen der Polio-Viren in das zentrale Nervensystem und die zweite Krankheitsphase beginnt. Das Kind erleidet eine Hirnhautentzündung, infolgedessen kommt es zu motorischen Störungen bis hin zur Muskellähmung. Wenn die Viren eine Entzündung der basalen Hirnareale hervorrufen, werden Nerven gelähmt, die für das Schlucken oder für die Atmung bzw. des Kreislaufs verantwortlich sind. Dies kommt zwar in den Fällen von Kinderlähmung selten vor, ist aber lebensbedrohlich. Symptome innerhalb dieser Krankheitsphase von Polio sind:

  • Fieber um die 39 Grad Celsius
  • Kopfschmerzen
  • steifer Nacken
  • Rückenschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • schlaffe asymmetrische Lähmungen, insbesondere an den Beinen
  • zunehmender Muskelschwund
  • Versteifungen
  • Beinverkürzungen

Typen von Kinderlähmung

Entsprechend der oben beschriebenen verschiedenen Verläufe lässt sich die Kinderkrankheit in 3 Typen unterteilen:

  • Abortive (gemilderte) Polio: 6–9 Tage nach der Infektion – ohne Infizierung des Zentralnervensystems, d. h. Gehirn und Rückenmark – treten wenig kennzeichnende Anzeichen wie Fieber, Übelkeit, Halsschmerzen, Kopfschmerzen auf.
  • Nicht-paralytische Polio (aseptische Meningitis): Nach 3–7 Tagen abortivem Polio treten Symptome wie Fieber, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen und Muskelschmerzen auf; das Zentralnervensystems ist infiziert.
  • Paralytische Polio: Das Zentralnervensystem ist infiziert, nach ein bis zwei Tagen nicht-paralytischer Polio kommen Symptome wie asymmetrische Lähmungen, insbesondere der Beine und bleibende Körperschäden hinzu.

Polio vorbeugen: Impfen gehen

Kinderärztin
Impfungen müssen mehrfach wiederholt werden.

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht schutzlos den Polio-Viren ausgeliefert ist. Lassen Sie es impfen! Die 1. Impfung kann ab dem 3. Lebensmonat durchgeführt – und muss danach mehrfach wiederholt –  werden. Gerade vor Auslandsreisen in weniger entwickelte Länder sollten Sie darauf achten, dass Ihr Kind hinreichend gegen Kinderlähmung geschützt ist, da die Ansteckungsgefahr in diesen Gebieten um eine vielfaches höher als in Westeuropa ist.

Kinderlähmung behandeln

Ist Ihr Kind erst einmal infiziert, kann der Erreger nicht direkt bekämpft werden. Eine Behandlung  beschränkt sich daher lediglich auf die vorhandenen Symptome. So ist eine strenge Bettruhe dringend erforderlich. Sobald Lähmungserscheinungen auftreten muss das Kind in einem Krankenhaus versorgt werden.

Während der Bettruhe sollte man auf eine muskelentspannende, wechselnde Lage achten. Um eine Rückgratverkrümmung zu verhindern, muss das Kind stets mit gestreckter Wirbelsäule gelagert werden. Durch Krankengymnastik während und auch nach der Krankheit, sollen die Schäden an der Muskulatur möglichst gering gehalten werden.

In schweren Fällen, d. h. bei einer paralytischen Polio ist eine maschinelle Beatmung und intensivmedizinische Betreuung nötig.

Behandlung bei leichtem Verlauf

Hier gilt es, die Beschwerden wie Fieber, Kopf-, Glieder- und Halsschmerzen zu mildern. Die Schmerzen können durch warme Wickel und Schmerzmittel behandelt werden.

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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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Stand vom: 18.01.2019

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