Erste Hilfe leisten

Ratgeber mit Tipps und Erste-Hilfe-Maßnahmen

Im Straßenverkehr, auf einer Familienfeier oder am Arbeitsplatz: Jeder von uns ist bei einem Notfall gefordert, Erste Hilfe zu leisten. Doch der Erste-Hilfe-Kurs zum Erlangen des Führerscheins liegt viele Jahre zurück. Stabile Seitenlage, Herzdruckmassage – schnell sind wir in einer Notfallsituation überfordert! Frischen Sie Ihre Kenntnisse auf und besuchen Sie einen Erste-Hilfe-Kurs. Informieren Sie sich vorab und auf die Schnelle in unserem Ratgeber zu den wichtigsten Maßnahmen.

Erste Hilfe ist Pflicht

In Notsituationen ist jeder Mensch gesetzlich dazu verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Doch viele sind im ersten Moment überfordert. Sie haben Angst, bei der Erstversorgung Fehler zu machen. Manche fürchten rechtliche Konsequenzen. Doch wer nicht hilft, macht sich strafbar. Denn das beherzte Eingreifen des Ersthelfers rettet in vielen Fällen Leben.  

Unser Tipp: 

Viele Rettungsdienstorganisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), bieten Erste-Hilfe-Kurse an. Mit Übungspuppen trainieren Sie die praktische Umsetzung der Rettungsmaßnahmen. Das hilft Ihnen im Ernstfall routiniert zu handeln und die ersten Schritte der Rettungskette vorbildlich zu meistern.

Die Rettungskette

Rettungskette
Am Anfang der Rettungskette ist der Ersthelfer gefragt.

Bringen Sie sich als Ersthelfer nicht selbst in Lebensgefahr. Daher ist es wichtig, sich zunächst einen Überblick über das Unglücksgeschehen zu verschaffen.

Wenn es sich um einen Autounfall handelt, heißt dies:

  1. Stellen Sie Ihren eigenen Wagen in sicherer Entfernung ab.
  2. Schalten Sie den Warnblinker ein.
  3. Ziehen Sie eine Warnweste an.
  4. Sichern Sie die Unfallstelle mit einem Warndreieck ab.
  5. Laufen Sie zur Unfallstelle und bringen Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr. Gehen Sie hinter der Leitplanke entlang.
  6. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Situation.
  7. Alarmieren Sie den Rettungsdienst.
  8. Beginnen Sie mit ersten Maßnahmen, etwa Wiederbelebung.

Wenn mehrere Helfer anwesend sind, können Sie die Aufgaben untereinander aufteilen. So können das Absichern, die Bergung und Versorgung des Notfallpatienten sowie das Wählen der Notfallnummer gleichzeitig erfolgen.

Unser Tipp: 

Helfer sollten sich untereinander in die Augen sehen und die Aufgaben genau absprechen. Gerade wenn Sie sich untereinander nicht kennen, helfen genaue Anweisungen.

Einen Notruf richtig absetzen

Unfall
Bleiben Sie beim Betroffenen und setzen Sie den Notruf ab.

Die Notrufnummer in allen Mitgliedsstaaten der EU lautet 112. Bei einem Notruf sind folgende W-Fragen entscheidend:

  • Was ist geschehen?
  • Wo ist es passiert?
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Verletzungen liegen vor?

Legen Sie nicht auf, sondern warten Sie auf Nachfragen der Rettungsleitstelle.

So sind bei häuslichen Notfällen folgende Informationen relevant:

  • Wie erreicht der Rettungsdienst den Notfallort am schnellsten?
  • In welchem Stock befindet sich der Verunfallte?
  • Welcher Name steht an der Klingel?

Was tun bei Feuer am Unfallort?

Benzin kann nach einem Unfall gerade bei undichten Tanks austreten. Fahrzeugelektrik, laufende Motoren oder die brennende Zigarette eines Schaulustigen reichen aus, um auslaufendes Benzin zu entzünden. Halten Sie einen Feuerlöscher bereit. Mit einem Pulverlöscher ist es möglich, auch brennende Menschen zu retten. Halten Sie diesen jedoch nicht auf das Gesicht der betroffenen Person.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Herzdruckmassage
Wenn der Bewusstlose nicht mehr selbstständig atmet, führen Sie eine Herzdruckmassage durch.

Nach dem Notruf erfolgen die ersten Maßnahmen. Wenn mehrere Personen Hilfe benötigen, kümmern Sie sich zuerst um jene, die bewusstlos sind. Kontrollieren Sie ihre Atmung. Beugen Sie sich dazu über den Betroffenen und legen Sie Ihre Wange an Nase und Mund. Spüren Sie den Atemzug auf Ihrer Haut? Hebt und senkt sich der Brustkorb?

Der Betroffene atmet

Wenn derjenige atmet, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage und überstrecken Sie den Kopf leicht. So verhindern Sie, dass etwa die Zunge des Bewusstlosen in den Rachen rutscht oder Blut bzw. Erbrochenes die Luftröhre blockiert.

Der Betroffene atmet nicht

Beginnen Sie unverzüglich mit der Herzdruckmassage. Drücken Sie mit übereinandergelegten Händen den Brustkorb des Verletzten mittig 5 Zentimeter tief ein. Wiederholen Sie die Bewegung mit einer Frequenz von 100-mal pro Minute. Nach 30 Stößen sind außerdem idealerweise 2 Atemzüge in die Nase oder den Mund des Betroffenen zu blasen.

Durch eine Herzdruckmassage gewährleisten Sie die weitere Durchblutung des Gehirns. Sie erfolgt so lange, bis der Bewusstlose zu sich kommt. Im Idealfall sind mehrere Helfer vor Ort, sodass Sie sich abwechseln können. Denn die Herzdruckmassage ist sehr anstrengend.

Weitere Maßnahmen bei Unfällen

Haben Sie die Atmung sichergestellt, Stillen Sie stärkere Blutungen durch Abdrücken oder einen Druckverband. In manchen Fällen ist auch ein Abbinden sinnvoll.

Wenn die Betroffenen unter Schock stehen, äußert sich dies durch eine blasse Haut, starkes Schwitzen oder Zittern. Lagern Sie die Beine des Verunglückten hoch und decken Sie ihn mit der im Verbandskasten befindlichen Rettungsfolie ab.

Beruhigen Sie den Betroffenen und reden Sie ihm gut zu. Das ist für den jenigen sehr tröstlich.

Der Kfz-Verbandkasten

4Die DIN 13164 legt genau fest, wie der Inhalt des Kfz-Verbandkastens auszusehen hat.

Das Mitführen eines Verbandkastens ist in jedem Pkw Pflicht und in der StVZO § 35h festgeschrieben. Mit der DIN 13164 ist genau festgelegt, wie der Inhalt des mitgeführten Verbandkastens auszusehen hat.

Dreieckstuch und Fixierbinden im Erste-Hilfe-Kasten

Das nicht sterile Dreieckstuch dient als Fixier- und Tragehilfe oder zur Polsterung. Sie setzen es bei Ellenbogen-, Knie- und Schulterverletzungen ein. Es dient nicht zur direkten Wundabdeckung. Mit den Binden fixieren Sie Wundauflagen und Verbände.

Fertig-Pflasterset, Heftpflaster und Kompressen im Erste-Hilfe-Set

Das 14-teilige Fertig-Pflasterset besteht aus Wundschnellverbänden, Fingerkuppenverbänden, Fingerverbänden und Pflasterstrips in verschiedenen Größen.

Das aufgespulte Heftpflaster hat eine Länge von 5 Metern und einen Außenschutz. Die sterile Kompresse dient als Wundauflage zum Blutstillen sowie zum Schutz der Wundfläche.

Feuchttücher, Schere, Rettungsdecke und medizinische Handschuhe im Erste-Hilfe-Koffer

Die Feuchttücher dienen zur Säuberung unverletzter Hautflächen. Die staubgeschützt verpackten Einmal-Handschuhe schützen den Helfer vor Infektionen durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Verunglückten.

Erste-Hilfe-Broschüre und Inhaltsverzeichnis

Das Inhaltsverzeichnis listet alle Erste-Hilfe-Materialien auf. Das Erste-Hilfe-Heftchen informiert über Sofortmaßnahmen.

Inhalt des Erste-Hilfe-Koffers für den Straßenverkehr im Überblick

AnzahlArtikelbezeichnungErläuterung
1Heftpflaster (DIN 13019-A)5 m × 2,5 cm auf Spule mit Außenschutz
114-teiliges Fertig-Pflastersetstaubgeschützt verpackt, mit4 Wundschnellverbänden (DIN 13019-E) zu 10 × 6 cm Fingerkuppenverbänden, 2 Pflasterstrips zu 12 × 2 cm, 4 Pflasterstrips zu 1,9 × 7,2 cm und 4 Pflasterstrips zu 2,5 × 7,2 cm
1Verbandpäckchen K (DIN 13151-K)3 m × 6 cm mit Kompresse: 6 × 8 cm  
2Verbandpäckchen M (DIN 13151-M)4 m × 8 cm mit Kompresse: 8 × 10 cm  
1Verbandpäckchen G (DIN 13151-G)4 m × 10 cm mit Kompresse: 10 × 12 cm  
1Verbandtuch (DIN 13152-BR)
1Verbandtuch (DIN 13152-A)
2elastische Fixierbinde (DIN 61634-FB 6)einzeln und staubgeschützt verpackt, 4 m × 6 cm  
3elastische Fixierbinde (DIN 61634-FB 8)einzeln und staubgeschützt verpackt, 4 m × 8 cm  
1Rettungsdeckemetallisierte, staubgeschützt verpackte Folie mit Reflexionsvermögen, Temperatur- und Alterungsbeständigkeit sowie Wärmeleitfähigkeit, in den Mindestmaßen: 2100 mm × 1600 mm
6sterile Kompressezur Wundauflage, max. paarweise verpackt, saugfähig, 100 × 100 mm  
2Dreiecktuch (DIN 13168-D)ggf. einzeln, staubgeschützt verpackt
1Verbandkastenschere (DIN 58279-A 145)  
2Feuchttuchzur Säuberung unverletzter Haut
4medizinische Handschuhe (DIN EN 455-1 bis -4) staubgeschützt verpackt, nahtlos, zum einmaligen Gebrauch  
1Erste-Hilfe-BroschüreInformationen zur Ersten Hilfe am Unfallort
1Inhaltsverzeichnismit Option, individuelle Daten einzutragen wie Kfz-Kennzeichen oder Fahrzeughalter

Achten Sie beim Kauf eines Erste-Hilfe-Sets darauf, dass diese den Inhalt nach DIN 13164 erfüllen.

Unsere Produkttipps: SÖHNGEN® KFZ-Verbandkasten Ku mit Füllung nach DIN 13164| Holthaus Medical Auto-Verbandkasten  Inhalt nach DIN 13164| Holthaus Medical Auto Verbandkasten First Aid Kit PREMIUM LINE Inhalt nach DIN 13164

Der betriebliche Verbandkasten

Auch am Arbeitsplatz ist ein Erste-Hilfe-Koffer Pflicht. Hierfür gelten die Normen DIN 13157 und DIN 13169. Der Unterschied liegt in der Größe. Je nach Art des Betriebs und der Anzahl der Mitarbeiter gelten unterschiedliche Bestimmungen. Der Verbandkasten nach DIN 13157 ist der kleinere mit weniger Inhalt. Der Verbandskasten nach DIN 13169 ist der größere mit mehr Inhalt. Zwei kleine Verbandskästen ersetzen einen großen Verbandskasten.

Auswahl des Ersten-Hilfe-Koffers für Betriebe

Art des BetriebsMitarbeiteranzahlArt und Anzahl des Verbandkastens
Verwaltungs- und Handelsbetriebe1–50 Mitarbeiter1 kleiner Verbandskasten
51–300 Mitarbeiter1 großer Verbandskasten
301–600 Mitarbeiter2 große Verbandskästen
je weitere 300 Mitarbeiter1 weiterer großer Verbandskasten
Herstellungs-, Verarbeitungs- und vergleichbare Betriebe1–20 Mitarbeiter1 kleiner Verbandskasten
21–100 Mitarbeiter1 großer Verbandskasten
101-200 Mitarbeiter2 große Verbandskästen
je weitere 100 Mitarbeiter1 weiterer großer Verbandskasten
Baustellen und Baustellenähnliche Einrichtungen1–10 Mitarbeiter1 kleiner Verbandskasten
11–50 Mitarbeiter1 Großer Verbandskasten
ab 50 Mitarbeiter2 große Verbandskästen
je weitere 50 Mitarbeiter1 weiterer großer Verbandskasten
Geforderte Art und Anzahl an Verbandkästen in Betrieben (Stand vom: 03.09.2020)

Unsere Produkttipps: Dr. Junghans Medical ERSTE HILFE VERBANDKASTEN aus Kunststoff mit Füllung DIN 13157-C | Holthaus Medical Verbandkasten Office DIN 13157 | SENADA Betriebs-Versandkasten minimal DIN 13157 | SENADA Betriebsfüllung – klein – DIN 131157  |  SENADA Maximal Betriebsverbandkasten mit Inhalt nach DIN 13169-E | SENADA Betriebsfüllung – groß – DIN 13169


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Stand vom: 03.09.2020

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen.

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