Anti-Baby-Pille

Das sicherste und am häufigsten verwendete Verhütungsmittel

Die Anti-Baby-Pille, kurz auch oft nur „die Pille“ genannt ist das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel Deutschlands. 38 % der Frauen im Alter von 14 bis 44  Jahren nutzen es. Gewissenhaft eingenommen, schützt sie sehr sicher vor einer Schwangerschaft. Doch Achtung, die Hormoneinnahme bringt auch einige Risiken und Nebenwirkungen mit, die nicht zu unterschätzen sind.

Die Geschichte der Anti-Baby-Pille

Bereits im Jahr 1921 wurde durch Ludwig Haberlandt das erste Mal von einer Möglichkeit der oralen Schwangerschaftsverhütung (Kontrazeption) berichtet. Bis die Anti-Baby-Pille allerdings offiziell zugelassen wurde, vergingen noch 4 Jahrzehnte. Nach intensiver Forschung und unterstützt durch die Frauenrechtlerin Margaret Sanger war es im Jahr 1960 so weit –  die erste Pille „Enovid“ kam auf den US-amerikanischen Markt. Ein Jahr darauf folgte die erste Pille der Berliner Firma „Schering“ unter dem Namen „Anovlar“ und stand von da an auch den australischen und deutschen Frauen zur Verfügung.

Schon gewusst?

Die Pille erlebte schnell einen Boom als Verhütungsmittel was sich deutlich als Geburtenrückgang zeigte. Dieser Effekt wird bis heute als „Pillenknick“ in der Geburtenkurve der Industrienationen bezeichnet.

Als die Pille auf den Markt kam, war sie sehr lang umstritten. Eine Schwangerschaftsverhütung galt als unmoralisch und die Pille wurde anfangs nur verheirateten Frauen verschrieben.

Schon gewusst?

Da die Schwangerschaftsverhütung aus moralischen Gründen in der Nachkriegszeit als unsittlich betrachtet wurde, wurde die Pille von Schering vorerst als Mittel gegen Menstruationsstörungen herausgebracht. Ihre schwangerschaftsverhütende Wirkung wurde nur in einem Nebensatz erwähnt.

Die Wirkung der Anti-Baby-Pille

Die Anti-Baby-Pille ist ein hormonelles Verhütungsmittel welches künstliche Hormone enthält, zumeist Östrogene und Gestagene, die den Zyklus der Frau bei regelmäßiger Einnahme kontrollieren.

Der natürliche weibliche Zyklus

Gebärmutter mit Eierstöcken
Darstellung der Gebärmutter mit Eierstöcken und Eileitern

Im natürlichen weiblichen Hormonzyklus besteht ein Zusammenspiel zwischen Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und den Eierstöcken, welches über zyklisch ansteigenden und abfallenden Geschlechtshormone geregelt wird. Die Hypophyse führt mit der Produktion des follikelstimulierenden Hormons (FSH) in der ersten Zyklushälfte zur Eizellreifung in Follikeln der Eierstöcke. Mittzyklisch kommt es zu einer hohen Produktion des luteinisierenden Hormons (LH), welches den Eisprung auslöst. Die Eizelle wandert anschließend durch den Eileiter in die Gebärmutter. Auf diesem Weg kann es bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr zur Befruchtung durch Spermien kommen. Bei einer Befruchtung wandelt sich der gesprunge Follikel zum Gelbkörper um, welcher nun die Hormone Progesteron und auch Östrogene produziert. Progesteron zählt zu den Gestagenen. Die Konzentration an Gestagenen und Östrogenen bewirken eine Rückkopplung an die Hypophyse, wodurch nur noch wenig FSH und LH gebildet und die weitere Eizellreifung und weitere Eisprünge unterdrückt werden.

Durch den Einfluss des Progesteron bereitet sich die Gebärmutter außerdem auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vor, indem die Gebärmutterschleimhaut verstärkt aufgebaut wird. Der Gelbkörper produziert die schwangerschaftserhaltenden Hormone so lang, bis die entstehende Plazenta diese Aufgabe übernimmt. Tritt keine Schwangerschaft ein, bildet sich der Gelbkörper zurück, der Progesteron und Östrogenspiegel sinkt und die Menstruation setzt ein.

Der Wirkmechanismus der Verhütungspille

Durch die Einnahme der Pille kommt es zu einem künstlichen, konstanten Level an Geschlechtshormonen. Durch diesen konstanten Hormonspiegel wird der Einfluss der Steuerhormone FSH und LH aus der Hirnanhangsdrüse unterdrückt. Somit wird unter dem Einfluss der Pille die Eizellreifung und der Eisprung unterdrückt, sodass bei einer sachgemäßen Anwendung keine Schwangerschaft entstehen kann.

Zusätzlich führen die in der Pille enthaltenen Gestagene zu einer Veränderung der Bedingungen innerhalb der Gebärmutter (Uterus) und der Eileiter, sodass ein Schwangerschaftseintritt selbst bei einem Eisprung verhindert wird. So wird die Verflüssigung des Zervixschleims, welches zum leichteren Vordringen der Spermien in Richtung Eizelle dient, unterdrückt. Auch die Beweglichkeit der Eileiter wird herabgesetzt, sodass der Weg der Eizelle vom Eierstock in den Uterus erschwert wird. Das zyklische Aufbauen der Gebärmutterschleimhaut, welches Vorraussetzung für das Gelingen der Einnistung einer befruchteten Eizelle im Uterus ist, wird ebenfalls verhindert.

Die Hormonwirkung der Pille

Die Wirkung der Pillenhormone unterdrückt die Eizellreifung und den Eisprung. Sie verändert aber auch die Bedingungen innerhalb der weiblichen Geschlechtshormone so, dass es selbst bei einem erfolgten Eisprung kaum zu einer Schwangerschaft kommen kann.

Die verschiedenen Pillen-Arten

Die Auswahl an Anti-Baby-Pillen ist riesig. Die einzelnen Präparate unterscheiden sich hierbei in den enthaltenden Hormonen, den enthaltenen Hormondosierungen und dem Einnahmerhythmus.

Die Mikropille

Die am weitesten verbreitete Pillenart ist die Mikropille. Hierbei handelt es sich um ein Kombinationspräparat, welches sowohl Östrogene und Gestagene enthält. Sie unterdrückt die Eizellreifung und den Eisprung und verändert das Milieu innerhalb der Gebärmutter. Bei den Mikropillen unterscheidet man weiterhin zwischen:

Einphasenpräparate alle Tabletten enthalten die gleiche Hormonkonzentration
Mehrphasenpräparate die Hormonzusammensetzung ändert sich über die Einnahmezeit, entspricht eher dem natürlichen Zyklus, bessere Verträglichkeit

Die Minipille

Bei der Minipille handelt es sich um ein Präparat, welches ausschließlich Gestagene enthält. Bei dieser Pille entfallen die durch Östrogene bedingten Nebenwirkungen, wodurch sie meist sehr gut vertragen wird. Die Minipille kann auch in der Stillzeit eingenommen werden.

Die Wahl der richtigen Pille

Bei der Auswahl des richtigen Präparates wird Sie ihr Frauenarzt umfassend beraten. Hierbei spielen neben der verhütenden Wirkung und der Verträglichkeit auch hormonell beeinflussbare weitere Beschwerden eine Rolle. So helfen einige Präparate nebenbei auch gegen unreine Haut, verstärkten Haarwuchs im Gesichts- und Intimbereich und gegen das prämenstruelle Syndrom.

Die Darreichungsform und Einnahme der Pille

Die Einnahme der Mikropille erfolgt an 21 aufeinander folgenden Tagen. Im Anschluss erfolgt eine Pillenpause von 7 Tagen, in der es zur Hormonabbruchsblutung kommt. Die Anti-Baby-Pille liegt als Tablettenform vor, welche unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen wird. Die Einnahme sollte immer zur gleichen Uhrzeit erfolgen, um den Hormonspiegel konstant zu halten. Auf die Pillenpause kann auch verzichtet werden, man spricht dann von einem „Langzeitmodus“. Die Minipille wird hingegen immer im Langzeitmodus ohne Pause eingenommen.

Risiken und Nebenwirkungen der Pilleneinahme

Mit einem Pearl-Index von 0,3 ist die Pille ein sehr sicheres Verhütungsmittel. Bei einer gewissenhaften Einnahme werden nur 3 von 1000 Frauen in einem Jahr schwanger. Allerdings bringt die dauerhafte Hormoneinnahme auch Risiken und Nebenwirkungen mit sich.

Folgende Risiken bestehen bei der Einnahme der Antibabypille:

Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu o. g. Vorfällen kommt erhöht sich wenn weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte vorliegen.

Folgende Nebenwirkungen können bei der Einnahme der Antibabypille entstehen:

  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Brustspannen
  • trockene Scheidenschleimhaut
  • unreine Haut

Schon gewusst?

Der Pearl-Index stellt die Sicherheit einer Verhütungsmethode dar. Der Wert gibt an, wie viele von 100 Frauen bei der richtigen Verwendung einer Methode dennoch in einem Jahr schwanger werden. Bei der Pille beträgt er 0,3.

Kontraindiktionen der Anti-Baby-Pille

Auf eine Einnahme der Verhütungspille sollte unbedingt verzichtet werden, wenn Sie:

  • an einer Thrombembolie litten
  • einen Schlaganfall erlitten haben
  • an Bluthochdruck leiden
  • schwanger sind
  • rauchen und älter als 35 Jahre sind

Alternativen zur Anti-Baby-Pille

Die Alternativen zur Pille sind vielfältig. Letztendlich ist es sehr individuell, welches Verhütungsmittel für die Einzelne das Beste ist. Es empfiehlt sich ein Beratungsgespräch mit dem behandelnden Gynäkologen.

Das Kondom

Kondome
Kondome bieten nicht nur Schutz vor ungewollten Schwangerschaften, sondern auch vor Geschlechtskrankheiten.

Das klassische nicht-invasive Verhütungsmittel für den Mann, welches zusätzlich vor Geschlechtskrankheiten schützt. Es ist einfach anzuwenden, greift nicht in den Körper ein,  allerdings hat es einen schlechteren Pearl-Index zwischen 2 und 12.

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Die Spirale

Eine ebenfalls bekannte Alternative ist die Spirale, welche entweder rein mechanisch wirkt oder durch eine Hormonbeschichtung zusätzlich auch hormonell eine Schwangerschaft verhütet. Sie muss von einem Arzt eingesetzt werden und ihre Wirkung ist langanhaltend zwischen 3 und 5 Jahren. Es ist ebenfalls ein sehr sicheres Verhütungsmittel mit einem Pearl-Index von 0 bis 0,8, eignet sich allerdings nur für Frauen, die bereits ein Kind geboren haben.

Die Temperaturmethode

Thermometer
Die Temperaturmessmethode gehört zu den natürlichen Verhütungsmethoden.

Hierbei handelt es sich um eine natürliche Art der Verhütung, die den Effekt nutzt, dass die Körpertemperatur einen Tag nach dem Eisprung um ca. 0,5° Celsius ansteigt. Diese alternative Methode der Schwangerschaftsverhütung setzt einen regelmäßigen Zyklus voraus. Es wird morgens nach dem Aufwachen immer zur selben Uhrzeit die Basaltemperatur mit einem Thermometer bestimmt. Nach einigen Monaten der Beobachtung, kann so der Zeitpunkt des Eisprungs vorhergesagt werden, sodass man außerhalb des fruchtbaren Zeitraums (5 Tage vor, 1 Tag nach dem Eisprung) auf eine Verhütung verzichtet werden kann. Der Pearl-Index beträgt 1 bis 3.

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Mehr Informationen zu weiteren Verhütungsmitteln erfahren Sie in unserem Apothekertipp Richtig verhüten.


Unsere Seiten dienen lediglich Ihrer Information und ersetzen nicht die Diagnose und Behandlung durch den Arzt.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Wir stehen mit unserer Beratungshotline gern für Sie bereit.


Stand vom: 12.02.2019