Französische Mauser

Wenn der Vogel Federn lässt

Wenn Wellensittiche ihr Federkleid wechseln, spricht man von der Mauser. Diese wird hormonell gesteuert. Wenn sie jedoch plötzlich, ihre Flügel- und Schwanzfedern verlieren, sind sie erkrankt. Ursächlich für den oft symmetrischen Verlust der Federn sind Polyoma-Viren. Oft betrifft die Erkrankung, die auch als Französische Mauser oder Rennerkrankheit bekannt ist, junge Tiere. Auch andere Papageiarten, wie Unzertrennliche, Aras oder Edelpapageien, können an der Polyomavirusinfektion erkranken.

Synonyme: Hopserkrankheit | Rennerkrankheit | Polyomavireninfektion

Auslöser der Rennerkrankheit: Infektion mit Polyomaviren

Polyomavirus
Der Polyomavirus ist für die Französische Mauser verantwortlich.

Die Familie der Polyomaviren (Polyomaviridae)

Das Polyomavirus ist ein nicht bemantelter DNA-Virus mit einem Durchmesser von 40 bis 45 Nanometern (nm). Diese spezifischen Viren besitzen ein sehr eingeschränktes Wirtsspektrum. Sie infizieren in der Regel nur eine Tierart oder nahe verwandte Arten.

Insgesamt gibt es 4 verschiedene Gattungen:

  • Alphapolyomavirus
  • Betapolyomavirus
  • Gammapolyomavirus
  • Deltapolyomavirus

Es sind auch humane Polyomaviren bekannt, unter anderem Typ 1 mit dem Namen JC-Virus und Typ 2, das sogenannte BK-Virus. Sie gehören der Gattung der Betapolyomaviren an. In der Regel erfolgt ein Infekt mit Polyomaviren beim Menschen völlig harmlos und unbemerkt. Man geht sogar von einer Durchseuchung mit dem BK-Virus von 80 bis 90 % der Bevölkerung aus. Bei imungeschwächten Personen, deren körpereigene Abwehr beispielsweise durch eine HIV-Infektion stark eingeschränkt ist, können gravierende Erkrankungen des Zentralnervensystems und des Urogenitaltraktes auftreten. Das JC-Virus führt bei AIDS zur progressiv multifokalen Leukoenzephalopathie (PML). Diese verläuft meist tödlich.

Vögel werden von Viren aus der Gattung Gammapolyomaviren befallen.

SpeziesBetroffene Vogelart
Corvus monedula polyomavirus 1 (Krähen-Polyomavirus)Krähen
Anser anser polyomavirus 1 (Hämorrhagisches Polyomavirus der Gänse (GHPV)) Gänse
Serinus canaria polyomavirus 1
(Finken-Polyomavirus)
Finken
Aves polyomavirus 1
(Avianes Polyomavirus 1, Wellensittich-Polyomavirus (BFPyV oder BFDV))
Wellensittich

Infektionswege

Die Infektion mit den Polyomaviren erfolgt bei Wellensitichen durch Kot, Haut- und Federzellen. Erwachsene Tiere sind häufig Ausscheider, ohne selbst Beschwerden zu haben. So wird der Virus oft direkt an die Nachkommen übertragen. Daneben kann es zu sogenannten Koinfektionen mit Circoviren kommen.

Symptome der Französischen Mauser

Polyomavirus,
Bei diesem Wellensittich ist die Polyomavirusinfektion sehr stark ausgeprägt. Bildquelle: Ralf Pfeifer, SittichPolyoma, CC BY-SA 3.0

Bei der Hopserkrankheit werden die Federn vorzeitig abgestoßen. Die Vögel befinden sich in einer fortwährenden Mauser. Die Flügelfedern können daher nie die richtige Fluglänge erreichen. Ein Fliegen ist somit für den Wellensittich nicht möglich. Ein Renner kann in der Regel ganz gut mit dieser Behinderung leben. Sonst gesund, klettert dieser viel und gern.

In schweren Fällen sind allerdings nicht nur die Flügel-, Schwung- und Schwanzfedern betroffen, sondern auch Federn auf Brust und Rücken. Die ständige Mauser belastet zudem manche Vögel so sehr, dass sie sich selbst die Federn herausreißen und sich blutig picken, um dem Juckreiz zu entkommen. Wunde Stellen können sich zum einen entzünden, zum anderen besteht auch Infektionsgefahr für die Artgenossen.

Bei Nestlingen treten bei einer akuten Erkrankung sogar häufig Todesfälle auf. Mam gent davon aus, dass eine Infektion schon im Ei stattfinden kann. Nach der Ansteckung sterben viele der Jungvögel innerhalb von 15 bis 20 Tagen.

Diagnose einer Polyomavireninfektion

Einen ersten Anhaltspunkt liefert die typische Veränderungen des Federkleides. Der Tierarzt sichert die Diagnose durch eine PCR-Untersuchung. Hierbei entnimmt der Veterinär fachgerecht Feder- und Blutproben und überprüft diese auf das Vorhandensein von Virus-DNA.

Behandlung der Französischen Mauser

Wellensittich
Hirse hilft bei der Mauser mit wichtigen Nährstoffen.

Der Tierarzt kann eine Infektion mit einer Blut- oder Kotuntersuchung nachweisen. Die Erkrankung selbst ist nicht therapierbar. Lediglich die Symptome können gemildert werden. Man verabreicht Rennervögeln spezielle Aufbaupräparate, sodass nachwachsende Federn gut mit Nährstoffen versorgt werden.

Unter anderem wird die Verabreichung von Kieselsäure empfohlen. Diese ist enthalten in:

Sie können Kieselerde auch als Pulver erwerben. Dieses lässt sich leicht mit dem Körnerfutter mischen. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt die richtige Dosis ab. Auch Schachtelhalmtee ist eine sinnvolle Alternative. Er sollte nicht zu heiß aufgebrüht werden. Süßen Sie zudem mit etwas Traubenzucker oder Honig.

Produkttipp zum Aufbau des Gefieders:   cdVet MicroMineral Ziervögel und ExotenFlügge® Kieselerde Pulver  | Salus Zinnkraut

Umgang mit chronisch erkrankten Wellensittichen

Ist das Immunsystem nicht fähig, den Erreger zu bekämpfen, erholt sich das Federkleid der betroffenen Wellensittiche nicht. Die Tiere können in der Regel nicht fliegen, sodass die Umgebung und die Versorgung angepasst werden müssen. Das Tier muss beispielsweise in der Lage sein, Käfig und Futterstellen ohne Fliegen erreichen zu können. Außerdem sollten dauerhaft Aufbaupräparate für ein starkes Immunsystem gegeben werden.

Schon gewusst?

Vögel deren Gefieder stark beeinträchtigt ist, benötigen eine Raumtemperatur von 20 °C, da sie ihre Körperwärme nicht mehr selbst regulieren können.

Betroffene Wellensittiche sollten dauerhaft von gesunden Tieren getrennt gehalten werden.

Vorbeugen einer Infektion

Wellensittich
Achtung: Polyomaviren verbreiten sich schnell in einem Bestand. Sond Vögel infiziert, sollte die Brut unterbrochen werden.

Bevor es zu einer Polyomainfektion kommt, sollten Bestände gegen die Einschleppung des Virus geschützt werden. Hierzu zählen Maßnahmen, wie:

  • Quarantäne und Untersuchung von Tieren, die neu oder wieder in den Bestand kommen
  • stichprobenartiges Monitoring durch Feder- und Blutproben der Nestlinge eines Bestandes
  • sofortige Entfernung von positiv getesteten Tieren aus dem Bestand

Wenn jedoch ein Großteil des Bestandes betroffen ist, müssen Züchter die Brut für 3 bis 4 Monate unterbrechen.


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Stand vom: 18.02.2019