In den letzten 50 Jahren wurden Getreidepflanzen gezüchtet, die eine Vielzahl von Klebeproteinen enthalten. Das moderne Getreide stellt im Vergleich zu früheren Sorten daher eine Gluten-Bombe dar. Das ist möglicherweise der Grund dafür, warum so viele Menschen glutenhaltige Lebensmittel schlecht vertragen. Liegen Beschwerden vor, ohne dass eine Zöliakie nachgewiesen werden kann, so spricht man von einer Glutensensitivität.
Noch bis vor kurzem wurde die Existenz dieser Krankheit von Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Aber im Jahre 2012 konnte von australischen Forschern erstmals gezeigt werden, dass eine Glutensensitivität überhaupt besteht. Patienten mit Glutensensitivität fühlen sich unter Einhaltung einer glutenarmen Kost gesünder. Ein vollständiger Verzicht auf glutenhaltige Speisen und Getränke ist jedoch nicht erforderlich.
Glutenfrei leben bei Zöliakie
Bei dieser Erkrankung führt die Zufuhr von Gluten zu einer Produktion von Antikörpern, welche den Darm schädigen. Für die Diagnose der Zöliakie ist die Antikörperbestimmung sehr wichtig, insbesondere für die Erstdiagnose bei Verdacht auf Zöliakie.
Mit großer Sicherheit schließt ein negativer Antikörper-Test das Vorliegen einer Zöliakie aus. Eine glutenfreie Ernährung ist bei gesichertem Vorliegen einer Zöliakie leider unumgänglich.
Glutenfrei aufgrund einer Weizenallergie
Eine Weizenallergie ist eine echte allergische Erkrankung, die durch die Nahrungsaufnahme ausgelöst wird. Liegt eine Weizenallergie vor, so lassen sich Antigene im Blut nachweisen. Bei Kindern kann sich die Weizenallergie oft wieder verlieren, bei Erwachsenen bleibt sie meist ein Leben lang bestehen.
Da Weizen zu den Grundnahrungsmitteln gehört, wird er von der Lebensmittelindustrie in vielfältiger Weise verarbeitet. Ein lebenslanger Verzicht auf (glutenhaltige) Weizenprodukte ist bei einer Weizenallergie meist unumgänglich.
Low Carb Diät – kohlenhydratarme Kost
Low Carb Ernährungsformen liegen voll im Trend. Gemeint ist damit eine kohlenhydratarme oder –freie Ernährung, bei der auf den Verzehr von Getreideprodukten nahezu vollständig verzichtet wird.
Auch wenn diese Lebensweise von manchen Ernährungsfachleuten angegriffen wird, gibt es dennoch viele – auch prominente – Verfechter einer getreidearmen Kost. Low Carb Ernährungsformen bringen demnach positive Resultate hinsichtlich des Wunschgewichts sowie bei der allgemeinen Lebensqualität.
Die Nährstoffkombination bei glutenarmer Ernährung
Die FODMAP-Diät ist eine Ernährungsform, die bei Reizdarmsyndrom helfen kann. Sie wurde an der MONASH University in Australien entwickelt und zielt darauf ab, den Verzehr von fermentierbaren Kohlenhydraten und Zuckeralkoholen zu reduzieren.
Diese Substanzen werden im Dünndarm nicht aufgenommen und wandern weiter in den Dickdarm, wo sie von den Darmbakterien fermentiert werden. Dabei kommt es zu einer vermehrten Wasseransammlung und Gasbildung, was zu Durchfall, Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen sowie Bauchkrämpfen und -schmerzen führen kann.
Die FODMAP-Diät kann bei ärztlicher Empfehlung getestet werden, um zu sehen, ob eine Ernährungsumstellung die Beschwerden lindert.
Egal, ob der Grund für glutenarme oder -freie Kost eine Zöliakie, Glutensensitivität, Weizenallergie oder Low Carb Diät lautet: Wer täglich auf den Verzehr von Getreideprodukten verzichtet, meidet damit auch die wichtigste Quelle wertvoller Nährstoffe wie Folsäure, Eisen, alle B-Vitamine, Selen, Molybdän, Magnesium und die Vitamine A, C, E, D und K.