Vergesslichkeit im Alter

Leichte kognitive Störungen

Die Altersvergesslichkeit wird in der Medizin als leichte kognitive Störung bezeichnet. Kognitiv kommt aus dem lateinischen und heißt so viel wie „das Erkennen betreffend“. Vergesslichkeit im Alter macht sich vor allem durch die Leistungsabnahme des Gedächtnisses und einer verminderten Aufmerksamkeit bemerkbar.

Warum lässt unser Gedächtnis im Alter nach?

Laut einer Studie, die 2012 im “British Medical Journal” erschienen ist, nimmt die Gedächtnisleistung bereits ab 45 Jahren ab. Es fällt älteren Personen schwerer, neue Inhalte zu erlernen und diese später zuverlässig abzurufen.

Im Gehirn ist der Hippocampus für das Speichern von Erinnerungen sowie Neuerlerntem zuständig. Im Alter lässt seine Leistungsfähigkeit nach. Genau genommen ist das Areal „Gyrus dendatus“ besonders stark betroffen. Dort nimmt die Stoffwechselaktivität deutlich früher ab, als in anderen Hirnarealen. Neuro-Wissenschaftler der Columbia University in New York glauben zudem, dass die nachlassende Lernfähigkeit mit der verminderten Aktivität des Gens Arc zusammenhängt. Dieses wird benötigt, um neue Gedächtnisinhalte zu speichern.

Neuere Studien zeigen, dass eine versteckte Region im Gehirn einen besonders großen Einfluss auf unser Gedächtnis im Alter haben. Der sogenannte blaue Kern (Locus coeruleus) ist ein winziges Areal im Hirnstamm. Er ist etwa 15 Millimeter groß. Mit einem weitverzweigten Netz von Nervenfasern ist die winzige Zellstruktur mit dem gesamten Gehirn verbunden. Der blaue Kern ist Hauptquelle des Neurotransmitters Noradrenalin. Dieser reguliert die Kommunikation zwischen den Nervenzellen. Er trägt damit wesentlich zur Kontrolle von Stress, Gefühlen und Aufmerksamkeit bei und unterstützt Umbauvorgänge auf zellulärer Ebene. Damit ermöglicht der Neuromodulator die langfristige Speicherung neuer Erinnerungen, Fähigkeiten und Kenntnisse.

Im Umkehrschluss heißt das, ist der Locus coeruleus im Alter gesund, stimmen auch die Gedächtnisleistungen. Denn im Alter zeigen sich zunehmend Verfallserscheinungen. Die Alzheimer-Demenz etwa zeigt sich als erstes im Locus coeruleus, bevor überhaupt Verhaltensänderungen auftreten.1

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten: Mit dem Älterwerden erhöht sich die fluide Intelligenz. Man denkt zwar langsamer, dafür aufgrund der Summe der vernetzten Lernerfahrungen komplexer.

Altersvergesslichkeit und Demenz: Was sind die Unterschiede?

Vergesslichkeit im Alter: Senior schaut auf den Kalender.
Kalender und Notizzettel sind wichtige Helfer bei Vergesslichkeit im Alter.

Im Gegensatz zur Demenz schreitet Altersvergesslichkeit nicht ständig weiter fort. Sie bleibt ab einem bestimmten Niveau unverändert. Demenz zeigt sich außerdem durch weitaus stärkere Einschränkungen der Denkleistung. Es treten Störungen auf, die sich auf die Orientierung, die Geschicklichkeit, das Lesen, Schreiben und Rechnen auswirken.

Die Altersvergesslichkeit verläuft in der Regel harmlos. Sie entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Die Abgrenzung zur Demenz ist jedoch nicht ganz eindeutig. Experten nehmen an, dass Altersvergesslichkeit eine Vorstufe zur Demenz sein kann. Neueren Studien zufolge entwickelt sich bei etwa 15 % der Betroffenen aus der leichten kognitiven Störung im Laufe eines Jahres eine Alzheimer-Demenz. Um eine solche Entwicklung frühzeitig zu erkennen, sollten Betroffene rechtzeitig mit ihrem Hausarzt oder mit Fachärzten, wie einem Neurologen, über die Gedächtnisprobleme sprechen.

Normale Vergesslichkeit im Alter oder Demenz? Unterschiede gibt es, allerdings sind diese nicht immer leicht zu erkennen. Mögliche Unterscheidungskriterien sind:

AltersvergesslichkeitDemenzerkrankung
Gelegentlich werden Dinge wie Schlüssel oder Brille verlegt oder Telefonnummern und Namen vergessen, aber sie werden wiedergefunden oder man erinnert sich wieder daran.Häufig werden Gegenstände verlegt und es bereitet große Mühe, diese wiederzufinden. Tauchen die Gegenstände wieder auf, befinden sie sich oft an unüblichen Ablageplätzen.
Teilweise werden Inhalte aus Erlebnissen vergessen, an die man sich später wieder erinnert.Betroffene vergessen ganze Erlebnisse, an die sie sich später nur selten wieder erinnern.
Notizzettel können als Merkhilfe genutzt werden.Zunehmend geht die Fähigkeit verloren, Notizzettel als Erinnerungsstütze zu nutzen.

Ursachen der Altersvergesslichkeit

Ältere Frau
Je älter man wird, umso mehr nimmt die Gedächtnisleistung ab.

Die genauen Ursachen für Altersvergesslichkeit sind nicht bekannt. Fest steht, dass ein Zusammenhang zum normalen Alterungsprozess besteht. Altern zeigt sich unter anderem durch Veränderungen des Körpers. Auch das Gehirn ist davon betroffen. Ab dem 40. Lebensjahr nimmt das Gehirn an Masse ab – bis ins hohe Alter wird es um 10 bis 15 % kleiner. Durch diesen Alterungsvorgang ändern sich auch die Verbindungen zwischen den Nervenzellen (Synapsen). Die Gedächtnisleistung nimmt daher im Zuge der Alterung ab und betrifft früher oder später jeden.

Eine leichte kognitive Störung ist mitunter auch die Folge einer Erkrankung. Dazu zählen zum Beispiel Gehirnblutungen, ein Gehirntumor oder Infektionskrankheiten wie Neuroborreliose. Auch eine Depression oder eine Neurose kann Symptome einer Altersvergesslichkeit auslösen.

Symptome bei Vergesslichkeit im Alter

Die Vergesslichkeit im Alter zeigt sich durch verschiedene Symptome:

  •  Namen, Adressen oder Nummern prägen sich nicht so gut ein oder man erinnert sich schlechter daran.
  • Gelegentlich werden Ablageorte von beispielsweise Brille oder Ausweis vergessen.
  • Teile von Erinnerungen, die im Kurzzeitgedächtnis gespeichert sind, gehen vorübergehend verloren.
  • Die Konzentrationsleistung lässt nach, es fällt schwer, sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren.
  • Betroffene wirken auf andere unaufmerksam oder ungeduldig.

Behandlung von Altersvergesslichkeit: Welches Medikament bei Gedächtnisschwäche?

Aktuell gibt es noch keine Behandlungsmethode, um die Beschwerden einer leichten kognitiven Störung zuverlässig zu heilen. Zwar gibt es Arzneimittel, die eingesetzt werden, um das Fortschreiten der Gedächtnisschwäche aufzuhalten. Jedoch gibt es zu diesen Medikamenten und ihren Wirkungserfolgen bis jetzt nur wenige Forschungsergebnisse.

Dennoch spricht nichts dagegen, Präparate zur Unterstützung der Gedächtnisleistung einzunehmen. Gingko-Präparate werden bei Gedächtnisschwäche vielfach empfohlen, um die Gedächtnisleistung zu stärken und die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Die aus den Ginkgo-biloba-Blättern gewonnenen Inhaltsstoffe dieser Mittel sind im wesentlichen Flavonoide und Terpenoide. Diesen wird ein zellschützender, zellerneuernder und durchblutungsfördernder Effekt zugesprochen.

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Schachspielen
Schachspielen macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch die geistige Gesundheit.

Darüber hinaus kommen Behandlungsmethoden aus der Psychotherapie zum Einsatz. Sie helfen, die Leistungs- und besonders die Merkfähigkeit zu erhalten.

Allgemein sorgen regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und eine gesunde Ernährung für eine Verbesserung der Gedächtnisleistung. Denn unser Gehirn benötigt zum einen Sauerstoff und zum anderen Nährstoffe.

Unser Lesetipp: Tipps für die geistige Fitness


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Stand vom: 29.05.2020

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit findet sich im Text die jeweils männliche Form bei Personenbezeichnungen. Es versteht sich jedoch von selbst, dass sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter beziehen.

Weiterführende Literatur:

1 Dahl, M. J.; Mather, M.; Düzel, S.; Bodammer, N. C.; Lindenberger, U.; Kühn, S. und Werkle-Bergner, M. : Rostral locus coeruleus integrity is associated with better memory performance in older adults. In: Nature Human Behaviour. 2019, 3. Ausgabe, S. 1203–1214