Darmkrebs: Bei Früherkennung gute Heilungschancen

Je früher Darmkrebs erkannt wird, desto höher stehen die Chancen auf Heilung. Doch Darmkrebs macht sich nicht so schnell bemerkbar. Oft wächst er jahrelang im Darm, bevor er Symptome verursacht. Durch Vorsorgeuntersuchungen lässt sich die Krankheit frühzeitig erkennen.

Häufigkeit von Darmkrebs

Alle bösartigen, malignen Tumore des Darms bezeichnen Fachleute als Darmkrebs. Je nach Ort des Auftretens wird dabei in Dünndarm- oder Dickdarmkrebs unterschieden.

In Deutschland betrifft etwa jede achte Krebserkrankung den Dickdarm (Kolon) oder den Mastdarm (Rektum). Im Jahr 2020 wurden etwa 24.240 Frauen und 30.530 Männer mit Darmkrebs diagnostiziert. Die Diagnose wird bei einer von 19 Frauen und einem von 15 Männern im Laufe ihres Lebens gestellt. Etwa zwei Drittel der Fälle treten im Dickdarm auf. Das Risiko für Darmkrebs steigt mit zunehmendem Alter. Mehr als die Hälfte der Patient:innen erkranken im Alter von über 70 Jahren, während nur etwa 10 Prozent vor dem 55. Lebensjahr betroffen sind. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 75 Jahren für Frauen und 71 Jahren für Männer.

Seit etwa 2003 ist trotz eines kurzfristigen Anstiegs ein Rückgang der altersstandardisierten Erkrankungsraten zu beobachten. Die Neuerkrankungsrate nimmt in allen Darmabschnitten außer dem aufsteigenden Kolon ab. Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten bei Darmkrebs liegen für Frauen bei etwa 66 % und für Männer bei etwa 64 %.

Damit gehört der Darmkrebs zu den am häufigsten diagnostizierten Tumorarten.

Darmkrebsarten

Der Dickdarmkrebs wird unterteilt in:

  • Kolonkarzinom: Krebs im Grimmdarm (Kolon)
  • Rektumkarzinom: Krebs im Mast- bzw. Enddarm (Rektum)

Fachleute fassen beide Krebsarten als kolorektales Karzinom zusammen.

Schon gewusst?
Dickdarmkrebs ist mit 95 % die häufigste Darmkrebsart. Dünndarmkrebs kommt hingegen selten vor.

Dünndarmkrebs und Tumore um den Analbereich sind sehr selten. Bei manchen erblichen Formen von Darmkrebs befallen die bösartigen Tumore den ganzen Darm. Dünndarm- und Dickdarmkrebs kommen dann bei den Betroffenen gleichzeitig vor.

Ursachen von Darmkrebs

Vererbung, chronische Darmerkrankungen, schlechte Lebensgewohnheiten und eine ungesunde Ernährung begünstigen Darmkrebs.

Vererbbare Gendefekte als Ursache für Darmkrebs

Es sind verschiedene vererbbare Gendefekte bekannt, die zu Darmkrebs führen:

  • Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP): Gutartige Geschwulste, sogenannte Polypen im Dickdarm, aus denen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Darmkrebs entwickelt.
  • Gardner-Syndrom: Neben Polypen im Dickdarm treten weitere gutartige Tumore, z. B. in den Knochen und Zysten in den Talgdrüsen auf, die rasch bösartig werden.
  • HNPCC (Lynch-Syndrom): HNPCC ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung des Lynch-Syndroms “hereditary non-polyposis colorectal cancer”, zu Deutsch das hereditäre kolorektale Karzinom ohne Polyposis. Der bösartige Tumor tritt dabei im rechten Dickdarm-Abschnitt und häufig auch an anderen Stellen des menschlichen Körpers auf.
  • Peutz-Jeghers-Syndrom: Im Darm und im Magen entwickeln sich zunächst gutartige Geschwulste, Polypen. Dies geht mit bräunlichen Flecken an Armen und Beinen einher.

Chronische Darmerkrankungen als Ursache für Darmkrebs

Chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa verursachen andauernde Durchfälle, häufige Stuhlgänge und Blutauflagerungen auf dem Stuhl. Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken ist verglichen mit gesunden Personen deutlich erhöht.

Schlechte Lebensgewohnheiten als Ursache für Darmkrebs

Die Ernährung spielt eine bedeutende Rolle bei der Beeinflussung des Tumorrisikos. Übergewicht, Bewegungsmangel, Nikotinkonsum und eine zu fetthaltige Nahrung, insbesondere der zu häufige Verzehr von Fleisch, begünstigen ebenfalls Dickdarmkrebs wie das Kolonkarzinom oder Enddarmkrebs. Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Vitaminen und Ballaststoffen aus Vollkornprodukten und eine gesunde Lebensweise hingegen verringern das Risiko auf ein kolorektales Karzinom.

Schon gewusst?
Die wichtigsten Risikofaktoren für Darmkrebs sind Tabakkonsum und Übergewicht. Danach folgen Bewegungsmangel und eine ballaststoffarme Ernährung. Der regelmäßige Konsum von Alkohol sowie der Verzehr von rotem oder verarbeitetem Fleisch erhöhen ebenfalls das Risiko für eine Erkrankung.

Symptome von Dünn- und Dickdarmkrebs

Reizdarm
Blähungen, Schmerzen, Verstopfung oder Durchfall sind typische Beschwerden.
Bild: Science Photo Library (Canva)
  • Blutauflagerungen auf dem Stuhl
  • unerklärliche Gewichtsabnahme
  • Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • tastbare Verhärtung im Bauchraum

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Behandlung von Darmkrebs

Darmkrebs wird meist operativ entfernt. Bei einem fortgeschrittenen Darmkrebs kommt auch eine Strahlen- oder Chemotherapie zum Einsatz. Enddarmkrebs behandeln medizinische Fachkräfte in der Regel mit einer en-bloc-Resektion.

Operation von Darmkrebs

Meist wird der Tumor operativ vollständig entfernt. Dies gilt auch für Metastasen, die sich in Lunge, Leber oder Bauchraum gebildet haben. Das Ausmaß der Darmkrebs-Operation richtet sich nach der Blutversorgung des mit Krebs befallenen Darmabschnitts und nach dem Abfluss von Gewebewasser, dem sogenannten Lymphabfluss. Es ist beispielsweise vonnöten, den halben Dickdarm zu entfernen. Bei einem Krebs im quer verlaufenden Dickdarm müssen Großteile des Darms chirurgisch entfernt werden, da dort mannigfaltige Querverbindungen zwischen den Blutgefäßen aller Dickdarm-Anteile existieren und weit verstreute Tochtergeschwulste in den Lymphknoten entstanden sein könnten.

Strahlen- oder Chemotherapie bei Darmkrebs

Begriffe geklärt:
Eine Strahlentherapie wirkt örtlich, d. h. im Bereich des Bestrahlungsfeldes. Eine Chemotherapie beseitigt bereits abgesiedelte Krebszellen (Metastasen) im ganzen Körper.

Ist der Dünndarm- und Dickdarmkrebs weiter fortgeschritten, setzen die behandelnden Mediziner:innen oft zusätzlich zur Operation – einzeln oder kombiniert – die Strahlen- oder Chemotherapie ein. Findet die Bestrahlung des Tumors vor der Operation statt (neoadjuvante Therapie), dient dies zur Verkleinerung des Karzinoms. Dadurch verschaffen sich die medizinischen Fachkräfte bessere Voraussetzungen für eine operative Entfernung des Tumors. Bei einer adjuvanten Therapie, d. h. einer Bestrahlung im Anschluss an eine Operation, möchte man noch vorhandene Krebszellen abtöten.

Eine Chemotherapie sichert häufig eine längere Lebensdauer, lindert Schmerzen und bessert die Lebensqualität. Betroffene erhalten oft Zytostatika. Das sind krebsabtötende Medikamente, die leider auch gesundes Gewebe abtöten. Typische Nebenwirkungen sind daher Blutbildveränderungen, Durchfall und Haarausfall.

Neben den klassischen Zytostatika haben sich in den letzten Jahren auch neue Medikamente gegen den Krebs als nützlich erwiesen. Diese Präparate haben Ähnlichkeit mit den Antikörpern des menschlichen Immunsystems und richten sich präzise gegen besondere Eigenschaften von Tumorzellen. Die Behandlung mit diesen Medikamenten wird deshalb auch als zielgerichtete Therapie bezeichnet.

Bei Darmkrebs werden daher mittlerweile auch sogenannte Angiogenesehemmer eingesetzt, die verhindern, dass sich neue Blutgefäße bilden und der Krebs mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Aber auch diese Form der medikamentösen Darmkrebs-Therapie hat Nebenwirkungen und ist nicht für jede:n Dünndarm- oder Dickdarmkrebs-Patient:in geeignet.

Aktuell gibt es neue Entwicklungen in der Krebsforschung. Das probiotische Bakterium Escherichia coli Nissle 1917 (EcN) scheint zur Früherkennung und Therapie von Darmkrebs eine wichtige Rolle zu spielen. So überlebt EcN in fortgeschrittenen Darmadenomen und Karzinomen länger als in gesundem Gewebe. Durch eine klinische Studie mit 35 Patient:innen mit Kolorektalkarzinom wurde festgestellt, dass EcN nach der Einnahme vor der Operation selektiv im Tumor vorhanden war. Die Forschenden haben auch untersucht, ob EcN als Transportmedium für Immuncheckpoint-Inhibitoren genutzt werden kann, um Krebszellen anzugreifen. Experimente an Mäusen mit Mutationen im APC-Gen zeigten einen Rückgang der Adenome um 47 % nach der Behandlung mit EcN (Stand 15.02.2024).1

Die en-bloc-Resektion bei Darmkrebs

Beim Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) ist die wichtigste Therapie die sogenannte en-bloc-Resektion. Bei dieser Operation entfernen die Chirurg:innen den Krebs in seiner kompletten Ausdehnung inklusive eines mehrere Zentimeter breiten Rands aus gesundem Gewebe mit Blutgefäßen und Lymphknoten. Liegt der Darmkrebs reichlich fünf Zentimeter oberhalb des Analkanals, können der normale Stuhlgang und die Schließmuskel-Funktion meist erhalten bleiben. Ist das Karzinom sehr dicht am Analkanal gelegen, ist häufig ein künstlicher Darmausgang, der sogenannte Anus praeter, notwendig. Dieser wird durch die Bauchdecke gelegt, daher sollten Betroffene nicht an Übergewicht leiden.

Lasertherapie bei Darmkrebs

Wenn sich Tochtergeschwulste des Darmkrebses in der Leber abgesiedelt haben, entfernt das chirurgische Personal diese meist. Wenn beide Leberlappen betroffen sind oder eine Operation aus anderen Gründen nicht durchgeführt werden kann, wenden Ärzt:innen häufig eine Lasertherapie an. Bei dieser Methode führen Chirurg:innen ein Endoskop in den Bauchraum ein und verbrennen die Lebermetastasen mittels eines Lasers.

Spezielle Ernährung bei Darmkrebs

Viele Menschen verlieren durch die Darmkrebs-Behandlung an Gewicht und müssen sich daher mit einer speziellen Ernährung versorgen. Die zugeführte Nahrung darf den Verdauungstrakt nicht belasten, muss aber reich an Kalorien sein. Fachleute entwickeln deshalb häufig einen für Patient:innen zugeschnittenen Ernährungsplan. Ballaststoffe etwa gehören zwar zu einer gesunden Ernährung dazu, wären aber für Darmkrebs-Patient:innen zu anstrengend.


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Stand vom: 15.02.2024

Weiterführende Literatur:

1 Gurbatri, C. R. u. a.: Engineering tumor-colonizing E. coli Nissle 1917 for detection and treatment of colorectal neoplasia. In: nature communications. 15, Article number: 646 (2024) 

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