Abnehmspritze: Der schnelle Weg zum Wunschgewicht oder ein unterschätztes Medikament?

Situation im Behandlungszimmer einer Arztpraxis: 2 Frauenhände halten einen Pen in der Hand, freundliche Ärztin sitzt gegenüber.

Weniger Hunger, kleinere Portionen und deutlich sichtbare Erfolge auf der Waage: Medikamente wie Wegovy, Mounjaro und Ozempic werden häufig als scheinbar unkomplizierte Lösung für Übergewicht beworben. Tatsächlich können moderne Inkretin-basierte Arzneimittel bei medizinisch geeigneten Patientinnen und Patienten eine erhebliche Gewichtsabnahme ermöglichen. Sie sind jedoch weder harmlose Diätprodukte noch für jede Person mit Abnehmwunsch zugelassen.

Wegovy und Mounjaro sind verschreibungspflichtige Arzneimittel zur langfristigen Gewichtsregulierung. Ihre Anwendung setzt bei Erwachsenen grundsätzlich Übergewicht mit mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung voraus. Ozempic enthält zwar denselben Wirkstoff wie Wegovy, ist in der Europäischen Union aber zur Behandlung des Typ-2-Diabetes und nicht zur alleinigen Gewichtsreduktion zugelassen.[1–3]

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine individuelle Diagnose, Nutzen-Risiko-Abwägung oder Therapieentscheidung.

Das Wichtigste in Kürze

  • „Abnehmspritze“ ist ein umgangssprachlicher Sammelbegriff, keine medizinisch einheitliche Arzneimittelgruppe.
  • Wegovy enthält Semaglutid und ist zur Gewichtsregulierung zugelassen.
  • Ozempic enthält ebenfalls Semaglutid, ist aber zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen.
  • Mounjaro enthält Tirzepatid und ist sowohl für Typ-2-Diabetes als auch für das Gewichtsmanagement bei Erwachsenen zugelassen.
  • Bei Erwachsenen gelten für Wegovy und Mounjaro grundsätzlich folgende BMI-Grenzen: mindestens 30 kg/m² oder mindestens 27 bis unter 30 kg/m² bei mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung.[1–3]
  • Die Präparate ergänzen eine kalorienreduzierte Ernährung und mehr körperliche Aktivität; sie sind nicht als alleinige Kurzzeittherapie vorgesehen.[1–4]
  • Ein Privatrezept erweitert die Arzneimittelzulassung nicht und begründet keinen Anspruch auf eine Verordnung.
  • Arzneimittel zur Gewichtsregulierung sind in Deutschland grundsätzlich von der regulären Versorgung durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen.[5]
  • Häufig sind Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen und weitere Magen-Darm-Beschwerden.[1–3]
  • Nach dem Absetzen kommt es bei vielen Behandelten erneut zu einer Gewichtszunahme.[6]
  • Semaglutid soll mindestens zwei Monate, Tirzepatid mindestens einen Monat vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.[1–3]

Was ist eine Abnehmspritze?

Der Begriff „Abnehmspritze“ bezeichnet kein bestimmtes Arzneimittel. Gemeint sind meist verschreibungspflichtige Präparate, die Rezeptoren körpereigener Darmhormone aktivieren und dadurch unter anderem Appetit, Sättigung, Nahrungsaufnahme und Blutzuckerregulation beeinflussen.

Zu den bekanntesten Wirkstoffen gehören:

WirkstoffWirkmechanismusBekannte Präparate
SemaglutidGLP-1-RezeptoragonistWegovy, Ozempic
TirzepatidGIP- und GLP-1-RezeptoragonistMounjaro
LiraglutidGLP-1-RezeptoragonistSaxenda

Die Präparate sind nicht austauschbar. Selbst wenn zwei Produkte denselben Wirkstoff enthalten, können sich Zulassung, Dosierung, Injektionshilfen und vorgesehenes Behandlungsschema unterscheiden.

Wie wirken Abnehmspritzen?

Semaglutid aktiviert den Rezeptor des Darmhormons GLP-1, kurz für Glucagon-like Peptide-1. Die Wirkung ist unter anderem mit einer verminderten Energieaufnahme, weniger Hunger und einem stärkeren Sättigungsgefühl verbunden. Bei erhöhtem Blutzucker fördert Semaglutid außerdem die Insulinfreisetzung und vermindert die Glukagonsekretion. Es kann die Magenentleerung verzögern.[1, 2]

Die Gewichtsabnahme entsteht nicht dadurch, dass das Arzneimittel unmittelbar Körperfett „verbrennt“. Sie beruht vor allem darauf, dass viele Behandelte weniger Appetit haben und über längere Zeit weniger Energie aufnehmen.

Tirzepatid aktiviert sowohl GIP- als auch GLP-1-Rezeptoren. Es beeinflusst damit mehrere Signalwege, die an Blutzuckerregulation, Appetit und Energieaufnahme beteiligt sind. Auch Tirzepatid wird einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt.[3]

Liraglutid ahmt das körpereigene Darmhormon GLP-1 nach. Es aktiviert GLP-1-Rezeptoren im Gehirn und verstärkt dadurch das Sättigungsgefühl. Hunger und Appetit nehmen ab, sodass viele Menschen kleinere Portionen essen.

Zusätzlich verzögert Liraglutid die Magenentleerung und unterstützt die Blutzuckerregulation: Bei erhöhtem Blutzucker fördert es die Insulinausschüttung und hemmt die Freisetzung von Glukagon. Im Gegensatz zu Semaglutid wird Liraglutid in der Regel täglich gespritzt.[10]

Unterschiede von Ozempic, Wegovy, Mounjaro und Saxenda

PräparatWirkstoffEU-Zulassung in diesem ZusammenhangAnwendung
OzempicSemaglutidTyp-2-Diabetes bei Erwachseneneinmal wöchentlich
WegovySemaglutidGewichtsmanagement; bei Erwachsenen sowie unter besonderen Voraussetzungen bei Jugendlichen ab zwölf Jahreneinmal wöchentlich
MounjaroTirzepatidTyp-2-Diabetes und Gewichtsmanagement bei Erwachseneneinmal wöchentlich
SaxendaLiraglutidGewichtsmanagementeinmal täglich

Die Tabelle gibt nur einen Überblick. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation des konkreten Präparats.[1–3]

Ist Ozempic eine Abnehmspritze?

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Ozempic häufig als Abnehmspritze bezeichnet. Zulassungsrechtlich ist diese Bezeichnung jedoch irreführend.

Ozempic ist in der Europäischen Union zur Behandlung von Erwachsenen mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes zugelassen. Es kann das Körpergewicht reduzieren, besitzt aber keine Zulassung zur alleinigen Behandlung von Übergewicht.[2]

Wird Ozempic einer Person ohne Typ-2-Diabetes ausschließlich zur Gewichtsreduktion verordnet, handelt es sich regelmäßig um einen Off-Label-Use. Das bedeutet, dass das Arzneimittel außerhalb des genehmigten Anwendungsgebiets eingesetzt wird.

Ein Off-Label-Use kann im Einzelfall ärztlich vertretbar sein. Er setzt jedoch eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung, eine entsprechende Aufklärung und eine nachvollziehbare Dokumentation voraus. Ein Privatrezept macht aus einer Off-Label-Anwendung keine zugelassene Anwendung.

Für das Gewichtsmanagement stehen mit Wegovy und Mounjaro zugelassene Alternativen zur Verfügung. Das ist bei der Begründung einer Verwendung von Ozempic allein zur Gewichtsreduktion zu berücksichtigen.

Warum enthalten Wegovy und Ozempic denselben Wirkstoff?

Wegovy und Ozempic enthalten beide Semaglutid. Sie wurden jedoch für unterschiedliche Behandlungsziele zugelassen und besitzen unterschiedliche Dosierungs- und Aufdosierungsschemata.

Wegovy wurde speziell als Ergänzung zu kalorienreduzierter Ernährung und verstärkter körperlicher Aktivität für das Gewichtsmanagement geprüft. Ozempic ist dagegen ein Arzneimittel für Typ-2-Diabetes.[1, 2]

Dass der Wirkstoff identisch ist, bedeutet daher nicht, dass die Produkte medizinisch oder zulassungsrechtlich gleichgesetzt werden können.

Für wen sind Wegovy und Mounjaro geeignet?

Wegovy und Mounjaro sind bei Erwachsenen zur Gewichtsregulierung zugelassen, wenn zu Beginn der Behandlung eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:

  1. BMI von mindestens 30 kg/m²: Es liegt Adipositas vor.
  2. BMI von mindestens 27 bis unter 30 kg/m²: Zusätzlich muss mindestens eine gewichtsbezogene Begleiterkrankung bestehen.[1, 3]

Als Begleiterkrankungen nennen die Produktinformationen beispielsweise:

Die Behandlung ist als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr körperlicher Aktivität vorgesehen. Sie ist nicht als Ersatz für sämtliche nichtmedikamentösen Maßnahmen zugelassen.[1, 3]

Wegovy besitzt darüber hinaus eine Zulassung für Jugendliche ab zwölf Jahren mit Adipositas und einem Körpergewicht von mehr als 60 Kilogramm. Für Jugendliche gelten eigene Voraussetzungen und Abbruchkriterien. Die Behandlung Minderjähriger gehört in die Hände eines entsprechend erfahrenen Behandlungsteams.[1]

Mounjaro ist für das Gewichtsmanagement derzeit auf Erwachsene ausgerichtet.[3]

BMI berechnen – so geht’s:

Der Body-Mass-Index wird nach folgender Formel berechnet:

BMI = Körpergewicht in Kilogramm ÷ Körpergröße in Metern²

Beispiel:

Eine Person wiegt 90 Kilogramm und ist 1,70 Meter groß:

90 ÷ 1,70² = 31,1 kg/m²

Der BMI ist ein einfaches Orientierungsmaß, bildet die individuelle Körperzusammensetzung aber nicht vollständig ab. Er unterscheidet beispielsweise nicht zwischen Fett- und Muskelmasse. Für eine Therapieentscheidung sollten deshalb auch Taillenumfang, Begleiterkrankungen, Körperzusammensetzung, bisheriger Gewichtsverlauf, Medikamente und das individuelle Gesundheitsrisiko berücksichtigt werden.[4]

Wie viel Gewicht kann man verlieren?

Das Ergebnis hängt von Wirkstoff, Dosis, Behandlungsdauer, Ausgangssituation, Verträglichkeit und individueller Reaktion ab. Studienmittelwerte sind keine Garantie für den Verlauf einer einzelnen Person.

In einer direkten randomisierten Vergleichsstudie bei Erwachsenen mit Adipositas, aber ohne Typ-2-Diabetes, betrug die mittlere Gewichtsabnahme nach 72 Wochen:

  • 20,2 % unter Tirzepatid
  • 13,7 % unter Semaglutid

Tirzepatid war Semaglutid hinsichtlich der durchschnittlichen Gewichts- und Taillenumfangsreduktion überlegen.[7] Die Studie wurde vom Hersteller von Tirzepatid finanziert. Das ist bei der Bewertung möglicher Interessenkonflikte zu berücksichtigen.

Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Mounjaro für jede Person automatisch die bessere Wahl ist. Zu berücksichtigen sind unter anderem:

  • Begleiterkrankungen
  • Verträglichkeit
  • Vorerkrankungen
  • Schwangerschaftsplanung
  • Wechselwirkungen
  • Verfügbarkeit
  • Kosten
  • individuelle Therapieziele

Die Zulassungsstudien wurden außerdem nicht mit einer reinen Medikamentenanwendung durchgeführt. Die Teilnehmenden erhielten begleitende Empfehlungen oder Interventionen zu Ernährung und körperlicher Aktivität.[1, 3, 7]

Für normalgewichtige Personen und für Menschen mit einem BMI unter 27 kg/m² entspricht eine Behandlung mit Wegovy oder Mounjaro nicht der zugelassenen Indikation.

Auch bei einem BMI zwischen 27 und unter 30 kg/m² reicht der Wunsch nach einer Gewichtsabnahme allein nicht aus. Es muss mindestens eine gewichtsbezogene Begleiterkrankung bestehen.[1, 3]

Die Präparate wurden nicht als kurzfristige Methode entwickelt, um vor einem Urlaub, einer Hochzeit oder einem Fototermin einige Kilogramm abzunehmen. Sie sind Arzneimittel zur Behandlung einer chronischen gesundheitlichen Problematik und häufig langfristig angelegt.

Wie schnell setzt die Wirkung ein?

Einige Behandelte bemerken bereits während der ersten Wochen Veränderungen von Hunger und Sättigung. Die relevante Gewichtsabnahme entwickelt sich normalerweise über Monate.

Die Anfangsdosis ist nicht zwingend die langfristige Zieldosis. Sie dient vor allem dazu, den Körper an die Behandlung zu gewöhnen und Magen-Darm-Nebenwirkungen zu begrenzen. Die Dosis wird nach dem jeweiligen Präparateschema schrittweise erhöht.[1–3]

Eine ausbleibende starke Gewichtsabnahme in den ersten Wochen bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Behandlung wirkungslos ist.

Abnehmen auf Rezept

Frau löst Rezept in einer Apotheke ein
Bild: Marielle Morawitz – 2komma8, mit Hilfe von KI generiert

Die sogenannten Abnehmspritzen sind nur auf Rezept erhältlich.

Was sollte vor einer Verordnung geprüft werden?

Eine starre, für alle Personen identische Untersuchungsliste gibt es nicht. Vor einer Verordnung sollten jedoch regelmäßig folgende Punkte geprüft werden:

  • Größe, Gewicht und BMI
  • Gewichtsverlauf und bisherige Behandlungsversuche
  • Begleit- und Folgeerkrankungen
  • aktuelle Medikamente
  • mögliche Arzneimittelwechselwirkungen
  • Blutzuckerstatus
  • Blutdruck und kardiovaskuläres Risiko
  • Nieren- und Leberfunktion, soweit medizinisch angezeigt
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • frühere Pankreatitis
  • Essverhalten und mögliche Essstörung
  • Schwangerschaft, Kinderwunsch und Empfängnisverhütung
  • geplante Operationen oder Narkosen

Welche Laboruntersuchungen erforderlich sind, richtet sich nach der individuellen Situation. Nicht jede Patientin und jeder Patient benötigt automatisch dieselben Bluttests.

Wer darf eine Abnehmspritze verschreiben?

Wegovy, Ozempic und Mounjaro sind verschreibungspflichtig. Verordnen dürfen approbierte Ärztinnen und Ärzte, sofern sie die Behandlung fachgerecht beurteilen und begleiten.

In Betracht kommen unter anderem:

  • hausärztliche Praxen
  • internistische Praxen
  • diabetologische und endokrinologische Praxen
  • spezialisierte Adipositasambulanzen oder Adipositaszentren

Entscheidend ist weniger die Fachbezeichnung als die Qualität der Indikationsstellung, Aufklärung, Verlaufskontrolle und Nebenwirkungsbehandlung.

Was bedeutet ein Privatrezept?

Bei einem Privatrezept bezahlt die Patientin oder der Patient das Arzneimittel in der Apotheke grundsätzlich selbst. Privat Versicherte können die Rechnung abhängig von Tarif, Diagnose und Versicherungsbedingungen zur Erstattung einreichen.

Ein Privatrezept bedeutet jedoch nicht, dass:

  • die medizinischen Voraussetzungen entfallen
  • Gegenanzeigen oder Warnhinweise unbeachtlich werden
  • dass eine Anwendung automatisch zugelassen ist
  • dass ein Anspruch auf das gewünschte Arzneimittel besteht
  • dass eine private Krankenversicherung die Kosten übernehmen muss

Die Ärztin oder der Arzt bleibt für Indikationsstellung, Aufklärung, Dosierung und Verlaufskontrolle verantwortlich.

Ist die Abnehmspritze mit Privatrezept leichter erhältlich?

Ein Privatrezept beseitigt lediglich die unmittelbare Frage der Abrechnung über die gesetzliche Krankenversicherung. Es ersetzt keine medizinische Indikation.

Eine seriöse Praxis sollte die Verordnung ablehnen, wenn:

  • die Zulassungsvoraussetzungen nicht erfüllt sind
  • das erwartbare Risiko den möglichen Nutzen überwiegt
  • wesentliche Informationen nicht geklärt werden können
  • eine unkontrollierte oder kurzfristige Anwendung beabsichtigt ist
  • keine angemessene medizinische Betreuung möglich ist

Auch Selbstzahlerinnen und Selbstzahler haben keinen Anspruch darauf, dass ein bestimmtes Wunschpräparat verschrieben wird.

Zahlt die gesetzliche Krankenkasse die Abnehmspritze?

Arzneimittel, die zur Gewichtsregulierung oder Gewichtsabnahme eingesetzt werden, sind nach § 34 SGB V grundsätzlich von der regulären Arzneimittelversorgung durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Wegovy und später auch Tirzepatid für die entsprechende Anwendung in der Anlage II der Arzneimittel-Richtlinie erfasst.[5]

Die Bezeichnung „Lifestyle-Arzneimittel“ ist eine sozialrechtliche Kategorie. Sie bedeutet nicht, dass Adipositas medizinisch lediglich eine Frage des Lebensstils oder mangelnder Disziplin wäre. Die deutsche S3-Leitlinie behandelt Adipositas als chronische Erkrankung, deren Entstehung und Verlauf durch biologische, psychische, soziale und umweltbezogene Faktoren beeinflusst werden.[4]

Wird Ozempic im zugelassenen Rahmen zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt, kann eine Verordnung zulasten der GKV grundsätzlich möglich sein.

Wird es dagegen allein zur Gewichtsreduktion eingesetzt, handelt es sich nicht um die zugelassene Diabetesbehandlung. Ein Off-Label-Use zulasten der GKV ist nur unter engen Voraussetzungen möglich und keine reguläre Erstattungsalternative für das Gewichtsmanagement.

Auch bei Mounjaro muss zwischen den Anwendungsgebieten unterschieden werden:

  • Einsatz zur Gewichtsregulierung: grundsätzlich vom gesetzlichen Verordnungsausschluss erfasst.
  • Einsatz bei Typ-2-Diabetes: Erstattung richtet sich nach den dafür geltenden medizinischen und vertragsärztlichen Voraussetzungen.

Nicht der Wirkstoff als solcher ist in jeder Anwendung ausgeschlossen, sondern die Verwendung für einen gesetzlich ausgeschlossenen Behandlungszweck.[5]

Übernimmt die private Krankenversicherung die Kosten?

Das hängt vom individuellen Versicherungsvertrag, dem gewählten Tarif, der Diagnose, der medizinischen Notwendigkeit und der konkreten Verordnung ab.

Vor Beginn einer kostenintensiven Behandlung empfiehlt sich eine schriftliche Leistungsanfrage. Dafür können insbesondere hilfreich sein:

  • Diagnose und Ausgangs-BMI
  • vorhandene Begleiterkrankungen
  • bisherige Behandlungsversuche
  • ärztliche Begründung
  • vorgesehenes Präparat
  • Therapie- und Kontrollplan

Ein Privatrezept allein verpflichtet eine private Krankenversicherung nicht zur Erstattung.

Was kostet die Abnehmspritze?

Die Selbstzahlerkosten unterscheiden sich nach Arzneimittel, Wirkstärke, Packungsgröße und aktuellem Apothekenverkaufspreis. Verlässliche Beträge sollten deshalb mit Datum und konkretem Präparat bei einer Apotheke erfragt werden.

Neben dem Medikament können Kosten entstehen für:

  • Erst- und Kontrolluntersuchungen
  • Laboruntersuchungen
  • Ernährungsberatung
  • Bewegungs- oder Verhaltenstherapie
  • Behandlung möglicher Nebenwirkungen

Da eine erfolgreiche Adipositastherapie häufig langfristig angelegt ist, sollten nicht nur die Kosten eines einzelnen Monats, sondern die voraussichtlichen Gesamtkosten berücksichtigt werden.

Wie werden Wegovy, Ozempic und Mounjaro angewendet?

Mann ist in einer Arztpraxis und liest den Beipackzettel, im Hintergrund eine Ärztin
Bild: Marielle Morawitz – 2komma8, mit Hilfe von KI generiert

Die Injektionspräparate werden einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt. Je nach Produktinformation kommen insbesondere Bauch, Oberschenkel oder Oberarm als Injektionsstellen infrage.[1–3]

Die Dosis wird schrittweise gesteigert. Eine eigenständige schnellere Aufdosierung oder die Anwendung zusätzlicher Dosen kann das Nebenwirkungs- und Überdosierungsrisiko erhöhen.

Die konkrete Bedienung des Pens richtet sich nach dem jeweiligen Produkt. Patientinnen und Patienten sollten vor der ersten Anwendung praktisch eingewiesen werden und die Packungsbeilage beachten.

Welche Vor- und Nachteile können Abnehmspritzen haben?

Neben vielen Vorteilen haben Abnehmspritzen jedoch auch einige Nachteile.

Vorteile von Abnehmspritzen

Für viele Behandelte ist dies wohl der größte Vorteil: Sie berichten über weniger Hunger, ein früheres Sättigungsgefühl und eine geringere Nahrungsaufnahme. Diese Wirkungen können die Umsetzung einer energiereduzierten Ernährung erleichtern.

Semaglutid und Tirzepatid können bei geeigneten Patientinnen und Patienten eine Gewichtsabnahme ermöglichen, die über die durchschnittlichen Ergebnisse vieler alleiniger Lebensstilprogramme hinausgeht.[4, 7]

Je nach Ausgangssituation können sich unter einer erfolgreichen Behandlung unter anderem verbessern:

  • Blutzuckerwerte
  • Blutdruck
  • Blutfette
  • körperliche Beweglichkeit
  • bestimmte gewichtsbezogene Beschwerden

Nicht jede Verbesserung tritt bei jeder Person auf. Zudem kann ein Teil der Effekte auf den Gewichtsverlust und ein anderer Teil auf direkte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen sein.

Die deutsche S3-Leitlinie sieht eine medikamentöse Behandlung nicht als isolierte Maßnahme, sondern als möglichen Bestandteil eines langfristigen, multimodalen Behandlungskonzepts.[4]

Welche Nachteile gibt es?

Magen-Darm-Beschwerden treten besonders während der Aufdosierung häufig auf. Manche Personen müssen die Dosissteigerung verzögern oder die Behandlung abbrechen.[1–3]

Bei fehlender Erstattung können über Monate oder Jahre erhebliche Selbstzahlerkosten entstehen.

Nicht jede Person erreicht eine starke Gewichtsabnahme. Bei manchen bleibt die Wirkung begrenzt oder die Behandlung muss wegen Nebenwirkungen beendet werden.

Nach Ende der Behandlung nimmt die pharmakologische Wirkung schrittweise ab. Hunger und Nahrungsaufnahme können erneut zunehmen und das Gewicht wieder steigen. Bei größerem Gewichtsverlust nimmt neben Fettmasse regelmäßig auch ein Teil der fettfreien Masse ab. Fettfreie Masse ist nicht mit Muskelmasse gleichzusetzen, umfasst aber auch Muskulatur.

Eine individuell angemessene Proteinzufuhr und regelmäßiges Krafttraining tragen dazu bei, Muskelmasse möglichst gut zu erhalten. Die Empfehlungen müssen insbesondere bei höherem Alter, Nierenerkrankungen oder anderen relevanten Vorerkrankungen angepasst werden.[4]

Vorteile und Nachteile im Überblick

Mögliche VorteileMögliche Nachteile und Grenzen
weniger Hunger und frühere Sättigunghäufige Magen-Darm-Beschwerden
klinisch relevante Gewichtsabnahme möglichnicht jede Person spricht ausreichend an
Verbesserung bestimmter Stoffwechselwerte möglichlangfristige Behandlung häufig erforderlich
zusätzliche Therapieoption bei Adipositashohe Selbstzahlerkosten
zugelassene Adipositasmedikamente verfügbarerneute Gewichtszunahme nach Absetzen häufig
mögliche Verbesserung gewichtsbezogener ErkrankungenVerlust fettfreier Masse möglich
wöchentliche Anwendung bei Semaglutid und Tirzepatidseltene, aber ernste Risiken

Welche Nebenwirkungen sind häufig?

Bei Semaglutid und Tirzepatid stehen Magen-Darm-Beschwerden im Vordergrund. Dazu zählen je nach Präparat insbesondere:

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind beispielsweise Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit oder Reaktionen an der Injektionsstelle. Art und Häufigkeit unterscheiden sich zwischen den Präparaten.[1–3]

Nicht jede Beschwerde während der Behandlung wird automatisch durch das Arzneimittel verursacht. Neu auftretende, anhaltende oder starke Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden.

Welche ernsten Risiken bestehen?

  • Flüssigkeitsmangel und Verschlechterung der Nierenfunktion: Anhaltender Durchfall oder starkes Erbrechen können zu erheblichem Flüssigkeitsverlust führen. Dadurch kann sich die Nierenfunktion verschlechtern, besonders bei vorbestehender Nierenerkrankung oder gleichzeitiger Einnahme entwässernder beziehungsweise blutdrucksenkender Medikamente.[1–3]
  • Akute Pankreatitis: Unter Semaglutid und Tirzepatid wurden akute Entzündungen der Bauchspeicheldrüse beobachtet. Starke und anhaltende Bauchschmerzen, gegebenenfalls mit Ausstrahlung in den Rücken, müssen umgehend ärztlich abgeklärt werden. Bei Verdacht auf eine Pankreatitis ist die Behandlung entsprechend der Produktinformation zu unterbrechen. Wird die Diagnose bestätigt, soll das betroffene Präparat nicht wieder begonnen werden.[1–3]
  • Gallensteine und Gallenblasenentzündung: Gallensteine und Entzündungen der Gallenblase sind mögliche Komplikationen. Auch eine schnelle oder starke Gewichtsabnahme kann unabhängig vom konkreten Arzneimittel das Gallensteinrisiko erhöhen.[1–3]
  • Unterzuckerung: Semaglutid und Tirzepatid verursachen allein bei Menschen ohne Diabetes üblicherweise keine schwere Unterzuckerung. Das Risiko steigt jedoch bei gleichzeitiger Anwendung von Insulin oder Sulfonylharnstoffen. In solchen Fällen kann eine Anpassung der Diabetesmedikation erforderlich sein.[1–3]
  • Verzögerte Magenentleerung und Narkose: Aufgrund der verzögerten Magenentleerung kann sich trotz Einhaltung üblicher Nüchternheitsregeln noch Mageninhalt im Magen befinden. Bei Narkose oder tiefer Sedierung kann dies das Aspirationsrisiko erhöhen.[1–3]
  • Vor einer Operation, Endoskopie oder Sedierung muss das Behandlungsteam deshalb über die Einnahme informiert werden. Ob das Medikament pausiert werden soll, entscheidet das zuständige Team individuell. Eine eigenständige Pause ist nicht in jedem Fall erforderlich und kann insbesondere bei Diabetes andere Risiken verursachen.
  • Sehverschlechterung und NAION unter Semaglutid: Die Europäische Arzneimittel-Agentur bewertet die nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie, kurz NAION, als sehr seltene Nebenwirkung semaglutidhaltiger Arzneimittel. Betroffen sind damit insbesondere Wegovy und Ozempic, nicht automatisch alle Abnehmspritzen.[8] Bei plötzlichem Sehverlust oder rascher deutlicher Sehverschlechterung ist eine sofortige augenärztliche Untersuchung erforderlich. Wird eine NAION bestätigt, soll Semaglutid entsprechend der aktuellen Produktinformation beendet werden.[1, 2, 8]

Wann ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich?

Dringend abgeklärt werden sollten insbesondere:

  • starke, anhaltende Bauch- oder Oberbauchschmerzen
  • wiederholtes Erbrechen und fehlende Flüssigkeitsaufnahme
  • deutliche Zeichen der Austrocknung
  • Atemnot, Kreislaufprobleme oder Schwellungen von Gesicht und Hals
  • plötzlicher Sehverlust oder starke Sehverschlechterung
  • schwere Unterzuckerung
  • Gelbfärbung von Haut oder Augen
  • Bewusstseinsstörungen
  • starke Bauchaufblähung in Verbindung mit Schmerzen, Erbrechen oder ausbleibendem Stuhlgang

Bei akuter Lebensgefahr ist der Rettungsdienst zu verständigen.

Was passiert nach dem Absetzen?

Nach dem Absetzen entfällt die pharmakologische Wirkung schrittweise. Viele Behandelte berichten wieder über mehr Hunger und eine höhere Energieaufnahme.

In der Verlängerungsbeobachtung der STEP-1-Studie nahmen die Teilnehmenden innerhalb eines Jahres nach Absetzen von Semaglutid und Ende der strukturierten Lebensstilunterstützung durchschnittlich etwa zwei Drittel des zuvor verlorenen Gewichts wieder zu. Der individuelle Verlauf war jedoch unterschiedlich.[6]

Diese Ergebnisse beweisen nicht, dass jede Person zwangsläufig das gesamte verlorene Gewicht wieder zunimmt. Sie zeigen aber, dass Adipositas häufig eine langfristige Behandlung und Nachsorge erfordert.

Bereits während der medikamentösen Therapie sollte deshalb ein Konzept entwickelt werden für:

  • langfristig umsetzbare Ernährung
  • Alltagsbewegung und Ausdauer
  • Erhalt oder Aufbau von Muskelkraft
  • Schlaf und Stressregulation
  • Umgang mit emotionalem Essen
  • regelmäßige Gewichtskontrollen
  • medizinische Nachsorge

Muss man die Abnehmspritze lebenslang anwenden?

Eine für alle Menschen gültige Behandlungsdauer gibt es nicht.

Bei manchen Patientinnen und Patienten kann eine langfristige Behandlung medizinisch sinnvoll sein. Bei anderen wird sie beendet, etwa wegen:

  • unzureichender Wirkung
  • Nebenwirkungen
  • Schwangerschaft oder Kinderwunsch
  • veränderter gesundheitlicher Situation
  • fehlender Finanzierbarkeit
  • persönlicher Therapieentscheidung

Ein Absetzen verursacht normalerweise keinen klassischen körperlichen Entzug. Die appetithemmende Wirkung nimmt jedoch ab. Deshalb sollte das Ende der Behandlung möglichst geplant und ärztlich begleitet werden.

Die Frage ist nicht nur, ob das Arzneimittel „lebenslang“ genommen werden muss, sondern ob Nutzen, Risiken und Alternativen regelmäßig neu bewertet werden.

Wer darf die Medikamente nicht anwenden?

  • Formale Gegenanzeige: Die europäische Fachinformation nennt bei Wegovy, Ozempic und Mounjaro als formale Gegenanzeige insbesondere eine Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil des Arzneimittels.[1–3]
  • Schwangerschaft: Semaglutid soll während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Tirzepatid wird während der Schwangerschaft ebenfalls nicht empfohlen. Tritt eine Schwangerschaft ein, muss die Behandlung zeitnah ärztlich überprüft und in der Regel beendet werden.[1–3]

Es gibt auch Situationen mit besonderem Prüf- oder Vorsichtsbedarf. Eine individuelle ärztliche Beurteilung ist besonders wichtig bei:

  • Pankreatitis in der Vorgeschichte
  • schwerer Gastroparese oder anderer schwerer Magen-Darm-Erkrankung
  • schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung
  • diabetischer Retinopathie
  • gleichzeitiger Anwendung von Insulin oder Sulfonylharnstoffen
  • wiederkehrendem Erbrechen oder erheblichem Flüssigkeitsmangel
  • geplanter Operation oder Sedierung
  • aktiver Essstörung oder stark gestörtem Essverhalten

Diese Situationen sind nicht automatisch alle formale Gegenanzeigen. Je nach Präparat können jedoch Warnhinweise, eine begrenzte Datenlage, besondere Kontrollen oder eine medizinische Nichteignung bestehen.[1–4]

Abnehmspritze bei Kinderwunsch und Schwangerschaft?

Etwas übergewichtige Frau sitzt auf dem Sofa und schaut verträumt aus dem Fenster. Rechts neben ihr ist eine Denkblase sichtbar. In  dieser ist die selbe Frau mit einem Baby auf dem Arm.
Steht die Verwendung der Abnehmspritze einem Kinderwunsch entgegen?
Bild: Marielle Morawitz – 2komma8, mit Hilfe von KI generiert

Frauen im gebärfähigen Alter wird während der Behandlung eine zuverlässige Empfängnisverhütung empfohlen. Wegen der langen Halbwertszeit soll Semaglutid mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.[1, 2]

Tirzepatid soll mindestens einen Monat vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.[3]

Tritt während der Behandlung eine Schwangerschaft ein, sollte die Patientin das Medikament nicht ohne weitere Planung einfach weiter anwenden. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt muss die Therapie umgehend überprüfen.

Bei einer Behandlung wegen Typ-2-Diabetes muss gleichzeitig eine sichere alternative Blutzuckerkontrolle organisiert werden, da schlecht eingestellter Diabetes ebenfalls Risiken für Mutter und Kind verursacht.

Beeinflussen Abnehmspritzen die Antibabypille?

Tirzepatid kann durch die verzögerte Magenentleerung insbesondere zu Beginn der Behandlung und nach Dosiserhöhungen die Aufnahme oral eingenommener Arzneimittel beeinflussen.

Die aktuelle Mounjaro-Produktinformation enthält hierzu konkrete Hinweise für orale hormonelle Kontrazeptiva. Betroffene Patientinnen sollten die Vorgaben der jeweils aktuellen Fach- und Gebrauchsinformation beachten und die Verhütung mit der behandelnden Praxis besprechen.[3]

Bei Erbrechen oder schwerem Durchfall kann die Zuverlässigkeit oraler Verhütungsmittel zusätzlich beeinträchtigt sein.

Warum Ernährung und Bewegung weiterhin wichtig sind

Abnehmspritzen wurden als Ergänzung und nicht als Ersatz einer langfristigen Basistherapie zugelassen.[1,3,4]

Eine bedarfsgerechte Proteinzufuhr kann zusammen mit Krafttraining helfen, Muskelmasse während der Gewichtsabnahme zu erhalten. Geeignete Lebensmittel können sein:

  • Hülsenfrüchte
  • Tofu und Tempeh
  • Milchprodukte
  • Eier
  • Fisch
  • mageres Fleisch
  • Nüsse und Samen

Bei eingeschränkter Nierenfunktion oder anderen relevanten Erkrankungen sollte die Proteinmenge medizinisch beziehungsweise ernährungstherapeutisch abgestimmt werden.

Krafttraining setzt einen Trainingsreiz für die Muskulatur. Ausdauertraining und mehr Alltagsbewegung unterstützen die körperliche Leistungsfähigkeit und das Gewichtsmanagement.

Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Obst können die Verdauung unterstützen. Bei Verstopfung sollte die Ballaststoffzufuhr langsam gesteigert und mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr verbunden werden.

Große, sehr fettreiche oder hastig verzehrte Mahlzeiten können Übelkeit, Völlegefühl und Sodbrennen verstärken. Viele Behandelte vertragen kleinere Portionen besser.

Bei Durchfall oder Erbrechen steigt der Flüssigkeitsbedarf. Anhaltende Beschwerden oder Zeichen der Austrocknung müssen medizinisch abgeklärt werden.

Darf man Alkohol trinken?

Ein generelles Alkoholverbot findet sich nicht für jede behandelte Person und jedes Präparat. Alkohol kann jedoch:

  • zusätzliche Energie liefern
  • Übelkeit oder Magenbeschwerden verstärken
  • bei Diabetes den Blutzucker unvorhersehbar beeinflussen
  • das Risiko einer Unterzuckerung unter bestimmten Diabetesmedikamenten erhöhen
  • bei Lebererkrankungen oder erhöhtem Pankreatitisrisiko besonders problematisch sein

Die individuelle Empfehlung hängt von Erkrankungen, Begleitmedikation, Trinkmenge und Behandlungssituation ab.

Abnehmspritze online kaufen: Woran erkennt man unseriöse Angebote?

Der hohe Bedarf hat einen Markt für illegale und gefälschte Präparate geschaffen.

Warnzeichen sind insbesondere:

  • Abgabe ohne Rezept
  • Verkauf über Messenger oder soziale Netzwerke
  • fehlende ärztliche Prüfung
  • ungewöhnlich niedrige Preise
  • fehlendes oder nicht überprüfbares Impressum
  • unklare Herkunft
  • Pulver oder selbst abzufüllende Lösungen
  • keine nachvollziehbare Lagerung und Kühlkette
  • garantierte Gewichtsabnahmen
  • nachgeahmte Pens oder Verpackungen

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte berichtete über gefälschte Ozempic-Pens, in denen kein Semaglutid, sondern Insulin enthalten war. Dadurch bestand die Gefahr schwerer und potenziell lebensbedrohlicher Unterzuckerungen.[9]

Verschreibungspflichtige Präparate sollten nur mit gültigem Rezept über eine zugelassene Vor-Ort- oder Versandapotheke bezogen werden.

Welche Alternativen gibt es zur Abnehmspritze?

Neben Wegovy und Mounjaro gibt es kostengünstigere Möglichkeiten zur Gewichtsreduktion. Eine zugelassene medikamentöse Alternative ist Orlistat. Der Wirkstoff hemmt Verdauungsenzyme im Darm, sodass ein Teil des mit der Nahrung aufgenommenen Fetts nicht resorbiert, sondern mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Orlistat unterdrückt den Appetit nicht und wirkt im Durchschnitt deutlich schwächer auf das Körpergewicht als moderne GLP-1- oder GIP/GLP-1-basierte Medikamente.[11]

Die verschreibungspflichtige Dosierung von 120 mg ist zusammen mit einer leicht kalorienreduzierten Ernährung für Erwachsene mit einem BMI ab 30 kg/m² oder ab über 28 kg/m² bei zusätzlichen Risikofaktoren zugelassen. Niedriger dosiertes Orlistat mit 60 mg ist für Erwachsene mit einem BMI ab 28 kg/m² ohne Rezept erhältlich.[11,12] Die Behandlung soll beendet werden, wenn nach zwölf Wochen keine Gewichtsabnahme von mindestens 5 % des Ausgangsgewichts erreicht wurde.[11]

Typische Nebenwirkungen sind fettige beziehungsweise ölige Stühle, Stuhldrang, Blähungen mit Stuhlabgang und eine erhöhte Stuhlfrequenz. Sie treten besonders nach fettreichen Mahlzeiten auf. Orlistat kann außerdem die Aufnahme fettlöslicher Vitamine und bestimmter Arzneimittel beeinträchtigen. Deshalb sollte auch ein rezeptfreies Präparat vor der Anwendung mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Apotheke besprochen werden.[11]

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Strukturierte Ernährungsprogramme und Formula-Produkte

Bei leichtem bis mäßigem Übergewicht ohne relevante Begleiterkrankungen können strukturierte Programme, die Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderungen verbinden, eine kostengünstigere und langfristig sinnvollere Alternative darstellen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für die nachhaltige Gewichtsregulation eine Kombination aus Ernährungsumstellung, Verhaltensänderung und körperlicher Aktivität.[13]

Bei Adipositas können zeitlich begrenzte Formula-Diäten unter fachlicher oder ärztlicher Begleitung einen stärkeren anfänglichen Gewichtsverlust ermöglichen. Sie sollten jedoch in ein langfristiges Behandlungskonzept eingebunden werden und sind nicht als unbeaufsichtigte Dauerernährung gedacht.[16]

Fazit: Wirksam, aber keine harmlose Abkürzung

Wegovy und Mounjaro haben die medikamentöse Behandlung der Adipositas wesentlich erweitert. Bei medizinisch geeigneten Patientinnen und Patienten können sie eine erhebliche Gewichtsabnahme unterstützen und gewichtsbezogene Gesundheitsrisiken verbessern.

Der Erfolg der Präparate hat jedoch dazu geführt, dass sie teilweise als Lifestyle- oder Kosmetikprodukte wahrgenommen werden. Das wird ihrer medizinischen Bedeutung und ihren Risiken nicht gerecht.

Ozempic bleibt ein Arzneimittel zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Eine Verwendung ausschließlich zur Gewichtsreduktion bei Personen ohne entsprechende Diabetesindikation erfolgt außerhalb seiner Zulassung.

Auch ein Privatrezept macht Wegovy oder Mounjaro nicht zu frei verfügbaren Wunschmedikamenten. Vor einer Verordnung müssen Nutzen, Risiken, Vorerkrankungen, Begleitmedikamente, Schwangerschaftsplanung und die langfristige Behandlungsstrategie geprüft werden.

Die Medikamente wirken am sinnvollsten als Bestandteil eines umfassenden Behandlungskonzepts. Dazu gehören eine langfristig tragfähige Ernährung, regelmäßige Bewegung, Erhalt der Muskelmasse, Verhaltensänderungen und medizinische Verlaufskontrollen.[4]

FAQ zur Abnehmspritze

Welche Abnehmspritze ist die beste?

Es gibt kein Präparat, das für jede Person am besten geeignet ist. Tirzepatid führte in einer direkten Vergleichsstudie im Mittel zu einer stärkeren Gewichtsabnahme als Semaglutid.[7] Die individuelle Entscheidung hängt jedoch auch von Begleiterkrankungen, Risiken, Verträglichkeit, Schwangerschaftsplanung, Kosten und persönlichen Therapiezielen ab.

Ist Wegovy dasselbe wie Ozempic?

Nein. Beide enthalten Semaglutid, besitzen aber unterschiedliche Zulassungen und Dosierungsschemata. Wegovy ist zur Gewichtsregulierung zugelassen; Ozempic zur Behandlung des Typ-2-Diabetes.[1, 2]

Ist Mounjaro stärker als Wegovy?

Im direkten 72-wöchigen Studienvergleich war die durchschnittliche Gewichtsabnahme unter Tirzepatid größer als unter Semaglutid.[7] Daraus folgt nicht automatisch, dass Mounjaro für jede einzelne Person medizinisch besser geeignet ist.

Bekommt man eine Abnehmspritze ohne Diabetes?

Ja. Für Wegovy und Mounjaro ist kein Diabetes erforderlich, wenn die Voraussetzungen für das Gewichtsmanagement erfüllt sind: bei Erwachsenen BMI ab 30 kg/m² oder ab 27 bis unter 30 kg/m² mit mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung.[1, 3]

Bekommt man Ozempic ohne Diabetes?

Eine ärztlich verantwortete Verordnung ist im Einzelfall als Off-Label-Use denkbar. Ozempic ist jedoch nicht zur alleinigen Gewichtsreduktion zugelassen. Für das Gewichtsmanagement stehen zugelassene Alternativen zur Verfügung.

Reicht leichtes Übergewicht für ein Rezept?

Nicht immer. Bei einem BMI zwischen 27 und unter 30 kg/m² muss für Wegovy oder Mounjaro zusätzlich mindestens eine gewichtsbezogene Begleiterkrankung bestehen.[1, 3]

Zahlt die gesetzliche Krankenkasse Wegovy?

Bei der Anwendung zur Gewichtsregulierung grundsätzlich nicht. Der gesetzliche Verordnungsausschluss wurde vom G-BA in der Arzneimittel-Richtlinie nachvollzogen.[5]

Wie lange dauert es, bis die Spritze wirkt?

Veränderungen von Hunger und Sättigung können in den ersten Wochen auftreten. Die Gewichtsabnahme entwickelt sich üblicherweise über Monate. Die Dosis wird schrittweise erhöht.[1–3]

Welche Nebenwirkungen sind am häufigsten?

Am häufigsten treten Magen-Darm-Beschwerden auf, insbesondere Übelkeit, Durchfall, Verstopfung und Erbrechen.[1–3]

Darf man Semaglutid bei Kinderwunsch anwenden?

Semaglutid soll mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.[1, 2]

Kann man nach dem Absetzen wieder zunehmen?


Ja. Eine erneute Gewichtszunahme ist häufig, aber individuell unterschiedlich. In der STEP-1-Verlängerungsstudie wurde innerhalb eines Jahres durchschnittlich etwa zwei Drittel des zuvor verlorenen Gewichts wieder zugenommen.[6]

Kann man die Abnehmspritze im Internet bestellen?

Nur über eine zugelassene Apotheke und mit gültigem Rezept. Angebote ohne Rezept oder aus unklarer Quelle bergen ein erhebliches Fälschungs- und Gesundheitsrisiko.[9]


Unsere Seiten dienen lediglich Ihrer Information und ersetzen nicht die Diagnose und Behandlung durch ärztliches Personal.

Die Nennung verschreibungspflichtiger Arzneimittel dient ausschließlich der allgemeinen Information. Sie stellt keine individuelle Therapieempfehlung, keine Produktempfehlung und keinen Wirksamkeitsvergleich dar. Auswahl, Verordnung, Dosierung und Kontrolle einer medikamentösen Behandlung erfolgen ausschließlich durch Ärztinnen und Ärzte.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.

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veröffentlicht am: 24.06.2026

Coverbild: Marielle Morawitz – 2komma8, mithilfe von KI generiert

Quellenverzeichnis

[1] European Medicines Agency. Wegovy: EPAR – Product Information. Amsterdam: EMA; aktuelle Fassung, abgerufen am 24. Juni 2026. Insbesondere Abschnitte 4.1 „Anwendungsgebiete“, 4.2 „Dosierung und Art der Anwendung“, 4.3 „Gegenanzeigen“, 4.4 „Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“, 4.6 „Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit“ sowie 4.8 „Nebenwirkungen“.

[2] European Medicines Agency. Ozempic: EPAR – Product Information. Amsterdam: EMA; aktuelle Fassung, abgerufen am 24. Juni 2026. Insbesondere Abschnitte 4.1–4.8.

[3] European Medicines Agency. Mounjaro: EPAR – Product Information. Amsterdam: EMA; zuletzt aktualisiert am 26. Februar 2026, abgerufen am 24. Juni 2026. Insbesondere Abschnitte 4.1–4.8.

[4] Deutsche Adipositas-Gesellschaft; Deutsche Diabetes Gesellschaft; Deutsche Gesellschaft für Ernährung; Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin, et al. S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas. Version 5.0. AWMF-Registernummer 050-001. Stand: 7. Oktober 2024.

[5] Gemeinsamer Bundesausschuss. Arzneimittel-Richtlinie, Anlage II: Lifestyle-Arzneimittel; gesetzlicher Verordnungsausschluss von Arzneimitteln zur Gewichtsregulierung. Beschlüsse zu Semaglutid vom 21. März 2024 und zu Tirzepatid vom 19. September 2024. Berlin: G-BA.

[6] Wilding JPH, Batterham RL, Davies M, et al. Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: The STEP 1 trial extension. Diabetes Obes Metab. 2022;24(8):1553–1564. doi:10.1111/dom.14725.

[7] Aronne LJ, Sattar N, Horn DB, et al. Tirzepatide as compared with semaglutide for the treatment of obesity. N Engl J Med. 2025;393:26–36. doi:10.1056/NEJMoa2416394.

[8] European Medicines Agency, Pharmacovigilance Risk Assessment Committee. PRAC concludes eye condition NAION is a very rare side effect of semaglutide medicines Ozempic, Rybelsus and Wegovy. EMA; 6. Juni 2025.

[9] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Fälschung des Arzneimittels Ozempic. Bonn: BfArM; aktuelle Risikoinformation, abgerufen am 24. Juni 2026.

[10] European Medicines Agency (EMA): Saxenda 6 mg/ml solution for injection in pre-filled pen – Summary of Product Characteristics, Abschnitte 4.2 und 5.1.

[11] European Medicines Agency. Xenical: EPAR – Product Information. Amsterdam: EMA; aktuelle Fassung. Insbesondere Abschnitte 4.1, 4.2, 4.4, 4.5 und 4.8.

[12] European Medicines Agency. Alli: EPAR – Product Information. Amsterdam: EMA; aktuelle Fassung.

[13] Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Diäten und Fasten: Empfehlungen zur langfristigen Gewichtsregulation. Bonn: DGE; aktuelle Onlinefassung.

[14] Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Formula-Diäten. Bonn: DGE; aktuelle Onlinefassung.