Arzneimittel

Arzneimittel

Wirkstoffe können unterschiedlich verabreicht werden, etwa oral als Tabletten oder in Form einer Spritze.

Der Begriff „Arzneimittel“ bzw. kurz „Arznei“ hat seinen Ursprung im mittelhochdeutschen Wort  „arzenīe“. Dieses ist abgeleitet von dem Begriff „arzen“,  der mit „behandeln“ oder auch „heilen“ übersetzt werden kann. Es ist eine andere Bezeichnung für (lat.) Medikament bzw. auch (griech.) Pharmakon.

Das deutsche Arzneimittelgesetz (AMG) beschreibt in § 2, was genau unter dem Begriff Arznei zu verstehen ist. Arzneimittel sind demzufolge „Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen“, die für folgende Zwecke bestimmt sind:

  • für die Heilung, Linderung sowie zur Verhütung von Krankheiten
  • körpereigene Stoffe zu ersetzen um Körperfunktionen wiederherzustellen oder zu heilen
  • um medizinische Diagnosen zu stellen und um Erkenntnisse über Körperfunktionen zu erlangen

 

Arzneimittel werden dafür in und am menschlichen Körper verwendet. Der Gebrauch bzw. die Einnahme von Arzneimitteln bezeichnet man als Medikation.

Arzneistoffe

Das AMG legt in § -3 genau fest, welche Stoffe für die Herstellung von Arzneimitteln verwendet werden dürfen . Dazu zählen:

  • Kräuter

    Pflanzenteile können zu Arzeneien verarbeitet werden.

    chemische Elemente und Verbindungen und deren natürlich vorkommende Gemische und Lösungen

  • Pflanzen, Pflanzenteile und -bestandteile in bearbeitetem oder unbearbeitetem Zustand
  • Tierkörper, auch lebender Tiere, Körperteile und -bestandteile sowie Stoffwechselprodukte von Mensch oder Tier in bearbeitetem oder unbearbeitetem Zustand
  • Mikroorganismen einschließlich Viren ebenso wie deren Bestandteile und Stoffwechselprodukte

 

Auch Gegenstände, die ein Arzneimittel enthalten und im oder am menschlichen Körper angewendet werden, gelten als Arznei. Das betrifft z.B. Wundverbände, die ein desinfizierendes Medikament enthalten, ebenso wie Schmerzpflaster oder auch Hormonspiralen als Verhütungsmittel.

 

Arzneiformen

Pflaster und Salbe

Salben dienen zur lokalen Anwendung.

Da Arzneiwirkstoffe meist nicht in reiner Form verabreicht werden, werden sie mit Hilfe von anderen Stoffen zu optimalen Darreichungsformen verarbeitet. Die Arzneistoffe können in diesen Zubereitungen in fester, halbfester, flüssiger Form oder zum Teil auch als Gas vorliegen. Gängige Darreichungsformen sind Tabletten, Kapseln und Salben.

 

Herstellung von Arzneimitteln

Arzneimittel werden von Pharmaunternehmen entwickelt. Meist werden sie als Fertigarzneimittel hergestellt. Als Fertigarzneimittel gelten Medikamente, die im Voraus angefertigt wurden und in bestimmten Dosierungen verpackt auf den Markt gebracht werden. Die Arzneimittelzulassung regelt dabei den Vertrieb und die Qualität der Medikamente.

Die eigenständige Herstellung von Rezepturarzneimitteln in der Apotheke spielt heute nur noch eine geringe Rolle in der Arzneimittelproduktion.

 

Arzneimittelzulassung

Alle Arzneimittel müssen registriert und zugelassen sein, bevor sie angeboten und vertrieben werden dürfen. Die Zulassung und Registrierung von Arzneimitteln erfolgt durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

 

Vertrieb und Abgabe

Viele Arzneimittel dürfen nur in Apotheken verkauft werden. Einige werden nur dann herausgegeben, wenn ein ärztliches Rezept vorliegt.

Arznei zur Vorbeugung von Krankheiten, flüssige Verbandsstoffe, pflanzliche Arzneimittel oder zum äußeren Gebrauch bestimmte Desinfektionsmittel gehören zu den freiverkäuflichen Medikamenten und dürfen deshalb auch außerhalb von Apotheken im Einzelhandel angeboten werden.

 

Arzneimittelgruppen

TABLETTEN

Die Anzahl der Arzneimittel ist kaum überschaubar. Arzneimittelgruppen helfen, die Übersicht zu wahren.

Die Anzahl an Medikamenten auf dem Markt ist schier unüberschaubar groß. Viele Arzneimittel enthalten den gleichen Wirkstoff. Die Wirkstoffe sind entsprechend ihren Anwendungsgebieten und ihrem Wirkmechanismus in verschiedene Arzneimittelgruppen eingeteilt.

Die Bezeichnungen dieser Arzneimittelgruppen enden in der Einzahl meist mit der Silbe „-um“ und in der Mehrzahl mit der Endung „-a“, z.B. „Antibiotikum“ und „Antibiotika“. Die Silbe „Anti-“ bedeutet „gegen“ und der weitere Name sagt aus, wogegen der Wirkstoff eingesetzt wird.-

Da einige Wirkstoffe auch gegen mehrere Erkrankungen und Symptome helfen, sind sie auch mehreren Gruppen zugeordnet.

 

Wichtige Arzneimittelgruppen

  • Analgetika, wie Acetylsalicylsäure (z.B. ASS 100 – 1 A Pharma®), lindern Schmerzen
  • Antazida, wie Natron, neutralisieren Magensäure
  • Antibiotika, wie Penicilline, wirken bakteriellen Infektionen entgegen
  • Antidepressiva, wie Doxepin, wirken stimmungsaufhellend
  • Antidiarrhoika, wie Loperamid (z. B. Loperamid-ratiopharm® akut 2 mg Filmtabletten), gegen Durchfall
  • Antimetika, wie Dimenhydrinat (z. B. DIMENHYDRINAT AL 50 mg Tabletten), helfen bei Reisekrankheit und Erbrechen
  • Antiepileptika, wie Benzodiazepine, unterdrücken epileptische Anfälle
  • Antihistaminika, wie Cetirizin (z. B. Cetirizin HEXAL® Filmtabletten Allergien), gegen Symptome bei allergischen Reaktionen
  • Antihypertonika, wie Betablocker, senken Bluthochdruck
  • Antikoagulanzien, wie Heparin, hemmen die Blutgerinnung
  • Antimykotika, wie Clotrimazol (z. B. CLOTRIMAZOL AL 1 % Creme), wirken hemmend auf das Pilzwachstum
  • Antirheumatika, wie Diclofenac, helfen bei rheumatischen Erkrankungen
  • Antiseptika, wie Chlorhexidin, wirken desinfizierend
  • Antitussiva, wie Codein, unterdrücken Husten
  • Dermatika, wie Glukokortikoide, werden zur Behandlung von Hauterkrankungen eingesetzt
  • Diuretika, wie Furosemid, werden bei Nierenerkrankungen eingesetzt
  • Hormone, wie Thyroxin, helfen bei Dysbalancen oder geringer körpereigener Produktion
  • Immunsuppressiva, wie Glukokortikoide, unterdrücken Immunreaktionen, etwa nach Operationen
  • Narkotika, wie Lachgas, führen eine Narkose herbei
  • Neuroleptika, wie Fluspirilen, wirken antipsychotisch, beruhigend und dämpfend
  • Psychopharmaka, wie Antidepressiva, Neuroleptika und Tranquilizer, beeinflussen Stimmung, Antrieb und Emotionalität
  • Psychotonika, wie Modafinil, steigern Leistungs- und Konzentrationsvermögen
  • Schlafmittel, wie Benzodiazepine, helfen bei Schlafstörungen
  • Sedativa, wie Doxylaminsuccinat (z. B. Schlafsterne® 30 mg Tabletten), wirken beruhigend
  • Spasmolytika, wie Butylscopolamin, wirken Krämpfen der glatten Muskulatur entgegen
  • Vasodilatazien, wie Nitropräparate, erweitern Gefäße
  • Vasokonstringenzien, wie Adrenalin, sind gefäßverengend