Schilddrüsenüberfunktion

Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Hormone. Da die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) den Stoffwechsel ankurbeln, werden dieser und die Herzfrequenz beschleunigt. In der Folge verlieren die Betroffenen an Gewicht, haben Bluthochdruck, sind nervös und leiden unter Schlafstörungen.

Hyperthyreose: Vorkommen in Deutschland

Frauen sind deutlich öfter betroffen als Männer: Während von 1000 Männern lediglich 2 unter einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) leiden, betrifft es rund 20 von 1000 Frauen.

Begriffsherkunft

Der medizinische Fachausdruck für die Schilddrüsenüberfunktion lautet “Hyperthyreose”. Der griechische Begriff „Thyroidea“ bezeichnet die Schilddrüse. Die griechische Vorsilbe für „über“ lautet „hyper“. 

Ursachen der Schilddrüsenüberfunktion

Genau genommen ist die Überfunktion der Schilddrüse keine eigenständige Erkrankung, sondern vielmehr Symptom verschiedener Krankheiten, wie Morbus BasedowSchilddrüsenautonomie oder einer  Schilddrüsenentzündung. Auch Schilddrüsenkrebs, ein hormonbildender Tumor der Hirnanhangsdrüse oder eine falsche Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung können ursächlich sein.

Morbus Basedow (basedowsche Krankheit)

Bei Autoimmunerkrankungen, wie der basedowschen Krankheit, richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Bei Morbus Basedow aktivieren Antikörper die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Daher spricht man auch von immunogene Hyperthyreose oder Immunhyperthyreose. Auslöser sind eine Infektion mit Viren oder Umwelteinflüsse.

Schon gewusst?

Die britische Schauspielerin Maggie Smith, auch bekannt als
Professorin Minerva McGonagall aus Harry-Potter-Filmen leidet unter Morbus Basedow.

Die Erkrankung äußert sich bei etwa der Hälfte aller Betroffenen auch am veränderten Erscheinungsbild der Augen. So treten die Augäpfel stärker hervor als üblich. Mediziner sagen dazu “Exophthalmus”. Umgangssprachlich ist dieses Erkrankungsbild als “Glubschauge” bekannt. Die übermäßig großen und weit aufgerissenen Augen entstehen durch eine Zunahme des Gewebes hinter dem Augapfel. Mitunter lassen sich die Lider nicht mehr richtig schließen, sodass die Augen viel tränen, die Bindehaut gerötet ist und ein Fremdkörpergefühl entsteht. Es kommt teilweise sogar zu Sehstörungen sowie einer Schädigung des Sehnervs.

Neben den typischen Beschwerden, die eine Schilddrüsenüberfunktion auslöst, ist insbesondere Herzrasen charakteristisch.

Schilddrüsenautonomie

Kropf
Ein Kropf bildet sich bei Jodmangel.

Normalerweise wird die Produktion durch den Hypothalamus und die Hypophyse geregelt. Bei einer Schilddrüsenautonomie agiert die Schilddrüse unabhängig von diesen Einflüssen. Die Autonomie betrifft entweder die ganze Schilddrüse oder nur Teile. Wenn lediglich autonome Bereiche in der Schilddrüse verstärkt arbeiten, sprechen Mediziner von autonomen Adenomen. Ursächlich für die Entstehung einer Schilddrüsenautonomie ist in der Regel Jodmangel. Bereits bei einer gesunden Schilddrüse gibt es autonome Zellen. Bei einer permanenten Jodunterversorgung führt zu einer Zunahme der funktionell autonomen Zellen. Die Symptome einer autonomen Schilddrüse sind die einer latenten oder manifesten Hyperthyreose. Auffällig ist die Vergrößerung der Schilddrüse bis zur Kropfbildung (Struma).

Immer noch leiden mindestens 20 Millionen Menschen in Deutschland unter einem behandlungsbedürftigen Jodmangelkropf. Die Häufigkeit der Schilddrüsenknoten nimmt mit dem Alter zu. Dabei führt gerade eine Schilddrüsenautonomie bei älteren Menschen oft zu Befindlichkeitsstörungen sowie kardiovaskulären Erkrankungen.

Knoten

Unser Lesetipp: Wie Sie Ihren Jodhaushalt in den Griff bekommen, erfahren Sie in unserem Fachartikel Jod.

Schilddrüsenüberfunktion erkennen – das sind die Symptome

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Eine Schilddrüsenüberfunktion äußert sich durch vielfältige Symptome:

  • vergrößerte Schilddrüse, u. a. Bildung eines Struma
  • Gewichtsabnahme trotz gesteigertem Appetit und ausreichender Ernährung
  • Haarausfall
  • vermehrtes Schwitzen sowie Wärmeintoleranz
  • beschleunigter Puls, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck
  • Nervosität und Unruhe
  • Schlafstörungen
  • zittrige Hände
  • Muskelschmerzen
  • Stimmungsschwankungen
  • Durchfall
  • Zyklusstörungen

Je nach Ursache der Schilddrüsenüberfunktion können weitere Beschwerden auftreten. Für Morbus Basedow ist wie oben beschrieben der hervortretende Augapfel bezeichnend, für die Schilddrüsenautonomie das Struma.

Schon gewusst?

Nicht nur eine Schilddrüsenautonomie regt die Bildung eines Kropfes an. Neben Jodmangel sind u. a. Hormonveränderungen aufgrund von Schwangerschaft, Entzündungen, Tumore oder Medikamente auslösend.

Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion

Eine Schilddrüsenüberfunktion ist nicht heilbar. Eine Therapie zielt daher auf die Minderung der Beschwerden ab. Es stehen hierzu verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Medikamentengabe
  • Radiojodtherapie
  • Operation
  • Ernährungsanpassung

Medikamente bei Hyperthyreose

Dragees
Eine medikamentöse Therapie gelingt bei Morbus Basedow mit Thyreostatika.

Wenn Morbus Basedow ursächlich für die Schilddrüsenüberfunktion ist, werden die Betroffenen meist mit sogenannten Thyreostatika wie Thiamazol und Carbimazol behandelt. Diese Wirkstoffe hemmen die Bildung der Schilddrüsenhormone.  

Bei einer vorliegenden Schilddrüsenautonomie sind Thyreostatika für die Therapie jedoch nicht geeignet. Hier müssten die Medikamente dauerhaft eingenommen werden, was jedoch mit starken Nebenwirkungen einhergeht. Daher werden Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion aufgrund einer Schilddrüsenautonomie mit einer Radiojodtherapie oder einer Operation behandelt.

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Nehmen Sie homöopathische Arzneimittel gegen Schilddrüsenüberfunktion nur in Absprache mit Ihrem behandelten Arzt ein.

Radiojodtherapie bei Überfunktion der Schilddrüse

Bei der Radiojodtherapie handelt es sich um eine Strahlenbehandlung der Schilddrüse.Die Patienten nehmen ein radioaktives Jodisotop ein. Dieses wirkt gezielt auf das Schilddrüsengewebe ein. Bei aktuellem Kinderwunsch, Schwangerschaft oder in Stillzeit wird diese Methode jedoch nicht angewendet.

Operation: (Teil-)Entfernung der Schilddrüse

OP-Team
Operationen an der Schilddrüse gehören zum klinischen Alltag.

Eine Operation kommt meistens infrage, wenn Sie an einer Schilddrüsenautonomie erkrankt sind oder bei bereits mit Medikamenten behandelten Morbus Basedow einen Rückfall erleiden. Die Schilddrüse wird entweder gänzlich oder in Teilen entfernt. Wenn lediglich betroffene Teile entfernt werden, besteht die Gefahr an einer Unterfunktion der Schilddrüse zu erkranken. Das liegt daran, dass das vorhandene Schilddrüsengewebe nicht mehr ausreicht, um genügend Hormone zu produzieren. Nach der (Teil-)Entfernung muss der Patient L-Thyroxin ein lebenlang einnehmen.

Ernährungsumstellung bei Schilddrüsenüberfunktion

Kurbeln Sie Ihren Stoffwechsel nicht zusätzlich durch koffeinhaltige Getränke oder Alkohol an. Achten Sie außerdem darauf, ausreichend Jod, aber keineswegs zu viel Jod zu sich zu nehmen: Verzichten Sie daher auf jodhaltige Heilwasser, Haut- und Desinfektionsmittel oder Medikamente. Auch Meeresalgen weisen oft eine hohe Konzentration an Jod auf und sollten deshalb nicht auf dem Speiseplan stehen.  

Verlauf und Prognose bei Schilddrüsenüberfunktion

Wird eine Überfunktion der Schilddrüse frühzeitig festgestellt und mit der Behandlung begonnen, stehen die Chancen gut, ohne große Einschränkungen mit der Erkrankung leben zu können. Bei etwa der
Hälfte aller Patienten bildet sich Morbus Basedow zurück und Bedarf keiner lebenslangen Behandlung. Bei der Schilddrüsenautonomie hingegen müssen Ärzte die Betroffenen permanent überprüfen und behandeln, da sich sonst das schadhafte Gewebe vergrößert.

Wird eine Hyperthyreose zu spät festgestellt oder nicht therapiert, können Folgeerkrankungen wie Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Osteoporose entstehen.


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Stand vom: 22.09.2020

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen.